Mehr als 20 Jahre im Wettfahrausschuss

Kurt Flückschuh: Immer am Platz – bis auf die Nacht, in der er Vater wurde

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Fährt privat sehr viel Rad: Der Kirchweyher Kurt Flückschuh, der lange Mitglied im Wettfahrausschuss war.

Kirchweyhe - Der große Jubel mit feschen Damen und Blumensträußen bei der Siegerehrung wird ihnen nicht zuteil. Aber ohne sie funktioniert ein Rennen nicht. Der Wettfahrausschuss spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, Rundengewinne anzuzeigen oder bei Ausscheidungsrennen den jeweils Letzten zu benennen, der den Wettbewerb verlassen muss. Mehr als 20 Jahre hatte der Kirchweyher Kurt Flückschuh einen dieser Posten inne. Von 1985 bis 2008 wachte er in Verlängerung der Start- und Ziellinie mit seinen Kollegen darüber, dass alles seine Ordnung hatte.

Man könnte ja meinen, dass er dabei mit dem einen oder anderen Fahrer mal heftig aneinandergeraten wäre, wenn Flückschuh einen anderen auf Sieg gesetzt hatte. Doch der 69-Jährige behauptet genau das Gegenteil: „Ich hatte nie Probleme mit den Fahrern. Es ist wirklich sagenhaft. Auch bei den engsten Sprintentscheidungen haben es die Fahrer irgendwie im Blut und wissen ganz genau, wer da gerade gewonnen hat.“

So ganz gewollt kam Flückschuh, der im Hauptberuf vor seiner Pensionierung Zollbeamter war, nicht zu seinem sechstägigen Nebenjob in der damaligen Stadthalle: „Mit ambitioniertem Radfahren hatte ich nie etwas am Hut. Ich bin da so reingerutscht, weil Willi Röper, der Vater meiner Frau Kirsten, Sportlicher Leiter bei den Sixdays war. Da war der Weg für mich in die Halle nicht mehr so weit.“

In Sachen Radfahren fügt Kirsten Flückschuh, die mit ihrem Mann seit 1989 noch eine Firma für Hausverwaltungen betreibt, hinzu: „Radfahren ist Kurt nun wirklich nicht fremd, denn die Post in der näheren Umgebung stellt er selbst mit dem Fahrrad zu.“

In den ersten Jahren in der Jury musste sich Flückschuh die relevanten Dinge für die Ergebnislisten noch auf Papier notieren. „Da waren wir noch vier, fünf Leute, die das gemacht haben“, erinnert sich der Pensionär. Dann hielt der PC auch in der Stadthalle Einzug und erleichterte die Arbeit des Wettkampfausschusses. „Den haben wir jede Nacht abgebaut. Man weiß ja nie . . . Aber einmal war es doch kribbelig, als im Jahr 2000 in der Halle der Strom komplett ausgefallen war. Es ging nichts mehr. Zum Glück ist nach nur fünf Sekunden sofort das Notstromaggregat angesprungen. Aber seit dieser Zeit hatte ich immer eine Taschenlampe mit an meinem Platz“, schmunzelt Flückschuh.

Und der Kirchweyher war immer zuverlässig. Am 19. Januar 1993 hätte er dabei fast sogar die Geburt seiner Tochter Kristina verpasst. Ehefrau Kirsten lag im Krankenhaus Mitte in den Wehen und ließ ihren Mann gegen 23.00 Uhr anrufen, dass es nun soweit sei. Das war wohl das einzige Mal, dass Kurt Flückschuh seinen Posten aufgab, aber die Geburt seiner Tochter wollte er dann doch erleben. Die ließ sich dann noch etwas Zeit, kam aber wenig später um 4.02 Uhr auf die Welt.

Im Jahr 2009 endete Flückschuhs Zeit im Ausschuss, weil die UCI (Weltverband der Radsportler) den Laden übernommen und mit eigenen Leuten besetzt hatte. „Das kam zwar etwas überraschend, aber so schlimm war das auch nicht. Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt, den Job in jüngere Händen zu legen“, erinnert sich Flückschuh.

Und wie verfolgt er jetzt das Rennen? Ist er vielleicht sogar noch jeden Tag in der Halle, um seinen Nachfolgern bei der Arbeit zuzuschauen? „Nein. Auf keinen Fall. Ich gehe immer am Sonntag mit meiner Familie zum Rennen. Das reicht mir. Und die Karte kaufe ich mir selbst.“

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