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International School Bremen: Rassismusvorwürfe gegen leitende Lehrkräfte

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Von: Johannes Nuß

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Die International School Bremen von außen.
An der International School Bremen sollen Vorgesetzte laut einem Medienbericht seit Jahren Untergebene systematisch mobben und fertigmachen. (Archivbild) © imago

Mit Zahlung von Schweigegeld wollte die International School Bremen einen Rassismus- und Mobbingskandal vertuschen. Ungeschickt, denn jetzt eskaliert das Ganze.

Bremen – Die Diskussion um strukturellen Rassismus in der Bremer Feuerwehr ist noch nicht ganz abgeflaut, da gibt es in der Stadt Bremen schon den nächsten Rassismus-Skandal: An der International School Bremen sollen Vorgesetzte seit Jahren Untergebene systematisch mobben und fertigmachen. Neben der Manipulation von Noten steht auch der Vorwurf des Rassismus im Raum. Die Schulleitung zeigt sich überrascht, wie das Regionalmagazin „buten un binnen“ von Radio Bremen berichtet, dabei wollte man den ganzen Skandal mit der Zahlung von Schweigegeld vertuschen.

Rassismusvorwürfe an der International School Bremen: Mobben Vorgesetzte Untergebene systematisch?

Wie es in dem Bericht heißt, sei die Situation, dass Vorgesetzte Untergebene systematisch mobben würden, seit es einen Wechsel in der Schulleitung gegeben habe – und das liegt bereits Jahre zurück. Berichtet wird von Einschüchterungsversuchen, Ausgrenzung oder Beleidigung – sogar rassistische Anfeindungen sollen im Raum stehen. Bestätigt wird das Ganze durch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Bildung in Bremen, Elke Suhr.

Wie sie gegenüber „buten un binnen“ sagte, seien vor allen Dingen jüngere ausländische Kolleginnen und Kollegen den Angriffen ausgeliefert und Opfer von rassistischen Beleidigungen. Wie Suhr berichtet, seien zumeist Lehrkräfte betroffen, die entweder gerade mit ihrer Lehrtätigkeit begonnen hätten oder deren Aufenthaltsstatus an die Beschäftigung geknüpft sei. In diesen Fällen sei das Vorgehen besonders unsozial und perfide, zitiert „buten un binnen“ Suhr.

Schulleitung will Rassismusvorwürfe an der International School Bremen prüfen

Die Schulleitung soll sich laut dem Bericht über die Rassismusvorwürfe an der International School Bremen überrascht gezeigt haben. Man wolle diese ernst nehmen und prüfen. Man werde umgehend den Betriebsrat sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu einem Gespräch einladen und so schnell wie möglich eine Lösung finden, zitiert Radio Bremen aus einer schriftlichen Stellungnahme der ISB.

Insgesamt fünf ehemalige Lehrkräfte und auch die GEW bestätigten gegenüber Radio Bremen die erhobenen Vorwürfe. So berichtet eine ehemalige Mathelehrerin aus Jamaika von unterirdisch schlechter Organisation des Unterrichts. Bisweilen soll es an der ISB sogar an Lehrplänen und den einfachsten Unterrichtsmaterialien mangeln.

Kritik von neuen Lehrkräften daran ist demnach häufig der Auslöser des Mobbings seitens der leitenden Lehrkräfte. Nachdem die ehemalige Mathematiklehrerin aus Jamaika auf Defizite in der Planung des Unterrichts hingewiesen habe, sei sie nicht mehr zu fachlichen Besprechungen eingeladen worden. Auch sei sie aufgefordert worden, ihr Essen in der Kantine abseits der anderen Kollegen einzunehmen. Hinzu sollen Bloßstellungen, Bedrohungen, Verleumdungen und übelste rassistische Beleidigungen kommen.

Rassismusvorwürfe an der International School Bremen: Lehrergewerkschaft bestätigt alle Vorwürfe

Insgesamt berichtet „buten un binnen“ in dem Bericht von fünf Lehrkräften, deren Geschichten sich alle mehr oder weniger ähneln. Erschwerend kommt hinzu, dass die zuständige Gewerkschaft die Fälle und die Rassismusvorwürfe an der International School Bremen allesamt bestätigt, sodass die Dementis aus der Schulleitung eher wie hektisches Störfeuer wirken – hält man doch in der Bildungseinrichtung immer hoch, dass man Werte wie Offenheit, Achtung und Toleranz vermitteln wolle. Mit rassistischen Beleidigungen und Mobbing passt das nicht wirklich zusammen.

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Doch das sei noch nicht alles, berichtet Gewerkschafterin Suhr weiter. Etliche Lehrkräfte im Kollegium fühlen sich laut ihren Worten so unsicher, dass sie sich noch nicht einmal trauen würden, innerhalb der Schule ihr Mitgliedschaft in der Gewerkschaft zu thematisieren. Die Schulleitung hingegen spricht von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft. Zwei Standpunkte, die ganz offensichtlich nicht zueinander passen. „Unsere Mitglieder fühlen sich nicht sicher genug, damit offen umgehen zu können“, so Gewerkschafterin Suhr.

International School Bremen: Neben Rassismusvorwürfen steht der Vorwurf der Notenmanipulation im Raum

Doch nicht nur die Gewerkschaftsarbeit scheint an der International School Bremen schwierig zu sein. Da es sich um eine Privatschule handelt, haben es gemobbte Lehrkräfte schwieriger als beispielsweise an einer öffentlichen Schule. Sie untersteht demnach nicht völlig der Bremischen Schulaufsicht, eine Beschwerde ist nicht so einfach vorzubringen.

Ebenso steht der Vorwurf der Notenmanipulation im Raum. Eine betroffene Lehrkraft berichtet von einem Vorfall, bei dem sie angehalten worden sei, die Noten von Schülern zu verbessern. Als sie gegenüber dem Vorgesetzten Zweifel angemeldet habe, habe man ihr mit dem Rausschmiss gedroht. Auch in anderen Situationen sollen solche Bedrohungen geäußert worden sein. Von Notenmanipulation berichten auch andere Lehrkräfte. Besonders auffällig: Meist soll es sich um Schüler gehandelt haben, deren Eltern gegenüber der Schule besonders spendabel seien.

Rassismusvorwürfe an der International School Bremen: 5000 Euro Schweigegeld angeboten?

Damit alles nicht rauskommt, soll die International School Bremen versucht haben, den Lehrkräften bei außergerichtlichen Einigungen Schweigegeld in Höhe von 5000 Euro zu zahlen, heißt es in dem Bericht von Radio Bremen. Dies soll auch bei einer anderen Lehrkraft der Fall gewesen sein. Offensichtlich ohne Erfolg: Der Fall wird gerade vor dem Bremer Arbeitsgericht verhandelt.

In der Schulleitung wiegelt man dahingehend ab: „Die erhobenen Vorwürfe aus den laufenden Gerichtsverfahren haben wir umgehend und intensiv geprüft und gehen nach den aktuell vorliegenden Informationen nicht davon aus, dass diese der Wahrheit entsprechen“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Allerdings, und das rückt die ganzen Vorkommnisse an der International School Bremen in ein schlechtes Licht: Bereits in der Vergangenheit musste die ISB Lehrkräften fünfstellige Abfindungssummen zahlen. Allein in den vergangenen zwei Jahren. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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