Investor für geplantes Einkaufszentrum springt ab

Aus für das „City-Center“

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Gähnende Leere im Lloydhof: Das Gebäude bleibt erst einmal erhalten, die Verhandlungen für das geplante „City-Center“ mit dem portugiesischen Projektentwickler sind gescheitert.

Bremen - Von Viviane Reineking. Das geplante„City-Center“ in der Bremer Innenstadt wird nicht gebaut. „Die Verhandlungen mit dem portugiesischen Projektentwickler sind gescheitert“, teilten gestern Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) und Andreas Heyer, Chef der Bremer Wirtschaftsförderung (WFB), mit.

Schuld sei die aktuelle „schwierige Marktlage“ im Bremer Einzelhandel. Günthner und Heyer zeigten sich „enttäuscht“ von der Entscheidung des portugiesischen Projektentwicklers Sonae Sierra, kein Kaufangebot für den Lloydhof und das Brill-Parkhaus abzugeben. Neben den neuen Erkenntnissen zur Lage von Versorgungsleitungen im Baugrund (wir berichteten), die Anpassungen des bisherigen Baukonzeptes erforderlich gemacht hätten, habe sich die Einzelhandelslandschaft in der Bremer Innenstadt während des Vergabeverfahrens „massiv“ verändert.

Kommentar zum „City-Center“

Günthner sprach gestern von einer „toxischen Marktlage“ und meinte damit vor allem die bislang unklare Situation der beiden „Großen“ in der Bremer City, Karstadt und Kaufhof sowie den Umstand, dass das Hamburger Unternehmen ECE sein Engagement am Rand Bremens (Beispiel Weserpark) ausweitet. Günthner: „Offensichtlich hatte der Investor massive Zweifel, dass ein solches Projekt derzeit marktgängig“, sprich: rentabel, ist.

Vor etwa sieben Jahren hatte es erste Beschlüsse zum Vorhaben gegeben. Seitdem habe sich die Einzelhandelslandschaft massiv verändert, so Günthner. Um ein entsprechendes Projekt für Investoren attraktiv zu machen, hatte die WFB den Lloydhof vor zwei Jahren für 23,8 Millionen Euro gekauft. „Bis an die Schmerzgrenze“ von 20 Millionen Euro sei man dem Investor beim Kaufpreis für Lloydhof und Parkhaus entgegengekommen. Diesen Betrag aber war Sonae Sierra offensichtlich nicht bereit zu zahlen.

Aktuelle Planungen für ein neues Vergabeverfahren kommen für Günthner und Heyer derzeit nicht infrage: „Solange die Entwicklung in der Innenstadt nicht zu einem erkennbaren Ende gekommen ist und sich die Grundsatzfrage nicht gelöst hat, macht eine Entwicklung des Ansgarikirchhofs keinen Sinn“, so Günthner. „Die Zeichen stehen auf ‚Halt‘.“

Der Lloydhof gehört der WFB. Trostlose Atmosphäre und gähnende Leere prägen hier das Bild. Aktuell sei er zur Hälfte vermietet, so Heyer, und trage sich – mindestens bis Ende 2017 – durch die Mieteinnahmen in Höhe von rund einer Million Euro selbst. Bis dahin sei Zeit, „etwas auszuprobieren“. Bis zum Herbst wollen die Akteure ein Konzept erarbeiten, wie der Lloydhof attraktiver werden soll.

Lesen sie auch: Bremer "City-Center" kommt nicht

Die Kosten für das bisherige Planungs- und Vergabeverfahren schätzt Heyer grob auf einen sechsstelligen Bereich. Doch durch Gutachten habe man beispielsweise nun ein genaueres Bild der Altstadt und ihrer Leitungen, die auch anderen Projekten zugutekommen würden.

Auf 85000 Quadratmetern wollte Sonae Sierra Einzelhandelsflächen, Büros und 100 Wohnungen auf dem Ansgari-Areal realisieren.

Die Bremer Handelskammer bedauert die gescheiterten Verhandlungen mit dem portugiesischen Projektentwickler. Die Gründe hierfür sieht sie in der schwierigen Entwicklung des Einzelhandel insgesamt und in den besonderen Herausforderungen für den Handel in der Bremer City, heißt es in einer Stellungnahme. Die Kammer plädiert dafür, jetzt mit dem Zweitplatzierten der Ausschreibung das Gespräch zu suchen: der Bremer Zech-Gruppe. „Das Ansgari-Projekt ist weiterhin unverzichtbar“, sagen City-Initiative und der Handelsverband Nordwest. Mit der Absage des Projektentwicklers breche zwar keine Welt zusammen. Die Bremer Innenstadt sei insgesamt gut aufgestellt und wettbewerbsfähig. Um dies zu bleiben, müssten aber Verkaufsflächen in der City ausgeweitet werden. Sie fordern daher die Landesregierung auf, den Bau des „City-Centers“ weiter mit großem Nachdruck zu betreiben.

Die gescheiterten Verhandlungen seien „eine krachende Niederlage für die Senatoren Günthner und Lohse und eine Bankrotterklärung für die Innenstadtentwicklung“, kommemtierte gestern die Bremer CDU. Gründe seien die unrealistischen Vorgaben und Annahmen der Stadt gewesen. Der Absprung habe sich bereits seit Anfang 2015 abgezeichnet, „diese Nachricht sollte jedoch offensichtlich über den Wahltermin geschoben werden“, so der wirtschaftspolitische Sprecher Jörg Kastendiek. CDU-Baupolitiker Heiko Strohmann verweist auf frühere Vorschläge seiner Partei zur Innenstadtentwicklung, beispielsweise den Abriss des Parkhauses Mitte zur Schaffung neuer Einzelhandels-, Kultur- und Freizeitangebote

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