SERIE „MEIN KUNST-STÜCK“ Waltraut Nordmeyers „Gletscher von Oræfum“

Isländische Schönheit

Waltraut Nordmeyer präsentiert ihr Werk „Der Gletscher von Oræfum“. Foto: DAVIDS

Bremen - Von Tido Davids. Lavafelder, Vulkane, Eisberge und Krater. Diese „apokalyptischen Landschaften“, so Waltraut Nordmeyer, haben sie seit 2002 nicht mehr losgelassen. Daraus entstand eines ihrer Werke mit dem Titel „Der Gletscher von Oræfum“. Das Bild und die Künstlerin sind heute Thema unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Das Gemälde zeigt den weißen namensgebenden Gletscher von Oræfum. Die unberührte Landschaft davor bildet einen „dekorativen Farbteppich“, sagt die Künstlerin. Himmel, Erde, Wasser und Berge: „Alles ist reduziert auf das Wesentliche, wie nach dem dritten Schöpfungstag“, sagt Nordmeyer.

Ganz bewusst hat sie sich bei der Arbeit im Frühjahr für Pastellfarben auf Karton entschieden. Damit könne sie schneller und direkter arbeiten, so würde man Island eher gerecht werden. Ziel der Arbeit sei es nicht gewesen, ein „identisches Abbild zu schaffen, sondern die Besonderheit des Ortes“ festzuhalten.

Ursprünglich wollte sie Musikerin werden, wie ihre Mutter. Doch die widrigen Verhältnisse der Nachkriegszeit machten das unmöglich. Geboren in Riga, aufgewachsen in Posen, folgte die Flucht nach Westdeutschland. Durch den Kunst-Unterricht kam sie immer wieder mit Kunst in Berührung. Mit 19  Jahren lernte sie ihren „Mentor“ Hans Meyboden kennen. „Er hat mir das Sehen beigebracht“, so Nordmeyer.

Unter ihm studierte sie drei Semester im Malatelier Freiburg, einer Außenstelle der Kunstakademie Karlsruhe. Im Anschluss daran entschied sich Nordmeyer für ein Lehramtsstudium in Kunst und Französisch an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Einen Beruf, den sie voller Überzeugung bis zum Ruhestand ausübte.

Damals sei es keine Entscheidung für oder gegen die Kunst gewesen, vielmehr wollte „ich Kunst vermitteln“, sagt sie. „Ich habe mir die freie Kunst damals aber auch nicht zugetraut“, gibt Nordmeyer zu. Außerdem sei es eine enorme Herausforderung, als freier Künstler „wissen zu müssen, dass man rechtzeitig die richtigen Ideen hat. „Von der finanziellen Unsicherheit abgesehen“, so die Künstlerin weiter.

Heute ist die 81-Jährige schon lange im Ruhestand. Vormittags kümmert sie sich um den Haushalt, Nachmittags arbeitet sie in ihrem Malzimmer. „Trotzdem bin ich keine Hobbymalerin. Dagegen wehre ich mich“, sagt Waltraut Nordmeyer. „Ich habe das schon studiert und mich damit auseinandergesetzt. Auch wenn ich keinegroße Malerin bin.“ Als Lehrerin habe sie ausschließlich in den Ferien gemalt, „trotzdem hatte ich immer eine gewisse Sehnsucht nach der Malerei“, so Nordmeyer.

Ob wir Kunst brauchen? „Auf jeden Fall. Ohne Kunst wären wir arm“, ist sich die 81-Jährige sicher. „Wir werden so stark von der Vernunft bestimmt. Praktische Erwägungen, Zweckdienlichkeit und Profit prägen unseren Alltag“, sagt die Künstlerin. „Alleine die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Menschen können sehr spannend sein.“ Ganz besonders geprägt wurde Nordmeyer von ihrem „Mentor“ Hans Meyboden (1901 bis 1965), „der ein sehr unterschätzter Maler ist, weil er außergewöhnliche Bildgefüge geschaffen hat und ein irrer Farberfinder war“. Inspiriert wurde der expressionistische Maler von Max Beckmann (1884 bis 1950). Beide wurden von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkt. Auch Waltraut Nordmeyer bewundert Max Beckmann: „Er hat mich immer kontinuierlich begleitet. Ich liebe die Symbolhaftigkeit seiner Bilder, zum Beispiel während der gewaltsamen Atmosphäre des Ersten und Zweiten Weltkriegs“, sagt die Künstlerin.

Ein eigenes Bild als Botschaft kann sich die Künstlerin nicht vorstellen. Aber einmal habe sie eine van Gogh-Ausstellung in Paris besucht. Dessen Werke wurden dabei großflächig an Wände projiziert. Besonders junge Menschen haben die Ausstellung besucht. „Auch zukünftig werden diese Menschen eine Van-Gogh-Ausstellung besuchen, da bin ich mir sicher“, so Nordmeyer. „Insofern ist das für mich auch eine Art Botschaft.“

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