Liebe seit 1945

Bremer Ehepaar Hein feiert Gnadenhochzeit

Dora und Rudolf Hein feiern morgen in der Neustadt Gnadenhochzeit – seit 70 Jahren sind die beiden verheiratet. - Foto: Caritas

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Kann ich eine Karotte haben?“ – Mit dieser Frage hat die Liebe im Jahr 1945 begonnen, die Liebe von Dora und Rudolf Hein. Rudolf Hein kam als Soldat auf einem Bauernhof in Timberhafen (Ostpreußen) in die Küche und Dora schälte gerade Karotten. Sie war mit ihrer Familie auf der Flucht auf dem Hof untergekommen. „Ich wusste sofort, was ich wollte“, sagt der 94-jährige Rudolf Hein – „und meint damit nicht das Gemüse“, wie Caritas-Sprecherin Simone Lause anfügt.

Am 15. Juni 1946 hat das Ehepaar Hein geheiratet. 15. Juni 1946 – das ist morgen, Mittwoch, genau 70 Jahre her. Und das wiederum bedeutet, dass Dora und Rudolf Hein morgen ein höchst seltenes Fest feiern dürfen – die Gnadenhochzeit. Die Heins feiern den großen Tag im Caritas-Stadtteilzentrum St. Michael in der Neustadt.

„Wir empfinden es als Geschenk Gottes, dass wir unsere Gnadenhochzeit in diesen Tagen gemeinsam erleben können“, sagt Dora Hein. Von dem Bauernhof in Ostpreußen musste sie 1945 nach einigen Wochen weiterfliehen. Zuvor verlobte sich das Paar noch. Sie zog dann zu einer Verwandten in Steinwitz bei Glatz. Er zog ebenfalls weiter. Bis nach Kiel. Zum Kriegsende begann er eine abenteuerliche Tour, die von der britischen in die russische Besatzungszone füherte – um sein „Dorchen“, wie er die 92-Jährige nennt, wieder zu treffen.

Neuenkirchen, Brake, Werlte und Bremen – die beiden sind in den folgenden Jahrzehnten oft umgezogen. Meist, weil Rudolf Hein als Postangestellter versetzt wurde. In Bremen sind sie geblieben.

Caritas-Sprecherin Lause: „Dora Hein hat Probleme mit ihren Augen, Rudolf Hein sitzt im Rollstuhl. Im Wohnen mit Service der Caritas fühlen sie sich jedoch sicher und führen ein in weiten Teilen eigenständiges Leben – unterstützt von Helfern. Zum Beispiel kommt der ambulante Pflegedienst der Caritas täglich mehrmals vorbei.“

Die Gnadenhochzeit feiern die Heins mit der ganzen Familie – vier Töchter, neun Enkel und zehn Urenkel reisen an, manche von ihnen aus Spanien und der Schweiz. Nach einem Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kapelle im Caritas-Zentrum St. Michael ist ein Sektempfang geplant.

Und? Wie funktioniert eine so lange Ehe? Klar, dass die Heins eine Antwort auf diese Frage parat haben: „Natürlich hatten wir auch Meinungsverschiedenheiten. Wir haben nur über die Jahre festgestellt: Man darf nicht nur sich selber sehen, sondern muss immer auf den anderen zugehen.“

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