„Ich haarshippe jetzt“

Otto macht mit „Holdrio again“ die Glocke dreimal voll

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Senior mit Glitzerjacke: Der ostfriesische Comedy-Altmeister Otto eröffnet sein Programm „Holdrio again“ nach Howard Carpendales „Hello again“. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Otto ist auch mit 68 Jahren noch quietschfidel. Das zeigt er auf der Tour „Holdrio again“. Er steht zu seinem Alter. Selbstbewusst nimmt er die Mütze ab und zeigt seine groß gewordene Halbglatze. „Das ist zusätzliche Werbefläche. Ich haarshippe jetzt“, sagt er. Die Gäste zwischen dem Kleinkind- und Seniorenalter in der Glocke lachen und applaudieren. Alle drei Show über Ostern in Bremen waren ausverkauft.

Noch immer ist er flink und beherrscht den Otto-Gang: Die Hände vor die Brust, ein bisschen Oberkörper auf und ab, so, dass es ein bisschen nach Beuteltier aussieht. Natürlich das neckische Grinsen dazu. Vollen Körpereinsatz zeigt der Comedian auch, als er die Orte vorliest, aus denen die vielen Gäste angereist sind. Dafür hat er gerade zwei weiße Fahnen an Holzstäben zur Hand. „Wir haben Gäste aus Schwanewede“, sagt er. Fast wie beim Ballett wedelt er mit den Flaggen. Das sieht edel aus. „… aus Vegesack“. Die Choreographie hierfür ist handfest. Waalkes fegt mit den Fahnen. Die Bewegung endet mit einer selbstbewussten Geste in Richtung Leistengegend. Phallisch geht es weiter: „…aus Horn“. Otto richtet die Flagge vor seinem Schritt auf. „… und aus Langwedel“, sagt er und verdoppelt das „Horn“ mit der zweiten Flagge und wedelt etwas hin und her.

Ein Otto-Klassiker auf neuestem Stand ist die Englisch-Stunde. „Breaking News from Silicon Valley. Brechreizerregende Neuigkeiten aus der Kunstbusenwelt”, stellt der Ostfriese das Thema vor. Er erklärt natürlich auch elementare Vokabeln wie „Download“, also „Durchfall“, und das Gegenteil „Upload“, die „Verstopfung“. Die Infos sind etwas anstößig. „The Backup is important. Der Bäcker ist impotent“, sagt Otto. „He needs no I-Pad. Er braucht keinen Eierbecher.“

Herrlich bösartig Humor

Ebenfalls ein Klassiker: Hänsel und Gretel. Eine neue Variante: Die Kinder hauen rechtzeitig ab. „Sie glauben, dass es besser ist, wenn man sich jetzt schnell verpisst. Atemlos, durch den Wald.“ Otto singt das mit ordentlichem Temperament. Auch Max Giesingers „Wenn Sie tanzt“ wird in den Hexenwald verfrachtet. „Eine ganz normale Hexenwoche. Heim kommen. Erst mal ein paar Kinder kochen.“ Das ist Stress für eine Hexe. Doch wenn die Kleinen im Backofen sind, ist alles in Ordnung: „Wenn sie backt, ist sie so anders.“

Ottos Humor ist immer noch herrlich bösartig, vor allem dann, wenn er dafür sentimentale Songvorlagen heranzieht wie etwa „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Ottos Version behandelt einen billigen Flug in der schönsten Zeit des Jahres, lebensgefährlich und von unfreundlichen Stewardessen begleitet: „Einer fragt die Stewardess: Sag, wo kann man hier denn bitte schiffen? Sie sagt, die Toilette ist besetzt. Da sitzt der Kapitän beim Kiffen. Die ganze Flugmannschaft ist high, zugedröhnt von den Motoren.“ Schließlich ist Notlandung in Oyten. Das Gepäck ist schon in Athen.

Pointen am laufenden Band

Otto liefert 90 Minuten Pointen am laufenden Band und viele Gelegenheiten zum Mitsingen und Mitklatschen. In seiner Show ist auch Platz für echte Sentimentalität. Bei „Dänen lügen nicht“ zücken die Gäste ihre Handys und leuchten mit den Lampen. Waalkes hat eine neue Strophe parat. „Ein Däne sagt, Deine Frau leg ich flach. Du lachst ihn aus, doch nachts im Schlafgemach aus dem Kleiderschrank eine Stimme spricht: ,Jetzt siehst Du ein, Dänen lügen nicht‘.“

Godehard Lünemann hat den Star schon im vergangenen Jahr gesehen. „Ich habe die Karte schon im Juni gekauft, um noch eine zu bekommen. Die Show ist zwar ähnlich, die alten Sachen sind aber immer noch gut. Der ist einfach gut“, sagt er. Jerome Garbrecht gefällt die Show zu 100 Prozent. „Ich höre Otto, seit ich klein bin“, sagt der 19-Jährige. „Ich mochte schon immer seine geilen Parodien zu ,Hänsel und Gretel‘.“

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