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„Mutmacherinnen“: Barbara Lison arbeitet seit 26 Jahren als Direktorin der Stadtbibliothek

Barbara Lison leitet seit nunmehr 26 Jahren als Direktorin die Bremer Stadtbibliothek. - Foto: Koller
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Barbara Lison leitet seit nunmehr 26 Jahren als Direktorin die Bremer Stadtbibliothek.

Bremen - Von Steffen Koller. Umgeben von rund 540 000 Medien, zwischen Goethe und Grass leitet Barbara Lison seit 26 Jahren die Bremer Stadtbibliothek. Dabei wollte die 62-Jährige einst in eine ganz andere berufliche Richtung gehen. Wie ein Interrail-Ticket einen entscheidenden Einfluss auf ihr späteres Leben hatte, warum eine Szene aus „Mecki“ ihre Lebensphilosophie treffend beschreibt und wie das mit ihrem Lieblingshobby zusammenpasst, erzählt sie in unserer Serie „Mutmacherinnen“.

Auf ins Schlaraffenland. Das war 1952 der große Traum von Igel „Mecki“, der Buchfigur mit den roten Haaren und den Sommersprossen. Also machte er sich auf und stand auf einmal vor einem riesigen Gebirge aus Hirsebrei. Er musste sich durchessen, nur so würde er ins Land der zuckersüßen Träume kommen. Nun ist Barbara Lison kein Riesenfan dieser Speise, dennoch beschreibt das Bildnis ganz treffend ihr Lebensmotto. Nur wer sich Herausforderungen stelle, könne es zu etwas bringen. Über „Mecki“ sei sie mittlerweile hinausgekommen, sagt sie schmunzelnd, doch als Kind habe sie die Geschichten von Eduard Rhein geliebt. Und nicht nur diese.

Bereits mit acht Jahren besuchte Lison, geboren in Polen und aufgewachsen in Düsseldorf, regelmäßig Bibliotheken und deckte sich mit Lesestoff ein. Das Geld der Eltern war knapp, dennoch zog es sie regelmäßig dorthin. „Ich war sehr wissbegierig“, blickt sie zurück.

Jahre später, Lison war etwa 16 Jahre alt, kaufte sie sich ein Interrail-Ticket. „Europa erobern“, wie sie sagt – und eine „entscheidende Erfahrung“ in ihrem Leben. Sie reiste durch viele Länder des Kontinents, lernte Kulturen und Leute kennen. Heute spricht sie fünf Sprachen – neben Deutsch, auch Polnisch, Russisch, Englisch und Französisch. Ursprünglich lautete ihr Berufsziel Diplomatin. „Zu stressig“ sei die Aufnahmeprüfung für sie damals gewesen, also entschied sie sich zum Studium an der Ruhr-Universität Bochum: Slawistik, Geschichts- und Erziehungswissenschaften.

1992, kurz vor ihrem 36. Geburtstag, kam Lison nach Bremen und trat hier die Stelle als Direktorin der Stadtbibliothek an. Trotz ihres jungen Alters und der damit verbundenen Skepsis der damaligen Kollegen habe sie „schnell klargemacht, dass ich diesen großen Tablet steuern kann“. Mehr als ein Vierteljahrhundert später steht sie weiterhin an der Spitze des „meistbesuchten Kulturortes der Stadt“, so Lison. Jahre, in denen es „drastische Veränderungen“ gab. Digitalisierung, räumliche Umgestaltung, die Schließung beziehungsweise Zusammenlegung einzelner Stadtbibliotheken und die Einrichtung einer Zentralbibliothek im Jahr 2004. Zwölf Jahre hatte Lison dafür gekämpft. Um das zu schaffen, hat sich die 62-Jährige immer an ein Zitat des römischen Philosophen Seneca gehalten: „Ohne Feind erschlafft die Tugend.“

Wie gut man kommuniziere mit Mitmenschen, entscheide zudem, wie weit man im Leben komme. „Ein Plan B ist immer gut“, sagt Lison, denn sie wisse auch: „Es gibt keinen Endzustand.“ Das Leben bestehe aus stetigen Veränderungen, sich diesen zu stellen und Lösungen zu finden, beeinflusse letztlich den eigenen Erfolg.

Um Ausgleich zu finden, gehe sie einem ihrer Lieblingshobbys nach: „Faul sein.“ Ob Gartenarbeit, kochen oder reisen – gehe man entspannt und nicht zu verbissen an gewisse Dinge ran, würden sie viel besser klappen. Der Erfolg gibt ihr bislang Recht.

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