Prozess vor dem Amtsgericht

Schüsse auf Polizisten: Angeklagter zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Der 33-jährige Angeklagte (links) ist am Mittwoch vom Amtsgericht Bremen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Knüpling, hatte Freispruch beantragt.

Bremen - Von Steffen Koller. Keine Notwehr, keine „gefühlte Lebensgefahr“: Das Amtsgericht hat am Mittwoch einen 33 Jahre alten Angeklagten wegen gefährlicher und fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Mann hatte im März 2016 mit einer Schreckschusspistole durch einen Türspalt auf einen Polizisten geschossen. Der Beamte erwiderte das Feuer und traf dabei ein hinter der Tür stehendes Mädchen und verletzte es schwer.

Nach Auffassung von Richter Kai Bockmann hat sich der Vorfall vom 4. März vergangenen Jahres so abgespielt, wie von der Staatsanwaltschaft letztlich zur Anklage gebracht. Der 33-Jährige und das spätere Opfer, ein damals 17-jähriges Mädchen, feierten in der Wohnung des Mannes, als am späten Abend drei ungebetene Gäste – wohl betrunken und unter Drogeneinfluss – versucht hatten, die Party zu stürmen. 

Es kam, da ist sich die Kammer sicher, zu einer handfesten Auseinandersetzung, im Zuge derer mehrere Gäste verletzt wurden. Kurze Zeit später gingen bei der Polizei mehrere Notrufe ein, die alarmierten Einsatzkräfte gingen von häuslicher Gewalt aus. Unter der „Einsatzkategorie 1“ (höchste Stufe) rasten die Beamten zur Wohnung an die Ecke Tiefer/Balgebrückstraße.

Polizist reagierte auf Schüsse gegen sich

Trotz mehrerer Rufe „Aufmachen, Polizei!“, blieb die Wohnungstür verschlossen. Stattdessen feuerte der Angeklagte durch den Türspalt mit einer für den Beamten nicht erkennbaren Schreckschusspistole aus kürzester Distanz in Richtung des Polizisten. Weil dieser sich in Lebensgefahr wähnte, schoss der Beamte fünfmal zurück und traf die hinter der verschlossenen Tür stehende 17-Jährigen in Schulter und Leber.

Für Richter Kai Bockmann steht außer Zweifel, dass die Beamten sich auch als solche zu erkennen gegeben hatten. „Alles andere macht in der Gesamtpraxis keinen Sinn.“ Ein Nachbar, der als Zeuge ausgesagt hatte, bestätigte während des Prozesses die Rufe der Polizei.

Auch wenn der Angeklagte davon ausgegangen sei, die Störenfriede seien zurückgekommen, rechtfertige dies nicht den Einsatz einer Waffe, sagte Bockmann. Es sei schlicht nicht das mildeste Mittel, um einen vermeintlichen Angriff abzuwehren, begründete der Richter. „Notwehr ist Verteidigung, nicht in erster Linie Angriff“, sagte er.

Statt zu schießen, hätte der 33-Jährige zumindest die Möglichkeit gehabt, den mutmaßlichen Angreifern verbal oder mit der Schusswaffe zu drohen – „doch der Einsatz der Waffe löste eine ganz andere Eskalationsstufe aus“. Eine „gefühlte Lebensgefahr“ habe für den Angeklagten nicht bestanden, was die Schüsse unter Umständen gerechtfertigt hätten. Für Bockmann mache das Vorgehen eher den Eindruck, als handele es sich um „Imponiergehabe“ und „eine – plakativ ausgedrückt – Wild-West-Geschichte“.

Polizist wurde längst entlastet

Das Verfahren gegen den Polizisten, der durch den Schuss ein Knalltrauma und einen Schock erlitt, wurde längst eingestellt. Ihm wurde attestiert, er habe richtig gehandelt.

Und auch der Angeklagte hätte den Weg vor das Amtsgericht umgehen können. Gegen ihn wurde im Januar ein Strafbefehl über ein Jahr Haft auf Bewährung erlassen, doch er legte Einspruch ein. Zur Bewährungsstrafe kommt nun ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro hinzu.

Ob es das letzte Kapitel in diesem Verfahren bleibt, ist offen. Bockmann in Richtung des Verteidigers, der für seinen Mandanten Freispruch beantragt hatte: „Da mach' ich mir nichts vor, dass da noch was kommen mag.“

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