Prozessauftakt am Landgericht

Nach Messerattacke vor dem Roland-Center Bremen: „Ich schäme mich“

Statue Justitia
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Vor dem Landgericht Bremen hat ein Prozess wegen versuchten Totschlags begonnen.

Bremen - Von Steffen Koller. Drogen, Wut und Panik: Ein 27-jähriger Mann muss sich seit Montag unter anderem wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bremen verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte während eines Streits vor dem Roland-Center in Huchting mehrfach auf seinen 39 Jahre alten Kontrahenten eingestochen haben. Auch als dieser bereits am Boden lag, habe der Mann nicht abgelassen. Zu Prozessauftakt legte der Angeklagte ein Geständnis ab und entschuldigte sich bei seinem „eigentlich guten Freund“.

Notrufe wie am Fließband gingen am Vormittag des 23. November 2019 bei der Leitstelle ein. „Hier wurde einer angestochen“, hieß es von einem Anrufer. Eine weitere Person schilderte, wie ein Mann ins Roland-Center gerannt sei. Blutend liege er vor dem Infoschalter, man benötige dringend Hilfe. Während Polizei und Rettungsdienst auf dem Weg nach Huchting waren, dort, wo das mutmaßliche Opfer mit Stichverletzungen ausharrte, hatte der 27-Jährige nach eigener Aussage die Schwere seiner Tat bereits erkannt und wartete an einer Bushaltestelle. So beschrieb es der Angeklagte am Montag in einer Einlassung. Und er beschrieb, wie es zum Streit kam, der die Messerattacke auslöste.

Die Männer, „eigentlich gute Freunde“, und seit Jahren miteinander bekannt, hätten sich demnach um Drogen gestritten. Beide seien seit Jahren abhängig, manchmal habe der 27-Jährige bei seinem 39-jährigen Freund Rauschmittel gekauft. Das Opfer soll über einen nächtlichen Besuch des Angeklagten erbost gewesen sein und habe diesen zur Rede stellen wollen. Aus einem anfangs verbalen Streit sei schnell ein handfestes Gerangel geworden: Der Angeklagte, der nach eigener Aussage zum Tatzeitpunkt unter Drogen stand, zückte sein Jagdmesser (Klingenlänge etwa zehn Zentimeter) und stach zweimal auf den Mann ein, so die Angaben. Ein Stich traf den 39-Jährigen am Unterarm, ein weiterer die Achselhöhle. Als der Mann daraufhin zu Boden gegangen sei, habe er ein drittes Mal zugestochen.

Erst als ein Zeuge dazwischenging, habe der Angreifer von seinem Opfer abgelassen, so Staatsanwalt Martin Gwinner. Der Angeklagte soll sein Opfer bis ins Roland-Center verfolgt haben, erst dort habe er entschieden, sich der Polizei zu stellen. Die Beamten nahmen den Mann fest, der Verletzte wurde im Krankenhaus behandelt. Lebensgefahr habe nicht bestanden, hieß es. Eigentlich hätte das Opfer selbst etwas zum Geschehen sagen sollen, doch aufgrund eines stationären Klinikaufenthalts konnte der Mann nicht geladen werden.

So nutzte der Angeklagte die Gelegenheit und entschuldigte sich für seine Tat. „Ich schäme mich und bereue mein Handeln zutiefst“, sagte er. Kurz vor der Attacke habe der 39-Jährige ihm Drohnachrichten geschickt, in denen es geheißen habe: „Ich bring' Dich um.“ Der 27-Jährige habe Panik bekommen, sei aber auch wütend gewesen und habe unter Drogen gestanden. Cannabis, Methadon und Medikamente habe er eingenommen, an Details könne er sich deshalb nicht erinnern.

Bis Anfang Juli ist der Prozess terminiert. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags drohen dem Mann bis zu zehn Jahre Haft.

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