Interview zur Bürgerschaftswahl

CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder: „Ich fände Jamaika spannend“

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Carsten Meyer-Heder, Spitzenkandidat der CDU, in den Wallanlagen. 

Bremen – CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder, 58, ist hochgewachsen, doch der Blick fällt sofort auf seine Füße. Die stecken in orangefarbenen Socken. Genau der Farbton seiner Wahlkampagne. Corporate Design durch und durch – wie man es bei einem Unternehmer erwarten darf.

Es läuft gut für ihn, Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und SPD hin. Meyer-Heder tritt bremisch auf und spricht auch so: Er ist nicht von Dingen überzeugt, sondern „überzeucht“. In unserer Reihe der Spitzenkandidaten-Interviews zur Bürgerschaftswahl am 26. Mai spricht der Polit-Seiteneinsteiger über seine Ziele und Pläne.

Herr Meyer-Heder, was machen Sie, wenn Sie am 26. Mai tatsächlich stärkste Kraft werden?

Dann trinke ich erstmal mit allen, denen ich das versprochen habe, am 27. Mai einen Kaffee. Ich glaube, dass es gut ist, wenn wir mit Abstand stärkste Kraft werden.

Sie werben damit, kein Politik-Profi zu sein, sondern „Problemlöser“ aus der Wirtschaft. Viele Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft hatten in der Vergangenheit durchaus damit zu kämpfen, dass Entscheidungen in Politik und Verwaltung nicht so schnell fallen wie in einem Unternehmen.

Der Unterschied ist mir schon klar, ich bin nicht naiv. Aber auch Wirtschaft funktioniert nicht mehr so wie vor 20 Jahren. Zur modernen Unternehmensführung gehören Teamwork und Kommunikation. Man muss die Menschen mitnehmen. Und ich denke, wir müssen weg vom starren Ressortdenken. Viele Probleme können wir nur ressortübergreifend lösen. Da müssen wir zu einer mehr projektbezogenen Arbeit kommen mit Zeitstrahl und definiertem Ziel. Und mit Qualitätskontrollen, um zwischendurch zu sehen, wo steht das Projekt jetzt.

CDU-Wahlkampf mit Manfred Weber in Bremen

CDU-Wahlkampf mit Manfred Weber in Bremen

Nennen Sie mir bitte – politisch gesehen – drei Dinge, die Sie im Land Bremen sofort ändern würden, wenn Sie denn könnten!

Erstmal würde ich so etwas wie einen Kassensturz machen, der Bevölkerung sehr transparent erzählen, wo wir eigentlich stehen. Rot-Grün hat die künftigen Haushalte ja schon erheblich vorbelastet. Dann müssen wir gerade in den Bereichen wie Bildung oder Verkehr eine Roadmap machen: Wann wird was und wie angegangen? In beiden Bereichen stehen wir vor sehr hohen Sanierungsstau, es geht darum, in die Umsetzung zu kommen. Und wir als CDU wollen noch ein 100-Tage-Programm vorstellen mit konkreten Punkten, an denen wir uns messen lassen.

Wer kommt für Sie als Koalitionspartner infrage?

Ich persönlich fände Jamaika (Schwarz-Grün-Gelb: CDU, Grüne, FDP, d. Red.) spannend. Aber ich schließe Schwarz-Rot nicht aus.

„Bremen“ und „Bildungspolitik“ ist seit Jahrzehnten ein schwieriges Begriffspaar. Wie lässt sich das aus Ihrer Sicht ändern?

Da müssen wir in den Kitas anfangen, es fehlen dort noch 600 Plätze. Das dritte Kindergartenjahr muss verpflichtend sein – wir sollten jedes Kind einmal in einer pädagogischen Einrichtung haben, um es auf die Schule vorzubereiten. Parallel müssen die Ganztagsschulen ausgebaut werden. In der Schule bin ich dafür, Noten wieder einzuführen, um das Leistungsprinzip zu beflügeln. Kinder müssen nach der Grundschulzeit rechnen, lesen und schreiben können. Punkt. Wir müssen die Duale Ausbildung stärken; nicht jeder Weg muss automatisch zu Abitur und Studium führen. Manch Handwerksgeselle verdient bisweilen mehr als ein studierter Germanist. Auch Bremen sollte von G8 zu G9 zurückkehren.

Was Sie sagen, klingt teuer.

Ja, das wird Geld kosten. Man kann aber auch ohne Geld vieles erreichen. Wir möchten den Schulleitungen wieder mehr Verantwortung geben. Dass selbst die Hausmeister von Immobilien Bremen gestellt werden, ist absurd. Oder das Thema Inklusion – ich bin selbst betroffen mit einer elfjährigen Tochter mit Down-Syndrom. Die Behörde sollte den Schulen nicht vorschreiben, wie sie Inklusion zu leben haben. Das müssen die Leute vor Ort machen.

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Was muss Bremen für die Innere Sicherheit tun?

Wir brauchen mehr Polizisten, völlig klar. Und eine digitale Ausstattung der Polizei durch Tablets in allen Streifenwagen, um Beamte von zeitraubenden Verwaltungstätigkeiten zu entlasten. Auch Staatsanwaltschaft und Justiz sind dramatisch überlastet. Wir müssen es schaffen, Verfehlungen schneller zu ahnden.

Wie kann Bremen seinen Verkehrskollaps in den Griff bekommen?

Da ist schon viel in den Brunnen gefallen. . . In der Überseestadt zum Beispiel reicht es nicht, einen Schalter umzulegen und gleich ist alles gelöst. Die Linie 5 ist ein guter Versuch, man hätte das aber schon vor Jahren machen müssen. Wir müssen pragmatisch und ideologiefrei über Verbesserungsmöglichkeiten sprechen, digitale Baustellenplanung einführen, den ÖPNV ausbauen und nach 30 Jahren mal den Ringschluss der A281 schaffen. Auch eine Seilbahn ist sinnvoll, schneller zu errichten und kostengünstiger, möglicherweise auch finanziert in öffentlich-privater Partnerschaft – und die muss über die Weser gehen, zum Beispiel vom Neustadtsbahnhof aus.

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Viele Menschen gucken sich Bremen ja lieber aus dem Umland an.

Was wir viel zu wenig haben, ist Wohnraum für den Mittelstand. Die Hälfte meiner Mitarbeiter wohnt in Niedersachsen. Wir brauchen Familien mit Kindern – auch, damit wir eine vernünftige Durchmischung haben in unseren Kitas und Schulen.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit von Bremen und dem Umland?

Da ist viel Luft nach oben, was gemeinsame Absprachen angeht. Auch eine Baustellenplanung können wir nur mit Niedersachsen machen, das Stauchaos im vergangenen Jahr braucht niemand. Wir müssen das hier viel mehr als Region denken. Das betrifft Themen wie die Krankenhausplanung ebenso wie ein mögliches Aufteilen von Aufgaben. Nehmen Sie den Verfassungsschutz. Um da schlagkräftig zu sein, könnte sich doch das eine Land um Salafismus, das andere um politischen Extremismus kümmern, anstatt dass alle alles machen. Da brauchen wir eine viel bessere Arbeitsteilung im Sinne der Effizienz.

Die wichtigsten Spitzenkandidaten für das Wahlgebiet Stadt Bremen im Interview:

Zur Person: Carsten Meyer-Heder

Carsten Meyer-Heder, geboren am 30. März 1961 in Bremen, wuchs zunächst in der Neustadt auf, später in der Vahr. Sein Abi machte er dann 1979 am Schulzentrum Holter Feld. Es folgte der Zivildienst in der Kurzzeitpflege beim Deutschen Roten Kreuz. Meyer-Heder wohnte „in einer Zehner-WG im Viertel“ und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Uni.

Anfang der 90er folgte eine Umschulung zum Softwareentwickler. Meyer-Heder arbeitete zunächst als Angestellter, nach zwei Jahren machte er sich selbstständig. Daraus erwuchs die IT-Unternehmensgruppe Team Neusta (Überseestadt). Meyer-Heder sagt, er habe schon vor seinem Einstieg in die Politik damit begonnen, das operative Geschäft in jüngere Hände zu geben.

Der CDU-Spitzenkandidat hat „drei Kinder mit zwei Müttern dazu – klassisches Patchwork, meine Frau Anja hat auch ´ne Tochter mitgebracht“. Meyer-Heder ist zum zweiten Mal verheiratet. Hobbys: Musik machen (Percussion und Schlagzeug, früher in der Band „Salsa Riscante“), Motorradfahren, Tischtennis und Volleyball. „Ich bin gern mit Menschen zusammen und eher keine Leseratte.“

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