Jacobs-Studie: Ausgrenzung ist Risikofaktor

Mit Respekt gegen Radikalisierung

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Sozialwissenschaftler Klaus Boehnke

Bremen - Respekt gegenüber ihnen und ihrer Lebensweise macht junge muslimische Einwanderer weniger anfällig dafür, zu radikalen Islamisten oder Terroristen zu werden. Das besagt eine Studie unter Beteiligung des Sozialwissenschaftlers Klaus Boehnke von der Jacobs-Universität.

Die Forscher untersuchten die psychologischen Prozesse, die zu einer Radikalisierung führen. Die meisten Teilnehmer der Befragung sind nach Angaben der Bremer Privatuni gut gebildete Muslime, darunter etwa die Hälfte Studenten. Befragt wurden in dem Gemeinschaftsprojekt der Jacobs-Uni und der Universität von Maryland 464 Muslime, 204 davon in Deutschland, die anderen in den Niederlanden und den USA.

„Unsere Studie belegt: Je mehr die Immigranten sich respektiert fühlen, desto weniger anfällig sind sie für eine Radikalisierung“, so die Psychologin Dr. Marieke van Egmond. Eine der Schlüsselfaktoren für das Einschlagen eines radikalen Weges – sich zum Beispiel als Kämpfer am „Dschihad“, dem sogenannten „Heiligen Krieg“ zu beteiligen –, sei die kulturelle Zugehörigkeit, so die Autoren.

Demnach seien diejenigen besonders gefährdet, die kulturell heimatlos seien, sich also weder mit der Kultur ihrer Herkunftsländer noch mit der ihrer Ankunftsländer identifizierten. Dieser Prozess der Marginalisierung verschärfe sich, je mehr die jungen Menschen ausgegrenzt würden, sich diskriminiert fühlten und den Verlust persönlicher Bedeutung erfahren, heißt es in einer Mitteilung der Jacobs-Universität. Radikale Gruppen wie beispielsweise der „Islamische Staat“ (IS) vermitteln nach dem Freund-Feind-Schema ein klares Zugehörigkeitsgefühl, seien deshalb für diese Personen attraktiv.

Knapp 90 Prozent der Befragten fühlen sich der Jacobs-Uni zufolge als Teil von Deutschland. Zugleich aber hatten sie den Eindruck, dass die Deutschen eine vollständige Anpassung erwarten, die die Immigranten mehrheitlich ablehnen. 77 Prozent stimmten der Aussage zu, in Deutschland gebe es ein nicht unerhebliches Ausmaß an Islamfeindlichkeit. „Auffällig“ sei: „Je stärker die Teilnehmer sich diskriminiert fühlten, desto weniger waren sie bereit, die Werte ihrer Herkunftsländer zugunsten der in ihrer neuen Heimat vorherrschenden zurückzustellen.“

Den Befragten mangele es nicht an formaler Integration, sondern an Anerkennung. „Wenn wir gerade bei diesen Personen Marginalisierung, Diskriminierung und ein Gefühl von Bedeutungslosigkeit finden und eine daraus resultierende Unterstützung für dschihadistische Gruppen, wird umso deutlicher klar, dass es nicht um sozialstrukturelle Erklärungen wie etwa schlechte Bildung und Arbeitslosigkeit geht, sondern um Fragen des kulturellen Umgangs mit Migranten“, so Boehnke. Er fordert, Integration nicht nur formal, etwa durch Sprachunterricht, zu verbessern. Vielmehr „sollten wir Respekt für andere Lebensweisen zum Ausdruck bringen“.

vr

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