„Freiraum schaffen“

Interview: Roland Kaiser über „007“ und seinen Auftritt in Bremen

Vor seinem Gastspiel in Bremen: „Die Menschen bestimmen darüber, ob wir Erfolg haben“, sagt Roland Kaiser im Interview. Foto: sandra ludewig
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Vor seinem Gastspiel in Bremen: „Die Menschen bestimmen darüber, ob wir Erfolg haben“, sagt Roland Kaiser im Interview.

Bremen - Von Viviane Reineking. Als Sänger hat er mittlerweile Kultstatus erlangt: Schlagerstar Roland Kaiser steht seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne. Wie zuletzt im Duett „Warum hast Du nicht ,nein'gesagt“ mit Maite Kelly hat sich der 66-Jährige immer wieder selbst neu erfunden, begeistert auch Jüngere mit seinen Songs. Im Vorfeld des Bremer Konzerts am Sonntag, 3. März, sprach der Sänger am Telefon mit unserer Zeitung über seinen Auftritt in Bremen, James Bond und das erfolgreichste Schlager-Video überhaupt.

Herr Kaiser, was dürfen Ihre Fans bei Ihrem Bremer Auftritt erwarten?

Freuen können sie sich auf eine gute Mischung von großen Hits und guten Alben-Titeln mit zeitgemäßem Klang, darunter auch Neuinterpretationen vom letzten Album „Stromaufwärts - Kaiser singt Kaiser“.

Das Duett „Warum hast Du nicht ,nein' gesagt“ mit Maite Kelly ist mit mehr als 98 Millionen Klicks auf Youtube das erfolgreichste Schlager-Video überhaupt. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Das kann man nicht erklären. Damit konnte man auch nicht rechnen. Das ist ja das Schöne an dem Beruf: Man kann nur an ein Lied glauben. Denn die Menschen bestimmen darüber, ob wir Erfolg haben - und nicht wir Musiker selbst. Das glauben wir zwar manchmal, aber letztlich entscheiden die Fans.

Ihr erster TV-Auftritt nach Ihrer Lungentransplantation war am im Oktober 2010 in der ZDF-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ - in Bremen. Die Zuschauer sahen Sie stimmlich noch angeschlagen und körperlich gezeichnet. Wie haben Sie es geschafft, sich wieder zurück auf die Bühne zu kämpfen?

Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich habe mich einfach erholt und habe den Willen gehabt, wieder auf die Bühne zurückzukehren. Ich habe vernünftig gelebt und Sport gemacht, was ich auch heute noch tue. Ich lebe in Maßen und gesund. Heute bin ich fitter denn je. Mir geht es prima.

Nicht nur Schlagerfans lieben Ihre Musik. Sie haben sich auch ein bisschen zu einem Pop-Interpreten gewandelt und sprechen damit auch ein jüngeres Publikum an. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Ich versuche immer, mit der Zeit zu gehen. Wichtig ist, sich dabei nicht zu verlieren. Ich habe für das neue Album (Anm. d. Red.: „Alles oder Dich“ erscheint am 15. März) zum Beispiel mit sehr interessanten Sound-Mixern gearbeitet, die keine Schlager-Affinität haben. Ich finde, es ist ein gelungenes Album. Ich würde mich freuen, wenn die Menschen das auch so sehen. Mit der Zeit zu gehen, fällt mir überhaupt nicht schwer. Es ist wie mit der Mode: Man muss nicht jedem Trend folgen, aber man muss versuchen, seinen Weg zu bewahren und aus dem Trend das für sich mitzunehmen, was tragbar ist.

Für das neue Album haben Sie sich bekannte Unterstützung geholt …

Michael Ilbert ist mehrfacher Grammy-Preisträger, der etwa schon für Katy Perry und Adele tätig war. Und Peter Schmidt hat als Sound-Mixer zum Beispiel für Depeche Mode und Peter Maffay gearbeitet. Aber es ist wichtig, dass das Ergebnis mehrheitsfähig ist und trotzdem nach Roland Kaiser klingt. Das ist denen gut gelungen. Der Titelsong „Alles oder Dich“ zum Beispiel klingt von der Atmosphäre her so ähnlich wie der des James-Bond-Streifens „Skyfall“. Ich bin ein „007“-Fan.

Sie sind gesellschaftlich und sozial sehr engagiert, treten für eine weltoffene Gesellschaft ein. Warum handeln Ihre Songs in erster Linie von der Liebe und Gefühlen und nicht etwa von politischen Geschehnissen?

Ich kann in der Zeit, die ich pro Song habe, keine Lösung von politischen Problemen anbieten. Meinen Beruf verstehe ich als Unterhaltungskünstler. Ich will den Menschen Freiraum im Kopf schaffen, so dass sie mal nicht über ihre Sorgen nachdenken müssen. Musik kann und sollte auch dazu beitragen, dass Menschen abschalten dürfen. Es ist mein Beruf, sie nach meinem Konzert mit einem guten Gefühl nach Hause zu entlassen. Wenn mir danach ist, politische Botschaften zu verkünden, nutze ich Einladungen zu Kundgebungen oder Auftritte im Fernsehen.

Wie lange wollen Sie noch auf der Bühne stehen?

Solange der liebe Gott und die Menschen das zulassen, solange die Menschen weiter in meine Konzerte kommen.

Bremen und Hannover

Im Rahmen seiner Arena-Tournee kommt Roland Kaiser am Sonntag, 3. März (18 Uhr), in die Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena). Tickets gibt es ab rund 45 Euro unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung. Zwei Wochen später, am 17. März, macht Kaiser auch in Hannover (Tui-Arena, 18 Uhr) Station.

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