Taufe auf dem Trockenen

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Alt und neu auf einem Bild – im Vordergrund das historische Ruderrettungsboot „August Grassow“, dahinter das – zu diesem Zeitpunkt noch ungetaufte – neue Seenotrettungsboot „Henrich Wuppesahl“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Eine Schiffstaufe auf dem Bremer Marktplatz, auf dem Trockenen – das ist, so Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), etwas „ganz Außergewöhnliches“. Heute, am 150. Jahrestag der Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (kurz: DGzRS), geschah das Außergewöhnliche.

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten und Seenotretter-Schirmherrn Joachim Gauck, taufte – in Sichtweite des Rathauses und unter den Augen des Rolands – das neue Seenotrettungsboot SRB65, ein modifiziertes und kompaktes Spezialschiff der 9,50-/10,10-Meter-Klasse. „Ich taufe Dich auf den Namen ‚Henrich Wuppesahl‘. . .“ Schadt sprach die entscheidenden Worte etwa eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant. Und dann tönte – weithin zu hören – um 15.41 Uhr dreimal das Schiffshorn über den Marktplatz. Und eigentlich über die gesamte Innenstadt.

„Das sieht noch nicht gut aus.“ Mit höchster Sorgfalt war das Seenotrettungsboot am Vormittag für die Taufe geschmückt worden. Und bis so eine Girlande richtig hängt, dauert es eben. Mit dem Bootsnamen greifen die Seenotretter in die Geschichte der deutschen Schifffahrt – und in die maritime Geschichte Bremens – zurück. Henrich Wuppesahl (1905 bis 1986) war „eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Seeversicherung und Mitglied des Bremer Bezirksvereins der DGzRS“, hieß es.

Und: „Seine Neffen trugen in entscheidendem Maße dazu bei, den Bau des neuen Bootes zu finanzieren. Sie setzten damit eine Familientradition fort: Henrich Wuppesahl selbst hatte 1977 den Bau des auf den Namen seines Vaters getauften Seenotrettungsbootes ‚Carl A. Wuppesahl‘ ermöglicht.“ Es war von 1977 bis 1984 in Fedderwardersiel sowie anschließend bis 2004 in Eckernförde stationiert. Felipa (10) und Anicka (11) aus der Familie des Namensgebers unterstützten Daniela Schadt bei der Taufe der „Henrich Wuppesahl“. Schadt wünschte „allzeit gute Fahrt und der Besatzung stets eine sichere Heimkehr“.

150-Jahr-Feier der Seenotretter auf dem Bremer Marktplatz

Das neue Seenotrettungsboot ist der erste Neubau der DGzRS in Mecklenburg-Vorpommern seit der Wiedervereinigung. Gebaut wurde es auf der Werft Tamsen Maritim in Rostock, was wiederum den Bundespräsidenten freute, der ja aus Rostock kommt.

Stationiert wird die „Henrich Wuppesahl“ auf der Freiwilligen-Station Neustadt in Holstein. Wolfgang Schulz, der Vormann dieser Station: „Die Taufe dieses Bootes durch die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten ist eine ganz außerordentliche Würdigung unseres freiwilligen, ehrenamtlichen Einsatzes.“

Und so eine Taufe auf dem Trockenen? DGzRS-Vorsitzer Gerhard Harder: „Keine Sorge. Das Schiff war schon im Wasser.“

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