Die Idee der Pauschalpreise

Die erste deutsche Woolworth-Filiale eröffnet 1927 in Bremen

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Waren für 25 und 50 Pfennige – an der Faulenstraße 26–28 eröffnete am 30. Juli 1927 die erste „Woolworth“-Filiale auf deutschem Boden.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Franklin Winfield Woolworth hatte im Jahr 1879 eine Idee, die den Einzelhandel verändern sollte – auch in Bremen. Der Besitzer eines Haushaltswarenladens im US-Bundesstaat Pennsylvania präsentierte seine Ware nicht im Regal, sondern offen und zum Anfassen.

Zudem führte er Pauschalpreise ein. Die meisten Artikel kosteten fünf oder zehn Cent. Das lief gut – so gut, dass eine Warenhauskette wuchs. Und zwar weit über die USA hinaus. Die erste deutsche „Woolworth“-Filiale ist heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Denn sie öffnete vor 90 Jahren in Bremen. Am 2. November 1926 hatte das Warenhausunternehmen im feinen Berliner Hotel Adlon seine deutsche Tochtergesellschaft gegründet. Franklin Winfield Woolworth erlebte das nicht mehr. Der Gründer war schon 1919 im Alter von 66 Jahren gestorben.

Nach der Gründung der deutschen Tochter in Berlin folgte bald das erste „Woolworth“-Geschäft auf deutschem Boden. Und eben das eröffnete an der Faulenstraße in Bremen. „Die Konsumenten waren begeistert von dem neuen Konzept, Waren ausschließlich für 25 oder 50 Pfennige zu erhalten“, heißt es heute bei „Woolworth“. Das Unternehmen expandierte und eröffnete etliche weitere Filialen zur Zeit der Weimarer Republik.

Mitten im Sommer, am 30. Juli 1927, hatte das deutsche Premieren-Geschäft an der Faulenstraße 26–28 aufgemacht. Feste Preise, offene Warenpräsentation – das Konzept des Gründers galt auch hier. Der Eröffnungstag war ein Sonnabend. Der Verkauf begann um 8.30 Uhr.

„Woolworth“ ist auch heute noch in Bremen präsent – so zum Beispiel hier an der Berliner Freiheit in der Vahr.

Tags zuvor, am 29. Juli, hatte das Unternehmen die Kunden auch schon eingeladen. Aber nur zum Gucken. Ab „zwei Uhr nachmittags“ gab es an jenem Freitag die Gelegenheit zu einer Besichtigung des neuen Warenhauses. Laut Zeitungsannonce richtete sich die Einladung, die bis 6.30 Uhr am Abend galt, ganz ausdrücklich an „die Einwohner von Bremen und Umgegend“ – schon damals also gab es den Gedanken, Kaufkraft aus dem Bremer Umland in die Bremer Innenstadt zu ziehen. Und der Gedanke galt eben auch, wenn es sich um Waren für 25 und 50 Pfennige handelte.

„Kommen Sie, prüfen Sie“ – das war, jedenfalls laut Annonce, das Motto. Musik spielte. Haushaltsgeräte und Eisenwaren, Bürsten und Bügel – alles übersichtlich angeordnet, klar gegliedert und mit Pauschalpreisen ausgezeichnet: Kunden durften in die Hand nehmen und tatsächlich prüfen, was sie kaufen wollten – oder eben auch nicht. Sie mussten sich die Ware nicht erst aus einem Regal oder einer Schublade geben lassen. Das neue Angebot war einfach und bequem. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog „Woolworth“ in die Obernstraße – beste Lage, nur wenige Schritte entfernt vom Jacobs-Stammhaus. Das ist Geschichte, auch der Standort an der Faulenstraße ist verschwunden. Dennoch ist das Unternehmen noch in Bremen präsent – mit mehreren Filialen.

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