Intuitiv und organisch

„Mein Kunst-Stück“ mit Norman Neumann und seinem Bild „noch ohne Titel“

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Norman Neumanns Bild ist „noch ohne Titel“. Der Künstler überlässt die Namensgebung seiner Werke dem Zufall. Er sagt: „Ich mag Bilder voller Andeutungen.“

Bremen - Von Ilka Langkowski. Das Bild von Norman Neumann ist „noch ohne Titel“. Der Künstler überlässt die Namensgebung seiner Werke dem Zufall. Er stellt in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ diese unbenannte Arbeit vor, weil sie für ihn einen Wendepunkt bedeutet.

Das Ölbild, das noch auf seinen Namen wartet, hat Norman Neumann bereits 2013 begonnen. „Ich arbeite intuitiv und organisch“, sagt der Künstler. „Nach einiger Zeit stelle ich das Bild zur Seite, lasse es ruhen und arbeite dann wieder zwei Wochen intensiv daran.“ Verändert sich seine Wahrnehmung während dieser Zeitspanne, werde das im Bild sichtbar. „Ich mag Bilder voller Andeutungen. Sie lassen vieles offen und vermitteln dem Betrachter das Gefühl, als würde er etwas erkennen“, sagt Neumann. „Solche Bilder erlauben zu träumen.“

Obwohl der frischgebackene Hochschulabsolvent mit unterschiedlichen Medien arbeitet, hat er besonderen Gefallen an der Malerei gefunden. „Sie bietet mir eine große Freiheit. Nur das Format ist vorgegeben“, sagt er. Anfangs habe er zwar auf der Suche nach einem roten Faden vor der Leinwand noch regelrecht gelitten. Doch irgendwann brachte er Ruhe in das Chaos der unendlichen Möglichkeiten. Er verspürte plötzlich eine Leichtigkeit bei der Arbeit, die er noch aus der Zeit vor seinem Studium kannte: „Ich habe meine Ausdrucksweise gefunden, meine eigene Ästhetik. Nun macht mir die Malerei Spaß.“

sagt er.

Künstleralltag bringt reichlich Arbeit mit sich

Gezeichnet, fotografiert und geträumt hat Neumann schon immer. Doch bevor er ganz auf die Kunst setzte, arbeitete er in seinem erlernten Beruf als Augenoptiker in Wien. Seine Ausbildung hatte er in Berlin absolviert. Schon dort fühlte er sich von Museen und Menschen inspiriert. In seinem Beruf war er nicht zufrieden. Und schließlich kam der Punkt, an dem er sich sagte: „Jetzt muss ich es machen, sonst ärgere ich mich schwarz.“ Er bewarb sich an der Kunsthochschule in Bremen und zog an die Weser. „Darüber bin ich heute megaglücklich“, sagt er.

Der Künstleralltag bringt reichlich Arbeit mit sich. Mit zwei Kindern muss Neumann die Tage gut strukturieren. Nebenbei arbeitet er in einem Audiolabor. Da gilt es, am Computer zu akquirieren, ein Portfolio zu erstellen und sich auf Ausschreibungen zu bewerben. Ob wir Kunst brauchen? „Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich mich selbst noch nicht als Künstler begriffen habe und die Kunst trotzdem brauchte“, sinniert Neumann. „In unserer durchökonomisierten Welt gilt Kunst als ein Extra, das man sich gönnt, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind. Doch die Kunst hat ihren eigenen Wert. Weil der Künstler Zeit hat, sich mit gesellschaftlichen Themen zu widmen.“ Neumann überträgt seine Gedanken auf das Material und so kann der Betrachter über das Kunstwerk dem Künstler begegnen – also einem Menschen, den er sonst nie getroffen hätte.

Zu den Künstlern, die für Neumann besonders bedeutend sind, zählen die norddeutschen Zeitgenossen Michael Rieken und Gustavo Mendez. Mit beiden hatte der Bremer intensiven Austausch. Der Künstler und Musiker Rieken verbinde zwei Extreme, indem er alte Abspieltechniken ins heutige digitale Zeitalter transformiert. An Mendez beeindruckt Neumann dessen Fähigkeit, seine Installationen gezielt auf den Punkt zu bringen und das Wesentliche herauszukristallisieren.

Wenn der Künstler jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine gemalte Exponentialfunktion an alle, denen er begegnet. Die steil ansteigende Kurve soll bewusst machen, dass sich die Gesellschaft innerhalb exponentieller Entwicklungen bewege, die nicht wieder rückgängig zu machen seien.

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