Werder-Urgestein Uli Borowka liest aus seiner Biografie

„Ich bin stärker geworden“

Uli Borowka mit seiner Biografie vor der ersten Lesung. ·
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Uli Borowka mit seiner Biografie vor der ersten Lesung. ·

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Ich bin durch das alles stärker geworden – auf eine andere Art“, sagt Uli Borowka vor seiner Lesung in der Thalia-Buchhandlung am Dienstagabend.

Die Biografie „Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“ beschreibt den sportlichen Aufstieg des Ex-Werderaners, die Talfahrt durch den Alkohol und seinen Sieg über die Sucht.

Begleitet von Sportmoderator Arnd Zeigler und Autor Alex Raack („Elf Freunde“), gibt Borowka (50) an diesem Abend sein Lesungs-Debüt. Er erzählt vom Sport und von dem, was er sich „privat eingebrockt“ habe. Als der beliebte Fußballer aus dem ersten Kapitel „Anpfiff“ liest, ist das überwiegend männliche Auditorium mucksmäuschenstill.

„Anpfiff“ beschreibt den 33-jährigen Borowka, der in seiner leeren Villa in Oberneuland sitzt und alles verloren hat. Anpfiff ist der Anfang vom Ende. Der einstige Europapokalsieger war schon lange Alkoholiker.

„Alle um mich herum hatten ein Problem, nur ich nicht“, sagt der erfolgreiche Abwehrspieler heute selbstkritisch. Früher trug er die Spitznamen „Eisenfuß“ und „die Axt“. Er sei der Schärfste und Härteste gewesen, habe keinen Rat angenommen, so Borowka. Sein engstes Umfeld, die „Co-Abhängigen“, versuchten ihn in ihrer Ohnmacht zu schützen, ohne ihm damit zu helfen. Borowka erzählt, wie er gerne beim Pizzadienst wartete, um dabei einige „Halbe“ zu trinken oder bei einer Shoppingtour unter dem Vorwand Freunde zu treffen, zwei Stunden in einer Altbierbrauerei verbringt. Seine schonungslose Darstellung wirkt ernst, aber nicht wehleidig.

Borowkas Profi-Karriere beginnt bei Borussia Mönchengladbach 1981. 1992 wird er mit Werder unter Trainer Otto Rehhagel Europapokalsieger. Vier Jahre später ist er allein. Er hat im Rausch seine Frau geschlagen, die Kinder fürchten sich, Werder hat ihn rausgeschmissen.

Als er im Februar 2000 beim Gladbacher Traditionsteam „Weisweiler-Elf“ seinen ehemaligen Teamkollegen Christian Hochstätter um Geld anpumpen will, informiert dieser Präsident Wilfried Jacobs. Der organisiert einen Platz in der Suchtklinik Bad Fredeburg. „Damals dachte ich, ich gehe dort acht Tage hin und trinke danach kontrolliert weiter“, berichtet Borowka. Er irrt. Vier Monate verbringt er in der Klinik – und ist seitdem trocken. Während der Therapie muss er mit unbekannten Gefühlen klarkommen wie der Trauer darüber, seine Kinder nicht aufwachsen zu sehen.

Der Sport kommt in der außerordentlichen Biografie nicht zu kurz. Borowka erzählt mit viel Humor über die „Wunder von der Weser“, offenbart die Tricks eines Abwehrspielers, berichtet vom 3:2- und 5:1-Sieg gegen den SSC Neapel mit Diego Maradona und der Zeit mit der Nationalmannschaft. Nachwuchsspieler schüchtert Borowka vor dem Spiel mit einem „Ich brech‘ dir gleich beide Beine“ nachhaltig ein, bei anderen reichte ein verbales „Buh!“, um dem Trainer zu vermelden: Ich habe keinen Gegenspieler mehr.

Heute genießt Borowka jeden Tag. Der Wahlberliner betreibt eine Sportmarketing-Firma, veranstaltet Fußballcamps für Kinder und will eine Anlaufstelle für suchtgefährdete Profis einrichten.

· Uli Borowka: „Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“, Verlag Edel Germany, Preis: 19,95 Euro.

http://www.uli-borowka.de

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