Vom Reichsbund zum „Sozialverband Deutschland“

SoVD: Interessenvertretung mit bewegter Geschichte

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Annette Bullwinkel vom SoVD-Ortsverband Vegesack erklärt Besuchern am Eröffnungstag der Ausstellung in der Unteren Rathaushalle die Geschichte des Sozialverbands. Zu sehen ist hier einer der Gründer, Erich Kuttner.

Bremen - Alles beginnt mit dem Ende des Ersten Weltkrieges: Die Lage der Kriegsrückkehrer und Hinterbliebenen ist desolat. Einer, der sich für ihre Versorgung einsetzt, ist der Jurist und Redakteur Erich Kuttner (1887 bis 1942). Mit weiteren Aktiven gründet er 1917 den „Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“. Aus ihm geht der Reichsbund, der spätere „Sozialverband Deutschland“ (SoVD) hervor. Eine Ausstellung in der Unteren Bremer Rathaushalle zeigt zum 100-jährigen Bestehen die bewegte Geschichte der sozialpolitischen Interessenvertretung.

„Nur eines bleibt den Kriegsbeschädigten übrig: Selbsthilfe durch das Mittel des Zusammenschlusses“, sagte Kuttner nur wenige Monate vor der Gründung. Ende 1919 zählt der Reichsbund nach Angaben des SoVD eine halbe Million Mitglieder. Nach und nach kommen neue Angebote hinzu. So setzt sich der Bund für Kriegswitwen und ihre Kinder ein, engagiert sich ab den 1920er Jahren für die Gleichstellung von Männern und Frauen und richtet eine Sterbekasse ein. Mit seiner Selbstauflösung entgeht der Reichsbund 1933 der nationalsozialistischen Gleichschaltung, 1946 wird er wiedergegründet. Heute sieht sich der Verband als sozialer Dienstleister und vertritt die Interessen von Rentnern, Patienten, gesetzlich Krankenversicherten sowie pflegebedürftigen und behinderten Menschen. Er hilft ihnen nach eigenen Angaben „durch das Dickicht der rechtlichen Probleme“ und dabei, sozialrechtliche Ansprüche in Antrags-, Widerspruchs und Klageverfahren durchzusetzen.

Mit seiner Wohnungsbaugesellschaft „Meravis“ setzt er sich für behinderten- und altengerechten sowie bezahlbaren Wohnraum ein. Der Bekämpfung von Armut im Alter und bei Erwerbsminderung misst der Verband höchste Priorität bei.

Bundesweit 560.000 Mitglieder

Bundesweit hat die Interessenvertretung, die 1999 in „Sozialverband Deutschland“ umbenannt wurde, aktuell rund 560.000 Mitglieder. Im Bremer Landesverband sind etwa 12 000 Menschen in 20 Ortsverbänden und drei Kreisverbänden organisiert.

Eine von ihnen ist Annette Bullwinkel. Nach ihren Knie-Operationen hat sie für ihren Antrag auf Schwerbehinderung selbst Unterstützung beim Verband gesucht und engagiert sich nun ehrenamtlich im Ortsverband Vegesack. Sie wünscht sich, dass noch mehr junge Menschen Mitglied im Verein werden und ihn lebendig gestalten. „Unterstützung benötigt man ja nicht unbedingt erst, wenn man alt ist.“

Geöffnet ist die Ausstellung bis Sonnabend, 22. Juli, täglich von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

vr

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