Angeklagter bestreitet gezielte Schüsse

Schießerei in Bremerhaven: „Ich schäme mich abgrundtief“

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Der 23-jährige Angeklagte (l.) beim Prozessauftakt mit seinem Anwalt Jürgen Meyer.

Bremen - Von Steffen Koller. Fast ein Jahr ist es her, da prügelten sich mehrere Dutzend Menschen mitten in der Bremerhavener Innenstadt. Schüsse fielen, ein Mann wurde verletzt. Seit knapp sechs Monaten läuft nun der Prozess gegen einen 23-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Totschlag zur Last legt. Der Angeklagte beteuerte am Donnerstag abermals, dass er zwar geschossen habe, doch das weder gezielt noch mit Tötungsabsicht.

Bereits im Februar gab der angeklagte Kurde in einer Erklärung zu Protokoll (wir berichteten), dass er am 23. August 2017 nach einem lange schwelenden Streit zwischen ihm und einer verfeindeten Familie aus Bremerhaven mindestens einmal geschossen habe. Doch das sei weder gezielt noch in Tötungsabsicht geschehen, bekräftigte der Mann am Donnerstag. Er habe in der Hoffnung, die mutmaßlichen Angreifer würden von ihm und seinem Vater ablassen, auf den Boden gefeuert. „Die sollten einen Knall hören und mich in Ruhe lassen. Die hatten Eisenstangen und eine Pistole“, sagte der 23-Jährige. Er habe niemanden treffen wollen, fügte er an. Doch: „Die Leute hat das gar nicht interessiert. Als wäre es alltäglich.“

Die Staatsanwaltschaft sprach zum Prozessauftakt davon, der Angeklagte habe die Waffe auf Brusthöhe gehalten und gezielt geschossen. Dabei streifte eine Kugel das Bein eines Mannes.

Mit „die“ meint der Angeklagte Angehörige der arabisch-stämmigen Familie Ö., mit denen er bereits wenige Tage vor der Massenschlägerei in einer Bremerhavener Diskothek in Streit geriet. Drei Tage lang sollen Familienmitglieder der Ö.s den Angeklagten mit Anrufen und Nachrichten bedroht und beleidigt haben. Auch sei es zu einer Verfolgungsjagd durch die Bremerhavener City gekommen, bei der auch auf ihn geschossen worden sei. Mehrere Mitglieder beider Familien hätten sich kurz danach aus verschiedenen deutschen Großstädten auf den Weg nach Bremerhaven gemacht, „um die Sache zu klären“. Die Eltern des Angeklagten hätten ihm gesagt, er habe sich „genau mit den Falschen angelegt“ und er habe das Haus ab jetzt nicht mehr zu verlassen. Als der 23-Jährige dann davon erfahren habe, dass auch seine Geschwister angegriffen worden seien, habe er sich seine Waffe – die er kurz zuvor von einem „Kollegen“ bekommen habe – genommen und sei zum Imbiss der Familie Ö. gegangen.

Dort, so erklärte es der Mann erneut, seien sofort etwa 20 Personen auf ihn und seine Angehörigen losgegangen. Ein Video vom Vorfall, das ein Amateurfilmer ins Netz stellte, zeigt, wie die Männer sich prügeln, wild auf die vielbefahrene Lloydstraße springen und letztlich ein Schuss zu hören ist. Dass schließlich alles eskalierte, sei für den 23-Jährigen unbegreiflich. Er sagte: „Ich schäme mich abgrundtief für alles.“

Für die Hauptverhandlung sind weitere 15 Termine angesetzt. Ein Urteil wird nach aktuellem Stand für Ende November angepeilt.

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