Oguzhan Yazici: Ein Jurist will türkische Einwanderer für die CDU begeistern

„Integration ist Psychologie“

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Oguzhan Yazici (l.) will türkische Einwanderer für die CDU begeistern. Neben ihm CDU-Sprecher Gunnar Meister. ·

Bremen - Von Thomas KuzajWer türkische Wurzeln hat, soll auch in der CDU Wurzeln schlagen können. Die Bremer Union will sich verstärkt um türkischstämmige Bürger kümmern. Das kündigte Oguzhan Yazici gestern an.

Der 35-jährige Jurist kandidierte 2011 auf der CDU-Liste für die Bremische Bürgerschaft. Im Oktober soll er nun tatsächlich ins Parlament rücken – wenn die Abgeordnete Elisabeth Motsch mann zuvor in den Bundestag gewählt wird. Bereits jetzt ist Yazici Vorsitzender des deutsch-türkischen Forum in der Bremer CDU. Die Partei hat es jetzt sozusagen wiederbelebt, nachdem ein ähnlicher Versuch vor ein paar Jahren im Sande verlaufen war. Vergleichbare CDU-Foren gibt es in Hamburg, Stuttgart und Berlin sowie im Saarland und in Nordrhein-Westfalen – dort bereits seit 1997.

„Uns geht es darum, die Belange der türkischen Community in die CDU zu tragen, die Geschichten dieser Menschen anzuhören und sie gleichzeitig für unsere Politik zu begeistern“, sagt Yazici. Er glaubt: „In Bremen und Bremerhaven sind viele Menschen mit türkischen Wurzeln eher konservativ eingestellt. So wie ich können auch sie bei der CDU ihre politische Heimat finden. Ihnen hat nur noch niemand die Tür geöffnet. Das wollen wir ändern.“ Yazici will dazu „in die Stadtteile gehen“.

„Multiplikatoren, Menschen, Vereine“ will er ansprechen – „fernab von falsch verstandener Toleranz. Wichtig ist, ein offenes Ohr für die Menschen zu haben.“ Die CDU müsse Vertrauen zu Zuwanderern aufbauen und diese „emotional binden“, sagt Oguzhan Yazici. „Integration ist zu einem großen Teil Psychologie. Sie hat viel mit Gefühlen und einer Willkommenskultur zu tun.“

Apropos – schon in der Ausländerbehörde, wo „der erste Kontakt zustande kommt“, müsse den Menschen das Gefühl gegeben werden, „dass sie willkommen sind“. Viele Menschen mit Migrationsgeschichte „werden defizitorientiert betrachtet“, sagt Yazici. „An diesem Bild müssen wir etwas ändern.“

Kann das „C“ im Namen der Christlich-Demokratischen Union ein Hindernis für das deutsch-türkische Forum sein? Nein, glaubt Yazici. Das „C“ stehe ja „für bestimmte Werte“: „Wir sind kein religiöser Haufen. Wer Religion betreiben will, muss in die Kirche gehen.“ Ohnehin müsse eine Volkspartei „die Bevölkerung widerspiegeln“. Und: „Das Familienbild in der CDU deckt sich zum großen Teil mit dem Familienbild in der türkischen Community.“

Der Bremer Politiker will mit dem deutsch-türkischen Forum der CDU da „ansetzen, wo die Menschen diskriminiert werden“. Und das sei zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt. Es gelte, Arbeitgeber zu überzeugen, „Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eine Chance zu geben, sich im Betrieb zu bewähren“. Seit 2006 seien 8 000 türkischstämmige Akademiker aus Deutschland ausgewandert. „Top-ausgebildete Leute“, sagt Yazici, der innerhalb der CDU für die doppelte Staatsangehörigkeit werben möchte. Er selbst kenne einen Architekten, der jahrelang keine Arbeit bekommen und in einem Sportgeschäft Schuhe verkauft habe. „Eine Erniedrigung.“

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