Bürgerparkverein: Die Sache mit dem Schatten

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Ein Parkbewohner und...

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Alles begann mit einem Schützenfest. Das Schützenfest brachte die Bremer auf eine Idee. Aus dieser Idee wiederum erwuchs der Bürgerpark, der heute als größte privat finanzierte Parkanlage Deutschlands gilt. Der Verein, der den Park trägt, ist am 16. November 1865 gegründet worden. Vor nunmehr 150 Jahren also. Und das wurde gestern in der Oberen Rathaushalle gefeiert.

„1865, da war richtig was los“, beschrieb Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) eine Aufbruchstimmung, die er selbst natürlich nicht erlebt haben kann. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wurde in jenem Jahr gegründet. Und eben das „Comité für die Bewaldung der Bürgerweide“. Eine, wenn man so will, frühe Bürgerinitiative.

„Damals wie heute ist der Bürgerparkverein ein herausragendes Beispiel für Bürgerengagement, auf das wir stolz sein können“, so Sieling. „Dieser Einsatz von Bürgern für Bürger hat in unserer Hansestadt eine lange und vor allem eine gelebte Tradition.“

...Farben des Herbstes: Bürgerpark im November.

Aber warum? Warum wollten die Bremer Bürger die Bürgerweide „bewalden“, wie man es auszudrücken beliebte? Nun, das hatte mit dem Schützenfest zu tun. In der Zeit vom 16. bis 24. Juli 1865 war die Bürgerweide, damals eben weitaus größer als heute, Schauplatz des zweiten „Deutschen Bundesschießens“ gewesen, das der Deutsche Schützenbund organisiert hatte. Es lockte 14000 Menschen an. Und die müssen ganz schön geschwitzt haben. Denn es war heiß in Bremen, sehr heiß. So mancher Schütze wurde in der Sommerhitze Opfer eines Sonnenstichs. Das warf einen unschönen Schatten auf die Gastgeberstadt.

Man wollte lieber schützenden, kühlenden, erholsamen Schatten haben – etwa durch Bäume. Der Kaufmann Johann Hermann Holler (1818 bis 1868) ging zum Senat, um dort für die Idee eines Parks für alle Bremer zu werben. Der Senat fand die Sache gut, sehr gut sogar. Nur Geld wollte er nicht dazugeben, denn er hatte schon damals keins.

„Die Pro-Kopf-Verschuldung war sogar höher als heute“, sagte Joachim Linnemann, Präsident des Bürgerparkvereins, gestern im Rathaus. So wurde der Bürgerparkverein gegründet, um den Park anzulegen und zu bewirtschaften. Holler sammelte 60 Mitstreiter um sich. Linnemann: „Bürger übernahmen eine öffentliche Aufgabe. Das war vorausschauend.“

Für die wachsende Stadt Bremen – es herrschte die Aufbruchstimmung des Industriezeitalters – sollte ein Volksgarten mit Liegewiesen, Seen und Spielplätzen entstehen. Die Gestaltung legte das „Comité“ schließlich in die Hände des Landschaftsgärtners und Gartenarchitekten Wilhelm Benque (1814 bis 1895), der gerade am Central Park in New York mitgewirkt hatte.

Schnell wuchs die Mitgliederzahl des Vereins auf 800. Heute sind es 2800. Wichtige Pfeiler der Parkfinanzierung sind die Bürgerpark-Tombola und die „Gräfin-Emma-Stiftung“, für die Linnemann sich weitere Gelder wünscht.

Angelegt wurde der Park ab dem 28. Juni 1866. Erster Akt: Aushub des Emmasees. 20 Jahre später waren die Arbeiten beendet. 1906 kam der angrenzende Stadtwald hinzu, womit sich die Fläche des Parks auf 202,5 Hektar vergrößerte. Seit 1984 steht der Bürgerpark unter Denkmalschutz. Parkdirektor Tim Großmann kündigte Jubiläumfeierlichkeiten für den Sommer 2016 an. Die Bäume des Parks spenden bereits seit langer Zeit genug Schatten.

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