Regierungskoalition könnte das Tanzverbot an Karfreitag erstmals lockern

„Ich will Spaß, ich will Spaß“

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Ausgelassen feiern soll in Zukunft in Bremen auch an den ehemals „stillen Feiertagen“ möglich sein. ·

Bremen - Von Jean-Philipp BaeckMaurice Mäschig will feiern – auch am Karfreitag. Er ist Student, nennt sich Humanist und sieht den Einfluss der Kirchen im Staat kritisch. Im März 2011 startete er deshalb eine öffentliche Petition gegen das Tanzverbot an Feiertagen – jetzt scheint sich ein Erfolg abzuzeichnen. Die rot-grüne Regierungskoalition will in Bremen das Tanzverbot lockern. 2018 sollen die Verbote des Bremischen Feiertagsgesetzes ganz fallen.

Vergangene Woche haben SPD und Grünen in der Bremischen Bürgerschaft einen entsprechenden Antrag eingereicht. Der schränkt den religiösen Einfluss ein und betont gleichzeitig die Bedeutung der Kirchen – ein Eiertanz der Sozialdemokraten. Denn der Vorstoß der Fraktion ist in der Partei umstritten: Wie nicht wenige Bremer Sozis ist auch Bremens sozialdemokratischer Bürgermeister Jens Böhrnsen überzeugter Protestant.

„Sehr bedauerlich“ findet's Böhrnsen daher, wenn der Schutz dieser „stillen Feiertage“ noch weiter eingeschränkt wird. Sein Sprecher Hermann Kleen sagt, den Plan seiner Parteigenossen nehme der Bürgermeister „so an“. Das ist diplomatisch formuliert, der Kurs der Genossen gegen ihren Bürgermeister ungewöhnlich. Richtig getraut hat sich die SPD nicht: Während Linkspartei und Grüne sehr früh dabei waren, mussten sich die Sozialdemokraten erst mit den Kirchen absprechen. „Außer Kraft treten“, so steht’s unter Punkt drei ihres Antrags, sollen die Tanzverbot-Paragraphen im Februar 2018.

Laut rot-grünem Vorstoß soll bereits am Karfreitag (29. März) das Tanzen länger möglich sein. Ihre Ruhe hätten Christen von sechs bis 21 Uhr, am Volkstrauertag und am Totensonntag von sechs bis 17 Uhr. Abgeschaut ist diese Regelung von Berlin, dort werde sie von „keiner gesellschaftlichen Gruppe mehr ernsthaft in Frage gestellt“, heißt es im Antrag, sie sei ein „angemessener Ausgleich der unterschiedlichen Interessen in einer heterogenen und multireligiösen Großstadt“. Das Motto „Ich will Spaß, ich will Spaß“ soll also an jedem Tag gelten.

Wie streng das Tanzverbot bislang in Bremen war, ist Ansichtssache: Anders als etwa in Bayern gibt’s an Allerheiligen, am Aschermittwoch oder am Gründonnerstag keine Einschränkung. Das Tanzverbot am Karfreitag geht in Hamburg morgens um 2 Uhr los, in Bremen erst ab 4 Uhr früh. In allen anderen Ländern außer den Stadtstaaten gilt am Karfreitag die ganztägige Spaßbremse. Bremen kann aber auch als eins der strengsten Länder angesehen werden: Das Landesgesetz untersagt reine Unterhaltungsveranstaltungen an jedem Sonntagvormittag. Praktiziert wird das nicht, kontrolliert auch nicht. Der Sprecher des Innensenators formuliert es so: „Dass am Sonntag um diese Zeit jemand tanzen will, kommt eher selten vor“. Bei einer Anzeige aber wär’s bis heute eine Ordnungswidrigkeit.

Kritik an der Lockerung des Tanzverbots kommt indes nicht nur von religiöser Seite. „Auch als Kirchenkritiker stehe ich in dieser Frage klar an die Seite der Kirche“, sagt der Gewerkschafter Gunnar Wegener, stellvertretender Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Niedersachsen und Bremen. „Auch diejenigen, die dann arbeiten, müssen irgendwann auch mal den Kopf frei kriegen.“ Wegener sieht die Lockerung als ersten Angriff auf den arbeitsfreien Sonntag. „Nicht jeder Bereich der Gesellschaft muss solchen Verwertungsbedingungen unterworfen sein.“

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