Im „Gesamtkunstwerk“ Café Grün wird das Inventar versteigert / Auktionsteilnehmer geben nur wenige Gebote ab

31 Jahre Kneipengeschichte für ein paar Euro

Bremen - Eine Gefriertruhe, Kaffeemaschinen, Möbel und sonstiger Kleinkram wurden gestern Mittag bei der Versteigerung des Inventars im Café Grün im Fedelhören angeboten. Etwa 20 Gäste waren gekommen. Besonders viel konnte der ehemalige Besitzer des Cafés, Hermann Stuzmann, allerdings nicht verkaufen, denn viele der potentiellen Bieter übten sich in vornehmer Zurückhaltung.

Es herrschte irgendwie gedrückte Stimmung im Café Grün, schließlich öffnete die Kulturstätte anlässlich der Versteigerung zum letzten Mal ihre Pforten. Regelmäßig hatten hier Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattgefunden, auch die ehemalige Literaturzeitschrift „Stint“ war lange Zeit mit dieser Adresse eng verbunden. Hermann Stuzmann, der 31 Jahre lang das Café führte, blies dann zur Eröffnung der Auktion auf einem langen, dünnen Plastikrohr eine Fanfare. Zuerst wurden ein paar Metallstühle zum Startpreis von zehn Euro das Stück angeboten, aber keiner der Gäste schien interessiert. „Hat denn niemand einen Garten? Die sind in jeder Hinsicht wetterfest“, rief Tobias Jodeit, der die Auktion moderierte. Doch im Raum blieb es still. Auch für die komplette Zapfanlage mit zwei Kühlschränken zum Startpreis von 600 Euro wollte niemand bieten. „Hier herrscht betretendes Schweigen“, sagte Stuzmann und versuchte, die Leute zu motivieren: „Es ist auch immer ein Stück von 31-jähriger Geschichte, die Sie hier erwerben können.“

Unter den Hammer kamen aber immerhin ein Tisch für 30 Euro, ein Geschirrspüler für 20 und ein Weinentkorker für 50 Euro. Bei dem Entkorker überboten sich zwei Herren immer wieder gegenseitig, bis es hieß: „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft.“ Nach gut 20 Minuten war die Auktion beendet. Die Leute konnten im Anschluss noch das Lager durchstöbern und mit Stuzmann direkt über Preise verhandeln. Das, was nicht versteigert wurde, wird jetzt zum Teil noch übers Internet angeboten, an Freunde verteilt oder landet eben auf dem Müll.

Jürgen Dierking war einer der Gäste. Gekauft hat er jedoch nichts. Er war noch einmal da, um dem Café Grün seine letzte Ehre zu erweisen, denn hier habe er als ehemaliges Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift „Stint“ viel Zeit verbracht. Das Café Grün sei „ein Gesamtkunstwerk“ gewesen, sagte Dierking.

Die einstige Kulturstätte wird jetzt renoviert, bevor ab Februar ein Immobilienbüro einzieht. · sg

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