Auftakt im Prozess gegen 41-Jährigen / Zwei Frauen erstochen / Psychiatrie statt Gefängnis?

„Ich sah seinen leeren Blick“

Der Tatort in einer gutbürgerlichen Wohngegend in Findorff im Januar des Jahres.Archivfoto: dpa

Bremen - Von Judith Christiansen· Ein 41-Jähriger, der am 11. Januar in Findorff zwei Frauen, 58 und 59 Jahre alt, erstochen haben soll, muss dafür voraussichtlich nicht hinter Gitter. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft leidet der Beschuldigte an einer Psychose. Er sei deshalb schuldunfähig, sagte Staatsanwalt Uwe Picard gestern zum Prozessauftakt. Er beantragte die Unterbringung in der Psychiatrie. Vorgeworfen wird dem 41-Jährigen Totschlag in zwei Fällen.

Einer Polizistin habe der Mann gesagt, er sei „inneren Stimmen“ gefolgt. Sie hätten ihm gesagt, dass er zwei Menschen töten müsse, weil er sonst selber sterben würde. Die Stimmen habe er zwei Tage vorher zum ersten Mal gehört, sie seien aber immer lauter geworden.

Laut Antragsschrift hat sich der Mann damals im Zustand einer paranoiden halluzinatorischen Psychose befunden. Der 41-Jährige habe die 58-jährige Frau gesehen und sie verfolgt, bis sie zu der Wohnung der 59-Jährigen kam und klingelte. Dann soll er beide Frauen ins Haus gedrängt und angefangen haben, auf die 59-Jährige einzustechen, heißt es. Die 58-Jährige sei aus dem Haus gerannt und habe laut um Hilfe geschrien.

Noch bevor sie zurück zum Haus ihrer Bekannten kam, soll der Täter auf sie zugelaufen sein. Die Frau habe versucht zu fliehen, sei aber schon nach ein paar Metern vom Täter eingeholt, zu Boden geworfen und durch vier Messerstiche getötet worden, so die Anklage. Die 59-Jährige konnte trotz ihrer neun Messerstiche noch das Haus verlassen, sie erlag ihren schweren Verletzungen in der Auffahrt.

„Was hast Du da gemacht?“, habe er den Täter gefragt, als dieser gerade seine gute Bekannte erstochen hatte, schilderte ein 65 Jahre alter Zeuge gestern vor Gericht. „Er hatte ein Grienen auf dem Gesicht. Er war entweder weggetreten oder sonst etwas dergleichen“, beschrieb der Mann die Reaktion des Messerstechers. Offenbar, so die einhelligen Aussagen, kümmerte sich der 41-Jährige am Tattag nicht um Zeugen – er stach einfach drauflos.

Die Zeugen berichteten vor dem Landgericht von einem „zielgerichteten“ Vorgehen des Mannes, der seine Umwelt nicht wahrzunehmen schien. Er sei apathisch gewesen, manche hatten den Eindruck, er hätte unter Drogen gestanden. „Ich sah seinen leeren Blick. Ich merkte, ihm ist alles egal“, so eine 34-jährige Augenzeugin. Sie habe die Polizei gerufen und noch während des Telefonats gesehen, wie der Mann die 58-Jährige erstach. Als der Täter weg war, sei sie zu dem Opfer gegangen. „Als ich vor der Frau stand, sah ich, dass sie tot war“, so die 34-Jährige, die gestern immer wieder mit den Tränen kämpfen musste. Der Täter soll, nachdem er die Frauen erstochen hatte, einfach aufgestanden und langsam weggegangen sein. Erst als er Sirenen hörte, sei er schneller geworden. „Er war ganz ruhig, so als wenn nichts gewesen wäre“, meinte eine 21-jährige Augenzeugin.

Der Beschuldigte selbst machte gestern keine Aussage. Der gebürtige Kölner ist seit der Tat in der Psychiatrie untergebracht. Sein Anwalt sagte am Rande der Verhandlung, der Mann habe 23 Jahre lang Haschisch geraucht und am Rande der Gesellschaft gelebt.

Die Verhandlung wird am 22. Juni fortgesetzt.

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