Gesundheitssenatorin zur Strategie an der Weser

Impfmeister Bremen

Zur mobilen Impfstelle am Weserpark kamen in der vergangenen Woche mit mehr als 500 Menschen an einem Tag doppelt so viele wie üblich. Bremen hat darauf prompt reagiert: Seit Montag gibt es eine feste Impfstation direkt im Einkaufszentrum (Foto) - durchaus ein Beispiel für Bremens gelungene Strategie beim Impfen, mit der das kleine Bundesland seit Monaten bundesweit an der Spitze liegt.
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Zur mobilen Impfstelle am Weserpark kamen in der vergangenen Woche mit mehr als 500 Menschen an einem Tag doppelt so viele wie üblich. Bremen hat darauf prompt reagiert: Seit Montag gibt es eine feste Impfstation direkt im Einkaufszentrum (Foto) - durchaus ein Beispiel für Bremens gelungene Strategie beim Impfen, mit der das kleine Bundesland seit Monaten bundesweit an der Spitze liegt.

In der Bildung Schlusslicht, im Fußball zweitklassig. Bei Vergleichen auf Bundesebene liegt das kleine Bundesland an der Weser meistens am Ende. Nicht so beim Impfen, dabei ist Bremen Bundesmeister. Was sind die Gründe für den Erfolg? Dazu ein Interview mit der Gesundheitssenatorin.

Bremen - Mittlerweile wird Bremen beim Thema Impfen als beispielhaft befragt und genannt. Ob bei Anne Will oder dem Heute Journal – Bremen ist beim Impfen Vorzeigeland. Wir haben mit Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) über die erfolgreiche Strategie gesprochen.

Bremen ist seit Beginn der Corona-Pandemie beim Thema Impfen sehr gut aufgestellt und ist „Bundes-Impfmeister“. Wo sehen Sie die Gründe für diesen Erfolg?

Der Erfolg steht hier in Bremen auf vielen Beinen und hat verschiedene Faktoren. Wir haben von Beginn an eine sehr gute Teamleistung gehabt. Hier haben Politik, Verwaltung, Hilfsorganisationen, Unternehmen und viele weitere Hand in Hand gearbeitet. Das war auch ein Faktor, der dazu geführt hat, dass in Bremen ein gemeinsames Ziel entstanden ist: möglichst schnell allen eine Impfung ermöglichen. Dann hatten wir unser tolles Impfzentrum, das nicht nur organisatorisch hervorragend funktioniert, sondern auch als Identifikationspunkt gedient hat. Es stand in Bremen für unser gesamtes Projekt. Aber einer der entscheidenden Schritte war, dass wir sehr früh direkt in den Stadtteilen Impfangebote gemacht haben. Wir waren schon im Mai in Gröpelingen, danach unter anderem in Blumenthal und Huchting. Seit Juni sind unsere Impfmobile im Einsatz, immer wieder an verschiedenen Orten. Wir bringen die Impfung also direkt zu den Leuten. Diese müssen aber natürlich auch informiert werden, und das tun wir seit Monaten. In verschiedenen Quartieren sind Gesundheitsfachkräfte unterwegs und informieren. Wir haben seit dem Frühjahr eine mehrsprachige Kampagne.

Wie geht es weiter? Was machen Sie, um die bislang nicht geimpften 20 Prozent zu erreichen?

Von den übrigen 20 Prozent ist mehr als die Hälfte unter zwölf Jahre alt, für diese Gruppe gibt es aktuell kein Impfangebot. Aber wir lassen natürlich nicht nach. Unser Impfangebot bleibt auch ohne Impfzentrum erhalten: Wir werden in den kommenden Wochen insgesamt fünf Impfstellen haben, unsere Impfmobile sind weiter in der Stadt im Einsatz und natürlich auch die mobilen Teams. Zur Zeit impfen wir unter anderem auch in Schulen, um bei den Jugendlichen die Impfquote noch zu verbessern.

Mir war und ist es dabei ungemein wichtig, dass wir uns klarmachen, dass auch beim Impfen die soziale Frage eine große Rolle spielt. Nicht ohne Grund sind wir dorthin gegangen, wo die Armut in Bremen höher ist, weniger Wohnraum zur Verfügung steht und der Anteil prekär Beschäftigter höher ist. Eben dort ist auch die gesundheitliche Versorgung oft schlechter, und hier springen wir beim Impfen mit ein.

Seit vergangener Woche gibt es lange Schlangen an mobilen Impfstationen, beispielsweise vor dem Weserpark. Drei Stunden warten aufs Impfen, insgesamt fast vier Stunden, bis der Piks geschafft ist – ganz anders als im Impfzentrum. Wie wollen Sie das verbessern?

In den vergangenen Tagen ist die Nachfrage bei den Auffrischungsimpfungen deutlich gestiegen, wir sehen das vor allem bei unseren mobilen Angeboten. Tatsächlich kommt ein sehr großer Teil dieser Nachfrage bei uns an, ein größerer Teil als geplant. Wir weiten deswegen aktuell die Öffnungszeiten der Impfstellen aus, außerdem kommen weitere hinzu: gerade im Weserpark, noch im Dezember im Süden und in Mitte. Aber klar ist, dass die große Nachfrage nicht durch uns alleine bedient werden kann. Hier müssen auch die niedergelassenen Ärzte und die Betriebsärzte mit ins Boot.

Bei den ersten älteren Menschen liegt die vollständige Impfung mehr als sechs Monate zurück. Wie ist der Bremer Weg bei den Booster-Impfungen?

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard hat schon früh Impfmobile in die Stadtteile geschickt.

Inzwischen haben ja bereits viele Menschen einen Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung, mehr als 40 000 haben wir aber auch schon durchgeführt. Unser erster Fokus lag wieder auf den Pflegeeinrichtungen, dort waren wir schon im September. Aktuell versenden wir wieder Impfeinladungen an alle über 70-Jährigen. Sie sind für uns aktuell am wichtigsten, da sie auch am gefährdetsten sind. Aber grundsätzlich bieten wir allen Bremerinnen und Bremern und allen, die in Bremen arbeiten, die Impfung an. Die Voraussetzung ist klar: Die zweite Impfung muss mindestens sechs Monate zurückliegen, bei Johnson & Johnson reichen vier Wochen aus.

Ein Blick in die Kliniken. Ist die Lage stabil?

Die Corona-Lage ist in den Bremer Kliniken tatsächlich stabil. Unsere Hospitalisierungsinzidenz ist seit vielen Tagen deutlich unter dem Schwellenwert von 3, weshalb wir auch weiterhin in der Warnstufe 0 sind. Das heißt, es haben wenige Bremerinnen und Bremer einen so schweren Verlauf, dass sie stationär behandelt werden müssen. Der Anteil der Ungeimpften in den Kliniken liegt aktuell bei rund 70 Prozent. Das heißt, ein kleiner Teil der Bevölkerung, die nicht Geimpften, ist für den großen Teil der stationären Behandlungen verantwortlich. Und das zeigt erneut: Die Impfung wirkt. Sie schützt vor schweren Erkrankungen und Verläufen.

Impfen: Früh in die Bremer Stadtteile

Claudia Bernhard (Linke) ist seit August 2019 Gesundheitssenatorin im rot-grün-roten Senat in Bremen. Die 60-Jährige lebt seit 1991 in Bremen und hat zwei Kinder. Dass Bremen beim Impfen bundesweit an der Spitze liegt, ist auch ihr zu verdanken. Bernhard hat von Anfang an Impfmobile in ärmere Stadtteile mit hohem Migrantenanteil geschickt, weil sie aus selbst ermittelten Zahlen wusste, dass dort die Impfbereitschaft gering ist. Sie machte das mit nüchternen Fakten öffentlich und kassierte dafür herbe Kritik aus ihren eigenen linken Reihen und von den Grünen. Unbeirrt setzte die Senatorin dennoch ihren Kurs mit großem Impfzentrum (unterstützt von privaten Unternehmen) und dezentralen Impfangeboten fort. Mit Erfolg: Gut 79 Prozent der Bremer sind doppelt geimpft, fast 82 Prozent einmal. In Bremen und Bremerhaven gilt die niedrigste Warnstufe 0 mit nur wenigen Einschränkungen.

Corona: Lage in den Bremer Kliniken ist stabil

In einigen Bundesländern sind die Kliniken in der vierten Corona-Welle bereits an ihre Grenzen gestoßen. In Bremen ist die Lage bislang stabil. So heißt es aus der Gesellschaft Gesundheit Nord (Geno) für die vier kommunalen Kliniken, die Lage sei „sicherlich deutlich weniger angespannt als in anderen Regionen Deutschlands“. Operationen müssten, so Sprecherin Karen Matiszick, nicht abgesagt werden. Allerdings spürten auch die Geno-Kliniken den Fachkräftemangel, das habe auf die Versorgung der Corona-Patienten aber bisher keinen Einfluss. Übrigens, und das sagt auch das Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKK): Gut 90 Prozent dieser Patienten seien nicht geimpft. Das Gesundheitsressort spricht für alle Kliniken von etwa 70 Prozent Ungeimpften. Bei den Impfdurchbrüchen stehen Astrazeneca und Johnson & Johnson ganz vorne, Biontech und Moderna deutlich dahinter.

Nach den Beobachtungen der Kliniken sind die Corona-Patienten derzeit mit 30 bis 60 Jahren jünger als zuvor. Beim Personal sei die Erschöpfung nach langer Pandemie groß, sagt RKK-Sprecherin Dorothee Weihe, die Intensivkapazitäten seien eingeschränkt. Sollte es eine Zunahme an schwerkranken Covid-Patienten geben, müssten wieder planbare OPs verschoben werden.

Das Gesundheitsressort meldete am Montag 41 Neuinfektionen, davon 39 in der Stadt Bremen. Die Hospitalisierungsinzidenz stieg auf 2,29. In Kliniken des Landes liegen 57 Corona-Patienten.

Die SPD hat am Montag die Ausweitung der 2G-Regel, eine bundesweite Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen sowie eine Überprüfung der geltenden Schwellenwerte gefordert.

Impfstellen in Bremen: Termin nur nach Vereinbarung

Auf Grund der „sehr großen Nachfrage“ an den Impfstellen sind in Bremen Impfungen gegen das Coronavirus ab sofort nur noch mit vorheriger Terminvereinbarung möglich. Das teilte am Dienstag ein Sprecher des Gesundheitsressorts mit. Diese Regelung betreffe alle drei Impfstellen in Vegesack, im Sander Center in Oslebshausen und im Weserpark am Bremer Kreuz. Durch die vorherige Terminvereinbarung könnten vor Ort lange Wartezeiten vermieden werden, sagte der Sprecher.

In den vergangenen Tagen war die Nachfrage nach Auffrischungsimpfungen deutlich gestiegen. Terminvereinbarungen für Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen sind über die Registrierungslisten unter www.impfzentrum.bremen.de möglich. Auffrischungsimpfungen werden erst sechs Monate nach Ende der vorherigen Impfserie durchgeführt, „eine frühere Impfung ist nur in Ausnahmefällen möglich“, hieß es. Auffrischungsimpfungen nach vorheriger Impfung mit Johnson&Johnson sind nach vier Wochen möglich.

Neben den Impfstellen setzte Bremen aber auch weiter auf mobile Teams und Impftrucks. „Bei diesen Angeboten sind vorherige Terminvereinbarungen nicht nötig“, sagte Sprecher Lukas Fuhrmann. Alle Termine sind auf  www.gesundheit.bremen.de/Coronaimpfung zu finden.

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