Internationaler Asteroidentag

Marc Scheper von OHB spricht über Meteoriten und die Mission „Hera“

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Marc Scheper ist Leiter der Abteilung Raumtransport bei OHB in Bremen. Hier steht er im Empfangssaal des Raumfahrtkonzerns vor einem Kunstwerk zum Thema Weltraum. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Am 30. Juni ist Internationaler Asteroidentag. Dieser soll über Gefahren von Körpern aus dem All informieren. Marc Scheper (51), Leiter der Abteilung für Raumtransport, robotische Missionen und Exploration bei OHB System AG, spricht im Interview über Meteoriten, Abwehrmaßnahmen und die Mission „Hera“, die wertvolle Erkenntnisse bringen könnte.

Hallo, Herr Scheper. Die Gefahr durch Meteoriten wird im Alltag der Menschen kaum wahrgenommen. Wie oft wird die Erde getroffen?

Das kommt täglich vor. Die meisten Meteoriten verdampfen in der Atmosphäre. Wir finden manchmal sandkorngroße Stückchen auf Industriedächern. Ein Meteorit von der Größe eines Fußballs würde die Erde nicht erreichen. Doch manchmal kommen große Meteoriten. 2013 trat ein etwa 20 Meter großer Meteorit in die Erdatmosphäre ein und explodierte über Tscheljabinsk in Russland. Es gab mehrere tausend Verletzte. 1908 schlug ein Meteorit mit einer Größe von 30 bis 90 Metern in der russischen Tunguska-Region ein und zerstörte ein Waldgebiet von der Größe des Saarlandes. Solche Großereignisse passieren immer wieder, die Frage ist nur wann. In den nächsten Jahren ist die Gefahr gering, zumindest was die uns bekannten Objekte anbelangt.

Man sollte also davon ausgehen, dass wir nicht alle potenziellen Meteoriten kennen?

Im Oktober 2017 aber gab es ein sehr ungewöhnliches Ereignis, ein Objekt von außerhalb des Sonnensystems kam in die Nähe der Erde. So ein Objekt würde man mitunter nur wenige Wochen vorher entdecken. Asteroiden, Brocken aus grauem, unbeleuchtetem Stein, sind sehr schwer zu beobachten.

Was kann man tun, wenn ein großer Brocken auf die Erde zukommt?

Ihn zu sprengen, wie das in Hollywood-Filmen gezeigt wird, wäre totaler Quatsch. Das würde ihn aufbrechen und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil die Erde trifft, noch erhöhen. Wenn man eine Nuklearbombe in der Nähe eines Asteroiden zündet, kann die Druckwelle die Bahn verändern. Man könnte auch einen schweren Satelliten nebenher fliegen lassen. Körper ziehen sich an, was die Bahn verändert. Man kann ihn mit einem schweren Projektil beschießen. Das Projektil sollte möglichst steckenbleiben, um viel Energie zu übertragen.

So etwas wird bei der Mission „Dart“ von der Nasa geplant. Daran soll die Mission „Hera“ dann anschließen, sofern die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen.

„Dart“ wird 2021 oder 2022 den Zwillings-Asteroiden Didymos mit 780 Metern Durchmesser erreichen. Die Sonde wird auf dem Mond Didymoon mit 160 Metern Durchmesser einschlagen, der Didymos in engem Abstand umkreist. Es soll sich zeigen, inwieweit sich die Bahn von Didymoon dadurch verändern lässt. Die Sonde „Hera“ könnte 2023 oder 2024 starten und würde zwischen drei und vier Jahren brauchen, um Didymos zu erreichen. Sie würde ein halbes Jahr die Beobachtung des Meteoriten von Nahem ermöglichen. Die Sonde würde den Einschlagskrater von „Dart“ vermessen und ermitteln, wie viel Materie ausgestoßen wurde. Die Sonde soll auch die Dichte und Zusammensetzung des Asteroiden untersuchen. Im Ernstfall wäre es wichtig, Informationen über die Zusammensetzung solcher Objekte zu haben. So genaue Daten würde es nur mit „Dart“ nicht geben.

Was würde die Mission kosten und wo soll das Geld herkommen?

Die Kosten belaufen sich auf 250 Millionen Euro, finanziert durch die ESA. Diese hat uns schon mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Ob das Geld bewilligt wird, entscheidet die ESA-Ministerratskonferenz Ende des Jahres.

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