„Ich habe wirklich Angst“

Prozess um Tod eines 15-Jährigen: Zeuge belastet einen Angeklagten schwer

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Hayrettin G. (3. v. l.) wurde vom Zeugen schwer belastet. Der Mann will beobachtet haben, wie der Angeklagte mindestens zweimal auf den Kopf seines 15-jährigen Opfers einschlug. Die mögliche Tatbeteiligung von Hayat G. (rechts) und Sipan G. (2. v. l.) konnte der Zeuge nicht benennen. Bei der tödlichen Attacke sollen aber zumindest alle Angeklagten anwesend gewesen sein.

Bremen - Von Steffen Koller. „Und dann haben sie ihn auseinandergenommen.“ Ein Zeuge hat am Donnerstag einen der Angeklagten im Prozess wegen gemeinschaftlichen Totschlags schwer belastet. Der 25-Jährige sagte vor dem Landgericht Bremen, er habe gesehen, wie der Mann in der Silvesternacht 2016/17 mit einer Flasche auf den Kopf des 15 Jahre alten Odai K. einschlug und ihn dabei so schwer verletzte, dass er eine Woche später starb.

Seine Angaben decken sich in weiten Teilen mit den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Er habe ihn als einen „normalen Typen“ in Erinnerung, als einen, dem er so etwas nie zugetraut hätte, nuschelt der 25-Jährige ins Mikrofon. Er habe ihn immer anders eingeschätzt, fügt der junge Mann hinzu.

Eigentlich habe er auch gar nicht aussagen wollen, heißt es vom Zeugen, der später sagen wird: „Ich habe wirklich Angst vor diesen Leuten.“ Nun sitzt der junge Mann am Zeugentisch und beginnt eher einsilbig darüber zu berichten, was seiner Erinnerung nach in der Silvesternacht 2016/17 in einem türkischen Café in der Lüssumer Heide passiert ist.

Im Hinterzimmer kam es zur tödlichen Attacke

Er und weitere Freunde feierten dort das bevorstehende neue Jahr, als wenige Minuten nach Mitternacht erst der syrische Flüchtling Odai K. das Lokal betrat und ihm kurze Zeit später drei Männer folgten. In einem Hinterzimmer sei es dann zur tödlichen Attacke gekommen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den türkischstämmigen Hayrettin G. (24), seinem älteren Bruder Hayat G. (35) und dem gemeinsamen Neffen, Sipan G. (16, Deutsch-Armenier), vor, Odai K. ins Lokal verfolgt und dort getreten und geschlagen zu haben.

Als der Junge sich nicht mehr wehrte, sollen sie mehrfach mit einer halbgefüllten Whiskyflasche auf seinen Kopf geschlagen haben. Odai K. kam damals mit einem Schädelbasis-, Jochbein- und Unterkieferbruch in Krankenhaus, wo er eine Woche später an seinen schweren Verletzungen starb.

Mit Whiskyflasche auf den Kopf geschlagen

Da die Angeklagten seit Prozessbeginn im Juli vergangenen Jahres schweigen und Polizisten erst neun Tage nach der Tat mögliche Spuren im Lokal sicherten (wir berichteten), kommt es im Verfahren ganz besonders auf unmittelbare Tatzeugen an.

Der 25-Jährige berichtet, wie er beobachtet habe, dass Hayrettin G. mit einer Whiskyflasche auf den Kopf des 15-Jährigen einschlug. Dabei habe er mit der rechten Hand eine Bewegung von oben nach unten gemacht.

Hayrettin G. sei der erste gewesen, der an dem 15-Jährigen „dran war“, sagt der Zeuge. Zunächst habe er ihn noch abhalten können, doch als Hayrettin G. ihm mit einer Geste zu verstehen gegeben habe, er solle sich raushalten, sei er zurückgewichen. „Und dann haben sie ihn auseinandergenommen.“

Aufgeräumt und Müll entsorgt

Im Tumult habe er erkennen können, wie Hayrettin G. den 15-Jährigen am Kragen hochzog und wuchtig zuschlug. Mindestens zweimal soll der Flaschenboden den Kopf des Jungen getroffen haben. Dass die Männer, wie von der Anklage behauptet, auch auf den Jungen eintraten und schlugen, habe er nicht gesehen. „Eine Flasche war aber auf jedem Fall im Spiel.“ Wortlos seien die Männer dann von Partygästen aus dem Café gedrängt worden.

Trotz der schweren Verletzungen soll sich Odai K. noch seine Schlappen, die er in jener Nacht trug, selbst angezogen haben. Sanitäter brachten den 15-Jährigen später in eine Klinik. Auch die Polizei hätten sie gerufen, doch gekommen sei keiner. Also fingen sie an aufzuräumen, erinnert sich der Zeuge. Blut, das Odai aus der Nase gelaufen sei, hätten sie aufgewischt, Tische wieder geradegerückt und Müll entsorgt. Darunter war womöglich auch die mutmaßliche Tatwaffe.

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