INTERVIEW Carolin Reuther führt jetzt die Geschäfte der City-Initiative

Die Innenstadt nach außen tragen

Unterwegs für die Bremer Innenstadt: Carolin Reuther, City-Initiative. Foto: GABY AHNERT
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Unterwegs für die Bremer Innenstadt: Carolin Reuther, City-Initiative.

Eine neue Stimme für die Bremer Innenstadt: Carolin Reuther hat als Nachfolgerin von Dr. Jan-Peter Halves die Geschäftsführung der Einzelhandelsvereinigung City-Initiative übernommen – in einer unerwartet schwierigen Zeit. Wie sie die Herausforderung annimmt, sagt Carolin Reuther im Interview.

Gäbe es die Corona-Krise nicht, welches Thema hätten Sie in Ihrem neuen Amt als erstes angepackt?

Ich bin der Meinung, dass man in der Regel mehrere Themen gleichzeitig anpacken muss, da doch immer wieder alles zusammenspielt und je nach Betätigungsfeld Dinge schnell und kurzfristig umgesetzt oder eben auch nur langfristig verändert werden können. Schwerpunkte wären die Themenbereiche Verkehr und Bau sowie Veranstaltungen und weitere Raumnutzungskonzepte gewesen. Beide Themenbereiche spielen insbesondere auf die Aufenthaltsqualität ein und tragen damit zum Erfolg des Wirtschaftsstandortes auch im Tourismus bei. Ein weiteres relevantes Thema: die Weiterentwicklung der innerstädtischen Kommunikationsmaßnahmen.

Würden Sie sich für den City-Einzelhandel mehr oder andere Unterstützungsmaßnahmen wünschen – und wenn ja: welche?

Hätten Sie mir die Frage vor zwei Monaten gestellt, wäre die Antwort sicherlich eine andere gewesen. Heute würde ich sagen: Wir benötigen rasch ein an der Praxis orientiertes Konjunktur- und Investitionsprogramm, also ein aufeinander abgestimmtes Maßnahmenbündel, um die Wirtschaft in der Innenstadt bei ihrem Wiedereinstieg in einen hoffentlich baldigen Regelbetrieb zu unterstützen. Dabei müssen alle Nutzer- und Wirtschaftsgruppen mitgenommen werden. Und Praxisorientierung im Allgemeinen ist hier sicherlich das Stichwort. Gerade jetzt in Corona-Zeiten haben wir diesbezüglich sehr viele positive Erfahrungen machen können, so zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsressort, und deswegen bin ich auch für weitere Maßnahmen, die die Bremer Innenstadt betreffen, optimistisch. Und wir brauchen noch mehr Kommunikation auch über Bremen hinaus: In der Bremer City passiert seit Jahren viel Positives, das muss noch stärker nach außen getragen werden.

Wie wichtig ist der Schritt, Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder zu öffnen?

Sehr wichtig, und auch die Entscheidung, dass Anbieter über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche diese verkleinern konnten, um zu öffnen, ist ein gutes Zeichen gewesen. Für viele ist das Öffnen ihrer Geschäfte in dieser Woche als Perspektive überlebenswichtig, denn die nächsten Verbindlichkeiten wollen beglichen werden.

Welcher Schritt müsste aus Ihrer Sicht der nächste Schritt sein?

Wir müssen uns schnell darüber verständigen und klären, wie und unter welchen Bedingungen die Gastronomie wieder aufmachen darf. Allen ist bewusst, dass die Gesundheit oberste Priorität hat, aber ich bin mir sicher, dass Abstands- und Hygieneregeln auch in diesem Bereich oder in einer Vielzahl der kulturellen Einrichtungen umsetzbar sind.

Sind besondere City-Kampagnen mit Blick auf die voraussichtlich andauernde Corona-Lage geplant?

Ja, wir werden in den nächsten Tagen die Innenstadt wieder zum Erblühen bringen, und das im wahrsten Sinne des Wortes – und unsere Mitglieder bei der Umsetzung von Auflagen und in der Kommunikation mit ihren Kunden unterstützen. Weiter werden wir über unsere Social-Media-Kanäle von den Geschäften berichten, die wieder aufhaben oder einen besonderen Service in dieser Zeit anbieten. Auch hier gilt es: Unterstützt den stationären Handel, kauft in der Bremer City.

Welche Bedeutung hat – gerade jetzt – die Strahlkraft der Bremer Innenstadt ins Umland?

Die Bremer Innenstadt war und ist immer noch das bedeutende Oberzentrum hier im Norden. Das wird sich auch nach Corona nicht ändern. Shopping und Freizeit zwischen Weltkulturerbe und Weser erleben, die innerstädtischen Quartiere, mit ihren unterschiedlichen Angeboten und Flairs, fußläufig untereinander oder auf kurzem Wege vom Bahnhof aus entdecken, wo finden Sie das?

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach Corona?

Dass viele Bremer und Menschen aus dem Umland ihre Shopping- und Bummel-Touren unter freiem Himmel in der schönen Bremer City planen und das maritime Flair, wie an der Schlachte, genießen werden. Und für die Arbeit hinter den Kulissen: Dass wir die engen und fruchtbaren Kommunikationswege mit Institutionen, Verbänden und Politik, die in Corona-Zeiten bestätigt wurden, ausbauen können und wir die unterschiedlichen Wirtschaftsgruppen mit ihren Interessen noch besser verzahnen. Eine gemeinsame Zukunftsvision für die Bremer City muss geteilt werden.

Zur Person Als studierte Kulturwissenschaftlerin und Soziologin hat sich Carolin Reuther, 39, bereits wissenschaftlich mit dem Themenfeld Stadtmarketing und Urbanität beschäftigt. Vor ihrem Wechsel zur City-Initiative war die gebürtige Ostfriesin bei der Gesellschaft Bremer Bäder für Marketing und Produktmanagement verantwortlich. Zudem hat sie für die Messe Bremen als Projektleiterin, für die „Waterfront“ in Gröpelingen als Marketing Director und für den Sendesaal als Geschäftsführerin gearbeitet.

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