1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Bremen: Angst vor Kündigungen wegen Impfpflicht?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Elisabeth Gnuschke

Kommentare

In den Bremer Kliniken (hier die Isolierstation im Klinikum Mitte) sind etwa 95 Prozent der Beschäftigten gegen das Corona-Virus geimpft. Alle, die nicht geimpft sind, müssen Mitte März wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ans Gesundheitsamt gemeldet werden.
In den Bremer Kliniken (hier die Isolierstation im Klinikum Mitte) sind etwa 95 Prozent der Beschäftigten gegen das Corona-Virus geimpft. Alle, die nicht geimpft sind, müssen Mitte März wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ans Gesundheitsamt gemeldet werden. © Geno/Kerstin Hase

Mitte März kommt sie, die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Bringt das Krankenhäuser, Heime & Co. in Bremen womöglich in Schwierigkeiten? Befürchten sie bei den ungeimpften Beschäftigten reihenweise Kündigungen?

Bremen - Die Impfpflicht für medizinische und pflegerische Einrichtungen ist beschlossene Sache. Auch wenn es, wieder einmal, Störfeuer vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) sowie Teilen der CDU gibt, bereiten sich die Einrichtungen auf die Umsetzung vor. Alle Mitarbeiter aus Kliniken, Pflegeheimen, Behindertenheimen, Arztpraxen und weiteren Einrichtungen müssen bis zum 16. März vollständig geimpft sein. Das betrifft Pflegekräfte ebenso wie Ärzte, Küchenpersonal, Pförtner, Reinigungspersonal, Logistiker, Physiotherapeuten und auch Kräfte, die gar nicht direkt bei den Einrichtungen angestellt sind, sondern von außen kommen.

Bremer Gesundheitsressort: „Wir machen unsere Hausaufgaben“

Die Umsetzung der Impfpflicht läuft in den Einrichtungen auf Hochtouren, auch wenn noch vieles ungeklärt ist, wie der Sprecher des Gesundheitsressorts, Lukas Fuhrmann, gegenüber unserer Zeitung sagt. Bei vielen Dingen fehlten konkrete Ansagen des Bundes. Dennoch: „Wir machen unsere Hausaufgaben“, betont er. Soll heißen: Bremen ist vorbereitet.

Bekommen die nicht geimpften Beschäftigten weiter Geld?

Grundsätzlich, so Fuhrmann, soll es folgendermaßen laufen: Die Einrichtungen haben einen Überblick über Geimpfte und nicht Geimpfte. Letztere melden sie Mitte März digital dem Gesundheitsamt. Das prüft jeden Fall. Die Behörde, nicht die Einrichtung, ist es auch, die über ein Betretungsverbot oder ein Beschäftigungsverbot entscheidet. Also prüft, ob eine ungeimpfte Pflegekraft zu Hause bleiben muss oder mit einer Ausnahmeregelung dennoch im Krankenhaus oder Altenheim arbeiten darf. Ungeklärt ist nach den Worten Fuhrmanns weiterhin, ob Kräfte, die nicht arbeiten dürfen, Geld bekommen – oder eben nicht. „Es gibt viele offene Fragen“, sagt er. Fuhrmann: „Wir warten dringend auf konkrete Vorgaben aus dem Gesundheitsministerium.“ Arbeitsrechtlich dürften die Folgen der Impfpflicht durchaus interessant werden. Das Gesundheitsressort geht von rund 60 000 Beschäftigten in Bremen aus, die im betroffenen Bereich Medizin/Pflege arbeiten, darunter etwa 6 000, die nicht gegen Covid-19 geimpft sind.

Sowohl das Ressort als auch Kliniken und Heime werben unterdessen bei der Klientel der Ungeimpften weiter verstärkt für den Piks gegen Corona, wie sie betonen. Die Klinik-Gesellschaft Gesundheit Nord (Geno), Dach der vier kommunalen Krankenhäuser, hat kürzlich den Impfstatus der rund 8 000 Mitarbeiter erhoben. „Davon sind rund 95 Prozent vollständig geimpft und in der Regel auch geboostert“, so Sprecherin Karen Matiszick. Rund 350 Personen seien noch nicht geimpft, davon nur wenige aus der Pflege. Es gebe ausführliche Infos zur Impfpflicht, eindringliche Appelle, sich impfen zu lassen, „kurzfristige, unkomplizierte“ Termine bei den Betriebsärzten. Einige Mitarbeiter hätten sich umstimmen und impfen lassen.

Kündigungen wegen Impfpflicht? Bremer Kliniken sind entspannt

Auch auf den Proteinimpfstoff von Novavax setzen die Einrichtungen bei bisher Ungeimpften. Doch der kann frühestens in ein, zwei Wochen in Bremen gespritzt werden. Befürchten die Einrichtungen Kündigungen wegen der Impfpflicht? Nein, sie zeigen sich auf unsere Nachfragen entspannt. Matiszick: „Kündigungen hat es bei uns deswegen bisher nicht gegeben.“ Und angekündigt habe das bislang auch niemand.

Im Diako betrifft die Impfpflicht rund 1 000 Beschäftigte, sagt Sprecher Ingo Hartel. Über alle Bereiche seien weniger als vier Prozent nicht geimpft. Er geht nicht davon aus, dass es zu Kündigungen kommt. Seitens der Klinik sei das keinesfalls geplant.

Weitere Impftermine im Haus, Anmeldung für Novavax im Impfzentrum, so will das Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKK) möglichst viele der etwa sechs Prozent Ungeimpften unter den 800 Beschäftigten mobilisieren, sagt Sprecherin Dorothee Weihe. Sorge vor Kündigungen habe das RKK nicht. Ebenso entspannt ist in dieser Hinsicht das St.-Joseph-Stift mit seinen 1 100 Mitarbeitern. Mit den letzten fünf Prozent Ungeimpften suche man das Gespräch, gehe auf ihre Bedenken ein. Auch hier warteten einige auf Novavax.

Die Heimstiftung als einer der größten Altenheimbetreiber in Bremen hat rund 2 700 Beschäftigte, die die Impfpflicht betrifft. Genaue Zahlen hat Vorstandschef André Vater zwar noch nicht, er geht aber von maximal 70 Ungeimpften aus. Der Umgang mit ihnen hänge in erster Linie von den Entscheidungen des Gesundheitsamtes ab. Für ihn ist klar: Wenn Beschäftigte aufgrund von Betretungsverboten nicht arbeiten könnten, bekämen sie von der Bremer Heimstiftung auch keine Vergütung. Ob jemand kündigen werde, sei nicht absehbar, sagt Pflegedirektorin Susanne Brockmann. Sorge vor zu wenig Personal hat aber auch der Heimbetreiber nicht. „Mögliche Ausfälle können wir unter anderem mit unserem eigenen Springerteam kompensieren“, sagt Brockmann.

Corona: Sieben-Tage-Inzidenz sinkt

Das Gesundheitsressort hat am Montag 916 neue Corona-Fälle für das Land Bremen gemeldet, davon 725 in der Stadt Bremen. Hier fiel die Sieben-Tage-Inzidenz auf 909 (Bremerhaven: 1 793). Die Hospitalisierungsinzidenzen liegen bei 3,8 (Patienten wegen Corona) und 7,6 (mit Corona, also wegen anderer Krankheiten eingeliefert). In Kliniken des Landes liegen 176 Covid-Patienten, davon 23 auf Intensivstationen. Drei weitere Menschen mit dem Virus sind gestorben, bislang 657. In Bremen gilt seit Montag Warnstufe 3.

Auch interessant

Kommentare