Der Weltstar Max Raabe begeistert sein Publikum im Bremer Musicaltheater

Mit Ironie und Perfektion

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Auch die allerkleinste Geste sitzt: Max Raabe im Bremer Musicaltheater.

Bremen - Von Viviane Reineking - Er ist ein Weltstar, singt in der New Yorker „Carnegie Hall“ genauso wie auf Bühnen in Japan, China und Israel. Am Wochenende begeisterte Max Raabe mit seinem Palast-Orchester gleich zweimal vor ausverkauftem Haus im Bremer Musicaltheater am Richtweg.

Im Scheinwerferlicht spielt das zwölfköpfige Ensemble die ersten Takte, dann tritt der Mann mit der Baritonstimme vor sein Publikum. Glänzende Lackschuhe, sorgfältig zurückgekämmtes, natürlich pomadiges Haar und maßgeschneiderter Frack – so kennen und lieben die Fans Max Raabe.

„Ich bin nur wegen Dir hier“, säuselt der dann auch erst einmal ins Mikrofon, um kurz darauf treffend festzustellen: „Küssen kann man nicht alleine“ – zugleich Titel der Tour und des aktuellen, mit modernen Texten gespickten Albums, das er gemeinsam mit Annette Humpe („Ideal“, „Ich + Ich“) komponiert und produziert hat.

Dazu gibt der Chansonnier Tanzmusik und Schlager der 20er und frühen 30er Jahre zum Besten. Mal heiter, mal wehmütig, manchmal auch beides. Immer jedoch mit dieser unnachahmlichen Präzision, den mit Bedacht gewählten Worten und Gesten, teilweise voller feiner ironischer Perfektion. Wenn Raabe singt, scheint der musikalische Geist der Weimarer Zeit spürbar. Nicht abgespielt von der Schellackplatte, dafür neu interpretiert und scheinbar zeitlos.

Dem Programmtitel entsprechend, dreht sich vieles um die Damenwelt, handelt von der Wonne und den Widrigkeiten der Liebe. Er nähert sich Daisy an, schwärmt für Marie, sucht Liebe bei Pauline und fühlt sich von der Schaffnerin im ICE derart angezogen, dass er auf ärztliche Hilfe hofft.

Große Sachen wie die Liebe besingt Max Raabe mit Unaufgeregtheit, hin und wieder dezent gewürzt mit ironischen Gesten. Hier eine kaum wahrnehmbar hochgezogene Augenbraue, dort ein leichtes Kopfdrehen, ansonsten körperlich regungslos, nur mit seiner Stimme arbeitend. Schnörkelloser Minimalismus. Ein ums andere Mal lehnt der 49-Jährige dann lässig am Klavier, die Beine gekreuzt. Nimmt sich zurück und überlässt seinem erstklassig aufspielenden Orchester die Aufmerksamkeit.

Es gibt Rumba, Tango, Paso Doble und Walzer. Und ein Ständchen. Damit will er unter dem Fenster seiner Angebeteten werben, muss jedoch bedauern: „Seit Erfindung der Thermopenfenster ist das Serenadensingen aber sinnlos geworden.“

War in den Reihen des Musicaltheaters die meiste Zeit kaum ein begeistertes Mitwippen zu sehen, zeigt zum Ende das Publikum endlich seine Begeisterung und wird mit einem verrückten Glockenspiel und dem immergrünen Kaktus belohnt.

Max-Raabe-Fans können sich schon einmal einen neuen Termin im Kalender eintragen: Am 18. Februar 2013 ist der nächste Besuch des Weltstars in der Hansestadt geplant; der Vorverkauf für den Auftritt am Richtweg läuft bereits. Karten gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung und unter 0421/36 36 36.

www. musicaltheater-bremen.de

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