Bremer Videoproduzenten geben Selbstständigen mit Kurzfilm eine Stimme

Intime Einblicke

Die Köpfe hinter dem Video: Die Geschäftsführer Ismael Meisinger (l.) und Jannis Krenke (r.) haben mit der Hilfe von Mitarbeiter Robin Pittelkow den Kurzfilm gedreht. Foto: DIE VIDEOGRAPHEN

Bremen - Von Steffen Koller. Solo-Selbstständige trifft die Corona-Krise besonders hart. Die einfache Rechnung: Ziehen Künstler, Fitnesstrainer, Schauspieler und Co. keine Aufträge an Land, bleibt das Konto leer. Doch wie erleben Menschen diese außergewöhnliche Zeit, wie kommen sie über die Runden, welche Unterstützung erfahren sie? Die Bremer Jannis Krenke und Ismael Meisinger haben einige dieser Menschen vor die Kamera geholt. Das Ergebnis: Tiefe Einblicke ins Seelenleben von Selbstständigen.

Und plötzlich war sie da: Die Krise, die so viele aus ihrem Alltag gerissen hat. Fehlende Standbeine, ausbleibende Einnahmen, Existenzängste. So beschreiben es die sechs Selbstständigen, die im Kurzfilm von Jannis Krenke und Ismael Meisinger (beide 22) zu Wort kommen.

Die freischaffenden Videoproduzenten und Gründer der Firma „Die Videographen“ haben Schauspieler, Tanz- und Fitnesstrainer, aber auch Veranstalter und Künstler vor die Kamera geholt und sie gebeten, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Gut vier Minuten lang ist das Video, mehr als 4 500-mal wurde der Kurzfilm auf verschiedenen Plattformen bislang geklickt.

Unter dem Motto: „Teile deine Sorgen, Ängste und Hoffnungen in einem leeren Raum vor laufender Kamera“, bat das Duo Menschen in ihr Bremer Studio. So berichtet zum Beispiel der Fotograf und Veranstalter Phil Porter, wie nach und nach seine wirtschaftlichen Standbeine wegbrachen, er aber auch Unterstützung von Kunden und Freunden erfahren habe. Auch die Choreografin Ketrin Memis schildert, wie sie von einem Tag auf den anderen Kurse und Trainern absagen musste. Der Blick in die Zukunft: ungewiss. So sehr die Krise die Selbstständigen auch trifft, so sehr erfahren sie jedoch auch Hilfe anderer Menschen, sagen die Protagonisten des Films. Porter meint etwa, wenn es eine positive Sache gebe, die die Krise hervorbringe, ist es gegenseitige Hilfe. Die Bremer Künstlerin Ute Bescht hofft, dass die Gesellschaft auch nach dieser Zeit wieder zusammenfinde. Das Video, so Jannis Krenke, war innerhalb weniger Tage fertig. Das habe vor allem daran gelegen, dass die Resonanz „riesig“ gewesen sei. Sein Kollege Ismael Meisinger konkretisiert: „Innerhalb von einem Tag hatten wir 15, 20 Zusagen. Überzeugungsarbeit mussten wir kaum leisten.“ Letztlich kommen zwar „nur“ sechs Menschen im Film zu Wort, doch das entspreche der Philosophie der Produzenten: Qualität statt Quantität. Man wollte jedem Selbstständigen einen gewissen Platz einräumen, das wäre mit einer großen Anzahl von Personen schwierig geworden, so Krenke. Nur so sei es möglich gewesen, „Emotionen aufzubauen“.

Da „Die Videographen“, die seit ihrer Firmengründung 2017 Imagefilme, Werbespots und Musikvideos drehen, wie viele andere auch mit Auftragseinbrüchen zu kämpfen haben, kam den beiden vor wenigen Wochen die Idee zum Clip. „Wir wollten unsere Ressourcen nutzen und den Menschen eine Stimme geben“, sagt Ismael Meisinger. Bislang sei die Resonanz „durchweg positiv gewesen“, fährt er fort.

Ob es eine Fortsetzung des Formats gibt, ließen die Macher offen. „Vielleicht beschäftigen wir uns demnächst mit anderen Berufsgruppen“, ergänzt Krenke. „So oder so“, sagen die Produzenten, „das Video ist ein toller Gegenbeweis, dass nicht jeder Mensch sich selbst der nächste ist.“

Weitere Infos unter

www.videographen.de

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