Intensität und Auferstehung

Vor dem Konzert in Bremen: Musiker Fink im Interview

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Fink – alias Fin Paul Greenall – stellt sein Album „Resurgam“ am Sonntag, 26. November, im „Modernes“ vor.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Ich werde auferstehen.“ Das ist mal ein Albumtitel! Der englische Singer-Songwriter, DJ und Produzent Fink – bürgerlich: Fin Paul Greenall, 1972 in Cornwall geboren – hat sein aktuelles Album so genannt. Aber natürlich nicht so plump, sondern in lateinischer Übersetzung: „Resurgam“.

Damit ist er nun auf Tour. Am Sonntag, 26. November, spielt Fink um 20 Uhr im „Modernes“ (Neustadtswall). Mit dabei: Tim Thornton an Schlagzeug und Gitarre und Guy Whittaker (Sohn von Roger Whittaker – ganz andere Musikrichtung) am Bass. Vor dem Bremer Auftritt hat Fin Greenall unserer Zeitung ein paar Fragen beantwortet.

Wie würden Sie Ihre Musik jemandem beschreiben, der noch nie von Fink gehört hat?

Fin Greenall alias Fink: Mmmm – ich denke, ich würde sie als Singer-Songwriter-Sound beschreiben, der sich in einen Band-Sound verwandelt hat. Live und auf Platte ist die Musik ziemlich unterschiedlich. Wir geben uns Mühe und verändern unseren Sound, während wir durch unsere musikalischen Leben reisen. Und wir werden von dieser Reise beeinflusst wie jeder andere auch. Live versuchen wir, die Sounds und Reisen unserer Songs so weit wie möglich auszureizen. Die Musik ist folkig, sie ist rockig, ein bisschen Prog-mäßig, glaube ich – alles mögliche. . .

Ist „Resurgam“ eine Art Neustart – oder worauf bezieht sich der Titel?

Fink: Der Titel bezieht sich auf ein Gemälde in einer kleinen Kapelle in Cornwall – ein Ort in der Nähe eines Strands, an den ich oft gehe, wenn ich einfach mal ein bisschen öde Strandzeit brauche. Beim letzten Besuch hat es mich dazu gebracht, über die Male nachzudenken, an denen ich dort gewesen bin. Das Bild bezieht sich auf „wiederauferstehen“. Jede neue Platte fühlt sich wie ein Neuanfang an. Jeder Song fühlt sich an, als wäre er der erste. Auch jeder Morgen fühlt sich auf irgendeine Art wie ein Neustart an. Das Bild hat einfach in genau dem Moment ein Echo bei mir ausgelöst, in dem ich darüber nachgedacht habe, mit den Vorbereitungen für ein neues Album anzufangen.

Wo schreiben Sie Ihre Songs – zu Hause, unterwegs, im Club, im Wald?

Fink: Eigentlich schreibe ich die ganze Zeit – so ziemlich überall, wo ich bin. Mein Studio ist ein flexibler Ort. Wenn ich also im Songwriting-Modus bin, verwandle ich es in etwas wie einen Sozialraum – wie eine Traumwohnung, die zum Chillen und Schreiben animiert. Aus irgendeinem Grund habe ich einige große Balladen in Zügen geschrieben. „The Determined Cut“ auf dem neuen Album wurde auf der Plattform einer Metro-Station geschrieben. Einige Songs entstehen zu Hause. Oft fange ich mit neuen – musikalischen – Sachen auf Tour an, bringe die Ideen mit nach Haus, arbeite dann weiter an ihnen. Wenn Du auf Tour bist, dann bist Du jeden Tag so sehr in Musik vertieft, dass Ideen sehr leicht Raum bekommen, um aufzublühen. . .

Was macht einen Song zu einem großartigen Song?

Fink: Wenn er mit Menschen verbunden ist oder mit einer Zeit oder mit einem Augenblick. Es ist definitiv keine klare Wissenschaft. Flood (legendärer britischer Musikproduzent und Produzent von „Resurgam“, d. Red.) geht sehr nach dem Prinzip vor, dass die Performance und das Gefühl eines Songs definitiv Teil seiner Bedeutung sind. Für mich jedoch geht es einfach um Intensität. Wenn der Künstler etwas voll und ganz fühlt, spürt es jeder. Für mich ist ein großer Song also intensiv. Ich glaube, Songs wie „L. A. Woman“ von den „Doors“ oder „Paint It Black“ von den Stones gehören zu den besten, die je „geschrieben“ wurden – obwohl sie in erster Linie auf der Performance basieren.

Seit ein paar Jahren leben Sie jetzt in Berlin. Welche englischen (oder britischen) Dinge vermissen Sie dort am meisten?

Fink: Ehrlich gesagt, vermisse ich nicht viel. Ich liebe Europa und wofür es steht. Was ich vermisse, hat hauptsächlich mit Essen zu tun – „Shreddies“, „Weetabix”, „Marmite” (Knusperwaffeln, in Milch oder Wasser eingeweichte Vollkorn-Weizen-Kekse, vegetarische Würzpaste, d. Red.) und das selbstgebackene Brot meiner Mutter. Nun, da ich im Grunde Veganer bin, ist ein Großteil meiner Ernährung ohnehin ein Abenteuer, wenn ich zu Hause bin. Was ich vermisse, ist, jeden verstehen zu können. Wobei – neulich auf einer Tour durchs Vereinigte Königreich kam mir die Fähigkeit, jedes Gespräch zu verstehen, auch ein wenig überwältigend vor. Ich habe mich wohl ein bisschen ausgeklinkt in den zurückliegenden Jahren in Berlin. . .

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