Bremer Erziehungswissenschaftlerin sieht Nachhol- und Reformbedarf auf der Baustelle „Bildung“

„Integration auf Erfolgskurs“

Spezielle Schulprogramme fördern das Ansehen von Schulen mit hohem Anteil an Migranten, meint der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration.

Bremen - Von Viviane StrahmannBREMEN · Deutschland ist in der Einwanderungsgesellschaft angekommen. Das jedenfalls sagt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Ihm gehört auch die Bremer Erziehungswissenschaftlerin Professor Dr. Yasemin Karakasoglu an.

Zugleich sieht das Expertengremium Nachhol- und Reformbedarf auf politischen Baustellen. Eine davon ist der Bildungsbereich. Trotzdem laufe die Integration im europäischen Vergleich weitgehend auf Erfolgskurs. So zeigt das SVR-Integrationsbarometer, eine Befragung von rund 5 600 Personen, einen „pragmatischen Integrationsoptimismus“ und ein „belastbares gegenseitiges Grundvertrauen“.

Der erstmals gemessene Integrationsklima-Index (IKI), der die allgemeine Stimmungslage widerspiegeln soll, registriert für das vergangene Jahr einen positiven Mittelwert. Interessant: Zuwanderer vertrauen den Deutschen zum Teil mehr als der eigenen Herkunftsgruppe.

Der Problemstau im Bildungsbereich gehe aber vor allem zu Lasten von Jugendlichen aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Familien, die überdurchschnittlich häufig einen Migrationshintergrund hätten. Von gleichen Bildungschancen könne nicht die Rede sein, so der SVR.

Ein „Integrationsparadox“ lässt zudem aufhorchen: Sowohl bildungsorientierte Zuwanderer als auch Eltern der Mehrheitsbevölkerung wollen ihre Kinder nicht auf eine Schule schicken, an der der Anteil von Migranten besonders hoch ist – obwohl grundsätzlich eine positive Einstellung zu kultureller Vielfalt vorhanden ist. „Eine individuelle Förderung und attraktive Schulprogramme wären wichtige Maßnahmen, um der Skepsis der Eltern gegenüber der Leistungsfähigkeit dieser Schulen zu begegnen“, sagt SVR-Mitglied Yasemin Karakasoglu.

Hilfreich seien Projekte, die mit spezifischen Profilen wie Sprachen, internationalen Kooperationen oder Musik und daran anknüpfend einer entsprechenden Förderung von Talenten und Leistungen deutlich machen, dass sie die Schüler mit attraktiven Qualifikationen für den Arbeitsmarkt oder eine akademische Ausbildung ausstatten.

Gute Ansätze sieht sie schon bei einigen Bremer Schulen: „Da wäre zum Beispiel die Gesamtschule Bremen-Ost (GSO), die mit der Deuschen Kammerphilharmonie Bremen kooperiert, die neue Oberschule in Gröpelingen, die die Teilnahme an der Mathe-Olympiade angekündigt hat und ein spezifisches Sprachenprofil ‚Türkisch‘ in der Sekundarstufe I und II anbietet.“ Gefordert seien innovatives Engagement und konzeptionelle, personelle und materielle Investitionen in heterogene Schulen.

Die Vorteile von Bildungseinrichtungen mit hohem Migrationsanteil liegen nach Meinung von Yasemin Karakasoglu in der unmittelbaren Erfahrung von kultureller und sprachlicher Vielfalt. „Menschen, die mit unterschiedlichen Systemen vertraut sind, können mit dieser Vielfalt auch später im Beruf selbstverständlicher umgehen.“ Das trainiere Neugier gegenüber anderen Kulturen, Toleranz und die Fähigkeit, sich in andere Lebensweisen besser hineinversetzen zu können: „Hier werden wichtige soziale Kompetenzen trainiert“, so die Expertin im Bereich Interkulturelle Bildung.

WWW.

svr-migration.de

interkulturelle-bildung.uni-bremen.de

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