Infotag mit 70 Ausstellern im Musicaltheater vermittelt Tipps und Basiswissen für Selbstständige

„Existenzgründer brauchen Herzblut“

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Silke Linsenmaier (l.) und Kirstine Fratz referierten über „Ideen zum Zeitgeist“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Herzblut, das ist das Wichtigste, was man braucht, um eine Existenz zu gründen“, sagte Mathias Rätsch gestern auf dem Gründungstag der Gründungsinitiative „B.E.G.IN“ im Musicaltheater am Richtweg

„Ohne Leidenschaft sind die Voraussetzungen für die Selbstständigkeit nicht gut“, sagte der Designer und Werbetexter. Er war einer von rund 70 Ausstellern, bei denen sich Interessierte und Existenzgründer wichtige Tipps und Basiswissen holen konnten. Viele Themenbereiche muss ein Selbstständiger in Eigenverantwortung regeln – wie etwa Krankenversicherung, Finanzierung, Buchhaltung, Steuer, Selbstvermarktung, Auftritt beim Kunden und Preiskalkulation.

Im Vortragssaal referierten die Hamburger Unternehmensberaterinnen Silke Linsenmaier und Kirstine Fratz über „Ideen zum Zeitgeist“. Das Auditorium folgte ihnen auf eine Kulturreise, beginnend in der Hippiezeit, über die Konsumlust der Popper-Generation, die Kreativität der New Economy bis ins heutige Zeitalter von Selbstoptimierung. „Immer, wenn man es sich in einem Trend so recht gemütlich gemacht hat, kommt etwas Neues“, warnten sie. In Nischen entwickle sich meist schon eine neue Bewegung, die es zu erkennen gelte.

Aktuell sei das beispielsweise eine wachsende Gruppe, die offline „sexy“ finde. Dass es wichtig sei, in Bewegung zu bleiben, sagte auch Dr. Dirk Kühling aus dem Bremer Wirtschaftsressort. Durch Existenzgründungen seien rund 200 neue Unternehmen in Bremen entstanden. „Wir haben einen sehr, sehr bunten Wirtschaftsstandort“, sagte er. Momentan rücke in Bremen die Kreativwirtschaft in den Fokus. Zur Kreativwirtschaft zählen beispielsweise Kunst- und Kulturschaffende, Programmierer, Designer, Grafiker, Architekten und andere kreative Akteure meist Freiberufler und Selbstständige.

Zwei Firmengründer, die ihr Produkt vor einigen Jahren auf den Markt brachten, sind Sohrab Mohammad und Torben Buttjer. Gestern standen sie als Referenten auf der Bühne, denn ihr direkter Reisimport für ihre Marke „Reishunger“ wurde ein Erfolg. Sie beliefern die Gastronomie, sind mit einem eigenen Shop im Internet präsent, und ihre Reissorten gibt‘s in den Regalen großer Supermarkt-Ketten. Um sich zu etablieren, muss man sich gut verkaufen, Und wie das funktioniert, verriet Laleh Madjidi, denn Aufträge fielen nicht vom Himmel.

Beim „Elevator Pitch“ (Fahrstuhlgespräch) ging es darum, seine Geschäftsidee in einer Minute auf den Punkt zu bringen. Auf den Punkt gebracht wurden auch Fakten. Ob Businessplan oder Website, IT-Sicherheit oder Markenname – für den Gründungserfolg relevante Aspekte konnten beim jeweiligen Kurz-Check gleich vor Ort geprüft werden. Während einige beim Gründertag noch auf den entscheidenden Impuls zum Wagnis Selbstständigkeit hofften, besuchten andere bereits mit konkreten Ideen die Expertenstände.

Darunter waren auch Ali, Habib und Ramazan. Sie stehen kurz vor ihrer Firmengründung. Die schnelle Kurzpräsentation klappte auf Anhieb: Sie wollen sich mit digitaler Werbung selbstständig machen und dabei digitale Technik mit klassischen Präsentationsplattformen verbinden. „Ein halbes Jahr arbeiten wir an der Startvorbereitung“, sagte Habib. „Vielleicht können wir noch in diesem Jahr starten“, ergänzte Ali.

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