Ein Jubiläum mit Richtfest

125 Jahre Jacobs: Bremens Kaffeehaus

Der Richtkranz hängt an einem Kran vor der zur Stadtwaage liegenden Seite des „Johann-Jacobs-Hauses“. Zwischen dem Neubau und dem historischen Gebäude entsteht der „Jacobs-Hof“ – „ein öffentliches Zimmer“, so Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Foto: KUZAJ

Bremen - „Wunderbar“ findet er das Gebäude, sagt Dr. Christian Jacobs, der Investor. Von einem „Geschenk“ spricht Professorin Iris Reuther, die Senatsbaudirektorin. „Ein charaktervoller Nachbar für die historische Stadtwaage.“ Und: „Ein Neubau, der Zeichen setzt.“ Viele lobende Worte fallen beim Richtfest am „Johann-Jacobs-Haus“ in der Bremer Innenstadt, das am Mittwoch mit etwa 150 Gästen gefeiert wurde. Der Tag dafür war bewusst gewählt, er hat sozusagen ein historisches Aroma.

Denn genau 125 Jahre sind vergangen, seit sich Johann Jacobs (1869 bis 1958), Spross einer Borgfelder Bauernfamilie, am 15. Januar 1895 mit einem – wie es damals hieß – „Specialgeschäft in Caffee, Thee, Cacao, Chocoladen, Biscuits“ selbstständig machte: Die Geburtsstunde einer Kaffee-Weltmarke im Herzen Bremens. Nach zwei Jahren zog er vom Domshof 18 in die Sögestraße, im Jahr 1903 dann in die Obernstraße.

Diese Adresse wächst zum Stammsitz. Jacobs setzt auf Eigenarten verschiedener Kaffeesorten, auf die jeweils richtige Röstung, auf Aroma- und Geschmackserlebnisse. Und er gewinnt große Kunden wie den Norddeutschen Lloyd (NDL), die Krone nicht nur der bremischen Passagierschifffahrt.

Stammsitz an der Bremer Obernstraße

Im Zweiten Weltkrieg wird das Stammhaus zerstört. Die Familie Jacobs lässt es 1948 neu aufbauen, als Deutschland wieder Rohkaffeelieferungen bekommt. Diesen Bau hat der Unternehmer Christian Jacobs, Urgroßneffe des Firmengründers Johann Jacobs, abreißen lassen. Der von dem Berliner Architekturbüro Christian Felgendreher, Johannes Olfs und Christina Köchling entworfene Neubau ist breiter und höher als das vorherige Gebäude an der Obernstraße 20.

Per Zeitungsannonce gibt Johann Jacobs im Januar 1895 seine Geschäftseröffnung bekannt. Foto: JDE

Der markante Neubau ist – neben dem wuchtigen Kühne-und-Nagel-Bau an der Wilhelm-Kaisen-Brücke – der erste Meilenstein auf dem Weg zur Neugestaltung weiter Teile der Bremer Innenstadt. Zugleich ist das „Johann-Jacobs-Haus“ Auftakt und Tor zum „Balge-Quartier“, mit dem Christian Jacobs einen Brückenschlag von der Obernstraße über die Langenstraße zu Schlachte und Weser schaffen will. „Handlauf zur Weser“, so nennt er das gern. Etwa 100 Millionen Euro investiert der Unternehmer, 1962 in Bremen geboren, dafür. 2024, so das Ziel, will er das Quartier eröffnen.

Im April sollen die Innenarbeiten im „Johann-Jacobs-Haus“ abgeschlossen sein. Dann wird es eröffnet. Es gehe dem Investor darum, das Stammhaus „in seiner historischen Art und Weise“ wieder zu errichten und es zugleich neu zu interpretieren, sagte ein Sprecher.

Eröffnung im April

Fünf Stockwerke, Dachterrasse mit prächtigem Ausblick, knapp 1 400 Quadratmeter Fläche – das Haus wird dem Kaffee gewidmet, verbunden mit Markenpflege. „Mit dem neuen ,Johann-Jacobs-Haus‘ kehrt ein Stück Kaffeegeschichte zurück nach Bremen“, so Christian Jacobs. „Wir wollen die Herstellung von Kaffee greifbar machen und einen Treffpunkt für Kaffeeliebhaber schaffen, denen Qualität und Nachhaltigkeit wichtig sind.“

Neben einem „Jacobs-Kaffee“-Ladengeschäft mit angeschlossener Rösterei gibt es eine „Jacobs-Kaffee-Akademie“. Im Geschäft werden neben den bekannten Produkten auch „quartalsweise wechselnde Kaffeespezialitäten aus unterschiedlichsten Herkunftsländern“ angeboten. Das Spektrum der Akademie reicht „von Seminaren für private Kaffeeliebhaber und Touristen bis hin zu professionellen Barista-Kursen für Gastronomen mit Zertifizierungsmöglichkeiten“.

„Kaffeesack-Logo“ aus dem Jahr 1913. Foto: JDE

Hinzu kommen Sehenswürdigkeiten wie das historische und holzvertäfelte „Walther-J.-Jacobs-Zimmer“ und Räume, die als Veranstaltungsflächen an Privat- und Geschäftskunden vermietet werden – „für Events in einer authentischen Kaffeewerkstattumgebung“. Der gebürtige Bremer Jonathan Wehking leitet das Haus, in das auch zwei Mieter einziehen werden: das „Espresso House“ und der Schweizer Chocolatier Läderach.

„Jacobs“ und „Jacobs Kaffee“ sind Marken des Unternehmens Jacobs Douwe Egberts (JDE), das seine Zentrale an der Langemarckstraße in der Neustadt hat, nicht weit vom „wiedergeborenen“ Jacobs-Stammhaus entfernt, praktisch nur einmal schräg rüber über die Weser.

„Hier schlägt das Herz der Marke“

„Jacobs gehört zu Bremen wie die geröstete Bohne zum Kaffee. Hier schlägt das Herz der Marke“, sagt Luc Van Gorp, Geschäftsführer für das Einzelhandelsgeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei JDE. Für den Sommer plant das Unternehmen ein Jubiläumsfest für die 500 Bremer Innendienst- und Werksmitarbeiter und deren Familien. Zuvor aber, im April, steht ja noch die Eröffnung des „Johann-Jacobs-Hauses“ an.

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