„Standbilder und ihre Geschichte“: Das „Bessel-Ei“ auf dem Hanseatenhof

Mit Ironie und Ellipse

Kein verspäteter Ostergruß, sondern das „Bessel-Ei“, das seit 1990 auf dem Hanseatenhof steht und an den Naturwissenschaftler Friedrich Wilhelm Bessel (1784 bis 1846) erinnert. ·
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Kein verspäteter Ostergruß, sondern das „Bessel-Ei“, das seit 1990 auf dem Hanseatenhof steht und an den Naturwissenschaftler Friedrich Wilhelm Bessel (1784 bis 1846) erinnert. ·

Bremen - Von Thomas KuzajEr beschäftigte sich mit der Erde, aber das zentrale Element des ihm zu Ehren aufgestellten Denkmals ist merkwürdigerweise ein Ei. Das Ei und all die anderen Elemente des Kunstwerks auf dem Hanseatenhof in der Bremer Innenstadt erinnern an Friedrich Wilhelm Bessel (1784 bis 1846). Und so heißt die Arbeit des Künstlers Jürgen  Goertz denn auch „Bessel-Ei“.

Bessel war Mathematiker und Astronom. Geboren wurde er in Minden, gestorben ist er in Königsberg, wo er 1810 Professor für Astronomie und Direktor der Sternwarte geworden war. Einiges aber verbindet ihn mit Bremen. Zum Beispiel seine Bekanntschaft mit dem Bremer Heinrich Wilhelm Olbers (1758 bis 1840), Arzt und Astronom in Zeiten der Aufklärung. Das 1850 aufgestellte Olbers-Denkmal in den Wallanlagen wurde jüngst in dieser Serie behandelt.

Olbers hat Bessel gefördert. 1799 war Bessel Lehrling in einem Bremer Handelshaus geworden. Das Kontor lag in einem Gebäude an der Papenstraße 6 – ganz in der Nähe steht heute das „Bessel-Ei“. Und noch etwas näher am „Ei“ stand einst die St.-Ansgarii-Kirche, die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den 50er Jahren abgerissen wurde. Ihre Spitze diente Bessel als Ausgangspunkt für die Landvermessung Bremens.

Im Kontor beschäftigte Bessel sich unterdessen mit Themen wie Schiffsfracht und Überseehandel. Das lenkte sein Interesse auf Aspekte der Nautik, und die Nautik wiederum führte ihn zur Astronomie. Da war der Weg dann nicht mehr weit zum Sternenforscher Olbers, der an der Sandstraße im Schatten des Doms wohnte. 1804 sprach Bessel Olbers auf der Straße an.

1806 ging Bessel dann nach Lilienthal – und fing als Inspektor in der Sternwarte des Olbers-Freunds Johann Hieronymus Schroeter (1745 bis 1816) an. Den Kaufmannsberuf hatte er aufgegeben. Jetzt zählten nur noch die Planeten und Kometen. Jetzt zählte nur noch die Wissenschaft. Das war überaus bemerkenswert für einen Mann, der den Besuch des Gymnasiums abgebrochen hatte, weil er den Lateinunterricht nicht ertragen konnte.

Auch Schroeter förderte Bessel sehr. Die Sternwarte in Lilienthal bot Bessel vor der Zeit in Königsberg die besten Möglichkeiten – sie hatte die damals größten Teleskope Europas. Und in Königsberg? Auf einer Tafel am „Bessel-Ei“ steht: „Als Professor in Königsberg berechnete F. W. Bessel die genauen Dimensionen der Erde, beobachtete als erster eine Fixsternparallaxe und schuf damit die Grundlagen der Entfernungsbestimmung im Weltraum.“

Das „Bessel-Ei“ von Jürgen Goertz stammt von 1989, wurde 1990 aufgestellt und wirkt in seiner verspielten Verbindung unterschiedlichster Elemente wie ein Kind der Postmoderne – Bessel-Porträt und Fernrohr, Farbspektrum und Ei in einem Material-Mix aus Bronzeguss und Edelstahl, Sandstein, Glas und Granit. Ein weiteres Kennzeichen der Postmoderne: Ironie. „Der Künstler nimmt die von Bessel berechnete ellipsenartige Form der Erde ironisch in der Form eines Eies auf“, heißt es auf der Internetseite „Kunst im öffentlichen Raum Bremen“.

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