Neuerscheinung: 150 Jahre Sozialdemokratie in Bremen in einem Band

Ideologie und Dokumente

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Sozialdemokratisch geprägter Blick auf Bremens Geschichte: „150 Jahre Sozialdemokratie“ – hier die rote Fahne am Bremer Rathaus im November 1918. ·

Bremen - Von Thomas KuzajEs gab Zeiten, da war die SPD in Bremen so stark, dass sie praktisch auch die Opposition selbst stellte. Innerparteiliche Flügeldiskussionen und Grabenkämpfe beherrschten da schon mal die Medien. Die richtige Opposition – lange Zeit ja vor allem die CDU – kam gegen diese Präsenz kaum an.

Lang sind sie her, diese Zeiten der absoluten SPD-Mehrheit in Bremen. Regierungspartei sind die Sozialdemokraten gleichwohl noch immer. Die SPD hat Bremen seit dem Krieg entscheidend geprägt, und das von Beginn an. Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979) wird bis heute verehrt – auch von Menschen, die keine SPD-Anhänger sind.

Deutlich weiter zurück in die Geschichte greift ein Buch, das jetzt erschienen ist und die SPD zum Thema hat. Genauer: das sozialdemokratische Wirken in Bremen und Bremerhaven von 1864 bis heute. „150 Jahre Sozialdemokratie – Bremen und Bremerhaven – Eine gerechte Gesellschaft kommt nicht von allein“: So heißt der Band (Edition Falkenberg, 288 Seiten, 162 Abbildungen, Preis: 19,90 Euro) in voller Schönheit. Er enthält Beiträger unterschiedlicher Art und Qualität. Zum Autorenteam gehören Senator a. D. Herbert Brückner, Klaus Auf dem Garten (bekannt als Autor politischer und maritimer Bücher) und Renate Meyer-Braun, Mitbegründerin des Vereins „Bremer Frauenmuseum“ und des Kaisenhaus-Museums.

„Dieses Buch wendet sich aber nicht nur an SPD-Freunde, sondern an alle, die sich für die politische Geschichte der Freien Hansestadt Bremen interessieren“, heißt es in einer Verlagswerbung. Ein bisschen mögen sollte man die SPD aber schon, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt. Natürlich ist der Band sozialdemokratisch geprägt und durchwirkt, auch wenn durchaus mal CDU-Politiker wie Hartmut Perschau abgebildet sind (in Passagen über die große Koalition in Bremen). Details aus der Geschichte der Arbeiterbewegung („Die marxistische Wende – Richtungskämpfe um Ideologie und Taktik“) sind nicht gerade leichte Kost, obwohl wieder und wieder der Bogen nach Bremen geschlagen wird. Klar: Der Blick auf die Gaststätte, die der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert von 1894 bis 1900 in der Neustadt betrieb, fehlt natürlich nicht.

Widerstand und Verfolgung bremischer Sozialdemokraten im Nationalsozialismus beschreibt Inge Marszolek, pensionierte Professorin für Kulturgeschichte und Autorin etlicher Publikationen zu Aspekten der Zeit des Nationalsozialismus. Als herausragendes bremisches Merkmal bezeichnet sie, dass es in jenen Jahren „durchaus auch kommunikative Strukturen zwischen dem bürgerlichen Lager und einzelnen Sozialdemokraten gab“. Ein bewegendes Dokument ist ein Brief des Bremer Parteisekretärs Josef Böhm aus dem Untersuchungsgefängnis am Ostertor (Mai 1933).

Nach dem Krieg: Kaisen hilft beim Trümmerräumen, Kaisens Einbinden bürgerlicher Kräfte, der gemeinsame Neuaufbau Bremens. Dann die 60er mit der langwierigen Loslösung von der Ära Kaisen, Annemarie Mevissen, den Skandalen um „König“ Richard Boljahn und dem Aufstieg eines weiteren prägenden, weit über Bremens Grenzen hinaus wirkenden Charakters: Hans Kosch nick.

Einen wie ihn hatte die Partei seither nicht wieder. Die Passagen über Kosch nick rutschen allerdings manchmal in die Nähe der Hagiographie. Dabei regiert die SPD doch längst nicht mehr allein. . .

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