30 Jahre Frauen bei der Bremer Polizei

Eine Pionierin in Uniform

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Erfahrene Polizisten und ihre jüngeren Kollegen im Gespräch mit unserer Zeitung über 30 Jahre Frauen bei der Bremer Polizei: Horst Göbel (v. l.), Claudia Winkler, Ina Werner und Jesper Theis.

Bremen - Von Viviane Reineking. Beim Betrachten der 30 Jahre alten Fotos muss Claudia Winkler schmunzeln. Die heute 51-Jährige gehört zu den ersten Frauen, die 1987 eine Ausbildung bei der Bremer Polizei begannen. „Wir trugen Männeruniformen, der Krawattenknoten saß viel zu tief und von den Männerschuhe bekamen wir Blasen an den Füßen.“ Doch mit ihrer damaligen Berufskleidung waren die Nachwuchspolizisten offenbar noch gut bedient: „Angedacht waren für uns anfangs sogar wadenlange Röcke.“

Polizei war seit jeher Männersache. Bis im 1987 die ersten Frauen gemeinsam mit männlichen Kollegen ihre Ausbildung bei der Bremer Polizei begannen. Auf Streife gehen, Diebe dingfest machen, das durften von da an auch Frauen. Neben 19 Männern wurden Ende September 21 Frauen eingestellt. „Es gab schlicht nicht mehr genügend Bewerber für den Polizeidienst. Daher begann man, diesen Bereich auch für Frauen zu öffnen“, sagt Polizeisprecher Horst Göbel, selbst seit 1973 bei der Polizei. Drei Jahrzehnte später sind es in Bremen 631 Frauen, die etwa Streife fahren, bei Demonstrationen für Sicherheit sorgen und in der Mordkommission ihren Dienst tun – laut Polizei ein Frauenanteil von 26 Prozent.

Polizistinnen in Uniform – was heute ein alltägliches Bild ist, war vor 30 Jahren alles andere als Normalität. Claudia Winkler war 22 Jahre alt, als sie ihre Ausbildung in der Kaserne in Huckelriede begann. „Beim Sport mussten wir noch Boxershorts tragen, die eigentlich für die Kollegen vorgesehen waren“, erinnert sich die gebürtige Bremerin, die heute im Bremer Norden Streife fährt.

Ausbilder waren „total verunsichert“

Für die jungen Männer im selben Ausbildungsjahrgang seien Frauen normal gewesen, „sie kannten das ja aus der Schule“, so Winkler. „Aber für die älteren Kollegen in Huckelriede waren wir Exoten, wurden schon ein wenig beäugt.“ „Total verunsichert“ seien die Ausbilder manchmal gewesen, etwa darüber, wie viel den Frauen beim Sport abverlangt werden könne.

Winkler und ihre Kolleginnen waren Pioniere, Wegbereiter für die kommenden Generationen von Polizistinnen. „Man hat damals mit uns gelernt.“

Eine abwartende Haltung und Vorbehalte habe es zu Beginn schon bei manch einem gegeben, erinnert sich Horst Göbel. Es sei auch vorgekommen, dass sich Kollegen geweigert hätten, mit Frauen Streife zu fahren. Man habe es sich nicht so recht vorstellen können, dass Frauen auch mit anpacken können, so Göbel. 

Eine Pionierin bei der Arbeit: Claudia Winkler in ihren Anfangsjahgren im November 1991 bei der Bremer Polizei.

Schnell hätten sie aber mitbekommen: „Doch, sie können.“ Insgesamt allerdings habe es keine deutliche Ablehnung gegeben. Winkler: „Zumindest haben sie es nicht laut gesagt.“ Stattdessen seien sie freundlich und neugierig aufgenommen worden. Die Kollegen hätten festgestellt: Frauen entspannten auch mal einen Einsatz.

Mit schlecht sitzenden Uniformen, provisorisch eingerichteten Toiletten- und Duschräumen – Winkler: „1987 war für uns so ziemlich alles provisorisch“ – sowie verunsicherten Ausbildern musste sich Ina Werner beim Ausbildungsstart 2008 nicht mehr auseinandersetzen. Auch Vorbehalte habe es ihr als Frau gegenüber nicht gegeben: „Frauen bei der Polizei – das war da schon fest in den Köpfen verankert“, so die Polizistin, die in dem Jahr geboren wurde, als Claudia Winkler ihre Polizei-Laufbahn begann.

Polizistinnen wirken oft deeskalierend

Gemeinsam mit Ina Werner im Einsatz- und Streifendienst in der Bremer Neustadt unterwegs ist Jesper Theis. Der 38-Jährige wurde in Nordrhein-Westfalen ausgebildet. Mit einem kräftigen Kollegen an seiner Seite fühle er sich keineswegs sicherer als mit seiner Kollegin: „Wir sind doch alle gleich ausgebildet.“ Er weiß: Polizistinnen erleichtern auch die Arbeit, etwa bei geschlechterspezifischen Durchsuchungen. Und wirkten außerdem deeskalierend. Heute seien Frauen bei der Polizei eine Selbstverständlichkeit, betonen die Polizisten. Auch wenn manch ein Bürger sein Wort automatisch an den männlichen Kollegen richte, wie Ina Werner aus Erfahrung weiß.

Anerkennung wünschen sich beide Geschlechter aber eher in einem ganz anderen Bereich: der Akzeptanz von Teilzeitarbeit, etwa nach der Geburt eines Kindes.

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