Comedy-Premiere im Universum

Inklusion durch Lacher

+
Kinan Al sollte in Deutschland auf Wunsch seines Vaters Medizin studieren. Heute ist der Berliner Comedian.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Toby Käp bringt es auf den Punkt: Er ist einfach speziell. „Mit einer 50-prozentigen Hörschädigung bin ich zu behindert, um normal zu sein. Und zu normal, um behindert zu sein“, sagt er. „Ich würde das gerne als Win-win-Situation verkaufen. Es ist aber eine Lose-lose-Situation. Egal, ob Ihr lacht oder nicht, Ihr diskriminiert mich in beiden Fällen.“ Es folgt eine Diskriminierung, aber eine durchaus herzliche. Das Publikum lacht.

Etwa 100 Gäste sind am Donnerstagabend zum ersten Comedy-Abend im Science-Center Universum gekommen. „Darüber lacht man nicht – oder etwa doch?“ So lautet der Titel des mit dem Label „Lachen ist Bremer Recht“ versehenen Abends. Er ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Lieblingsräume – so vielfältig wie wir“ zum Thema Inklusion. Das Lachen baut die Distanz gegenüber Behinderten und Leuten, die etwas anders sind, ab.

Damit niemand von seinem Vortrag ausgeschlossen wird, hat Käp seinen Gebärdendolmetscher Stefan mitgebracht. Käp ist Theologiestudent. „Ich komme ursprünglich aus Tauberbischofsheim“, sagt er, danach herrscht kurze Stille, dann Gelächter. „O.K., der braucht etwas Zeit“, sagt Käp und demonstriert dann, dass er sich auch auf den ganz derben Humor versteht: „Stefan kommt aus seiner Mutter.“ Stefan wirkt unbeeindruckt und übersetzt auch das.

Fettspritzen haben sich gelohnt

Mit einem gehörigen Lebendgewicht kommt Kerstin Luhr auf die Bühne. Sie stellt erstmal den Mikrofonständer zur Seite. „Sonst sieht man nur meinen Kopf“, sagt sie. Ein simpler Gag, aber er kommt an. Sie betont, dass sie ihr Gewicht anders erreicht hat als normale Übergewichtige. „Ich war in den USA und habe mir dort Fettspritzen geben lassen“, sagt Luhr. „Das hat sich gelohnt. Für meine Freundinnen bin ich jetzt eine fette Freundin geworden. Den Fahrstuhl habe ich jetzt für mich alleine, denn die Leute denken: Oh je, das Maximalgewicht ist schon erreicht.“

Ebenfalls mit einem ordentlichen Bauch ausgestattet ist der dritte Gast des Abends. „Mein Name ist Kinan Al. Ich komme aus Syrien. Habt Ihr Fragen?“ Stille. „Keine Fragen? Zum Beispiel, warum?“ Das Warum liefert er. „Ich habe meinen Vater enttäuscht. Er wollte, dass ich nach Deutschland gehe und Medizin studiere. Ich bin nach Deutschland gegangen, um Pornos zu gucken. Jetzt bin ich Comedian.“

Als er Deutsch lernte, stolperte Al über das Wort „Vorfreude“: „Die Deutschen scheinen eine enge Beziehung zu haben. Sie brauchen ein Wort, um sich auf Freude vorzubereiten. Nein, noch keine Freude. In Deutschland herrscht Ordnung. Erst kommt die Vorfreude, dann die Freude, dann der Tod und dann die Schadenfreude.“ Einige Deutsche scheinen Al leid zu tun. „Manche sagen, Vorfreude ist die schönste Freude. Mann, müssen die enttäuscht worden sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Einzelkritik: Mit Bargfrede ist Werder besser

Einzelkritik: Mit Bargfrede ist Werder besser

Bilder der steilsten Standseilbahn der Welt

Bilder der steilsten Standseilbahn der Welt

Palästinenser weisen US-Äußerungen zu Klagemauer zurück

Palästinenser weisen US-Äußerungen zu Klagemauer zurück

Weihnachtskonzert in der Sporthalle der Wiedauschule

Weihnachtskonzert in der Sporthalle der Wiedauschule

Meistgelesene Artikel

Sitzkissen und Sternenhimmel in der Bremer Liebfrauenkirche

Sitzkissen und Sternenhimmel in der Bremer Liebfrauenkirche

Schnee bringt in Bremen Flugbetrieb durcheinander

Schnee bringt in Bremen Flugbetrieb durcheinander

Umschlag in den Bremischen Häfen auf Vorjahresniveau

Umschlag in den Bremischen Häfen auf Vorjahresniveau

Verdächtiges Paket in Bremen entdeckt - Entwarnung nach Großeinsatz

Verdächtiges Paket in Bremen entdeckt - Entwarnung nach Großeinsatz

Kommentare