„Immer Hochkonjunktur“

Kammer-Bilanz Bremen: Beratungen zum Arbeitsrecht auf Rekordniveau

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Kaarina Hauer, Leiterin der Rechtsberatung bei der Arbeitnehmerkammer.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Früher hatten wir in der Krise Konjunktur, heute haben wir immer Hochkonjunktur.“ Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, hat am Freitag die aktuelle Beratungs-Bilanz der Kammer präsentiert. Ergebnis: 2017 war wieder ein Rekordjahr. Die Zahl der Beratungen zu Fragen rund um das Arbeitsverhältnis ist um mehr als 2. 000 auf 46 .600 gestiegen.

Zählt man steuerrechtliche Beratungen und die öffentliche Rechtsberatung der Kammer hinzu, so ergeben sich für 2017 insgesamt fast 100. 000 Beratungen, sagte Schierenbeck. Top-Thema im Arbeitsrecht sei der Aspekt „Vergütung“.

„Ist mein Gehalt angemessen?“ – „Entspricht es dem Tarifvertrag für meine Branche?“ – „Bekomme ich für Überstunden einen Zuschlag?“ Fragen wie diese seien es, mit denen Beschäftigte zur Kammer kommen, so Schierenbeck. „Mehr Beschäftigung und weniger Regeln durch abnehmende Tarifbindung führen zu dem stetig steigenden Beratungsbedarf“, erklärt der Hauptgeschäftsführer den Anstieg auf Rekordniveau.

Zahl der Kündigungen stagniert

Eine fehlende Tarifbindung führt nach Schierenbecks Ansicht zu Streitereien und Ärger im Unternehmen. Da sich „immer weniger Arbeitgeber nach den in Tarifverträgen klar geregelten Vergütungen und Zulagen“ beispielsweise für Überstunden und Nachtarbeit richten, nehme der Streit zu. „Transparente Gehaltsstrukturen und einheitliche Zulagen sind die Grundlage für mehr Gerechtigkeit und weniger Ärger im Unternehmen“, so Schierenbeck. Oder anders: „Weniger Regeln führen zu mehr Streit.“

Positiv sei es, dass die Zahl der Kündigungen stagniere. Die gute Konjunktur erhöhe offensichtlich die Sicherheit der Arbeitsplätze. Dafür aber steige die Zahl der Eigenkündigungen von Beschäftigten. Hierzu habe es eine „deutliche Zunahme von Beratungen“ gegeben. Schierenbeck: „Es kommt Bewegung in den Arbeitsmarkt. Mehr offene Stellen und damit neue berufliche Perspektiven ermutigen Arbeitnehmer inzwischen häufiger zum Jobwechsel.“ Andere kündigten von sich aus, weil sie sich Stress und Leistungsdruck nicht mehr gewachsen sähen.

Fragen zu Mutterschutz, Elterngeld und Elternzeit

Stark angestiegen sind im vergangenen Jahr die Fragen zu Mutterschutz, Elterngeld und Elternzeit – hier etwa sind sie um fast 20 Prozent auf 1. 995 Beratungen gestiegen. Zum einen wurden im Land Bremen mehr Kinder geboren, zum anderen sind die rechtlichen Möglichkeiten in Bezug auf Elterngeld und Elternzeit komplex und ohne Beratung nur schwer einzuordnen, hieß es. „Die teilweise monatelangen Verzögerungen bei der Antragsbearbeitung durch die Elterngeldstelle hat zudem viele Eltern stark verunsichert“, Kaarina Hauer, die Leiterin der Rechtsberatung bei der Arbeitnehmerkammer.

Ebenfalls deutlich zugenommen haben Beratungen zum Thema „Teilzeit“ – diese stiegen um gut zwölf Prozent auf 668 Beratungen. Hauer: „Da Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit zum Beispiel wegen der Kinderbetreuung reduzieren, kein Rückkehrrecht auf Vollzeit haben, ist das Thema gerade für Frauen nach wie vor ein Problem.“ Schierenbeck dazu: „Der Beratungsbedarf von Frauen ist deutlich höher, weil sie oft unter schlechteren Bedingungen arbeiten müssen.“

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