Bremen: Prozess um versuchten Totschlag

„Ich dachte, ich sterbe“

Will sich nur verteidigt haben: der Angeklagte (rechts) zu Prozessauftakt am Landgericht Bremen.
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Will sich nur verteidigt haben: der Angeklagte (rechts) zu Prozessauftakt am Landgericht Bremen.

Bremen – Eine Tat, zwei Versionen: Weil ein 32-Jähriger im September 2020 mehrfach auf einen Mann im Steintorviertel eingestochen haben soll, muss er sich seit Mittwoch wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Der mutmaßliche Angreifer räumte zwar einen Stich auf seinen Kontrahenten ein, jedoch habe er sich in einer Notwehrsituation befunden. Demnach sei es das Opfer gewesen, das ihn bedroht und als erstes ein Messer gezückt habe. Die Version der Staatsanwaltschaft klingt hingegen ganz anders. So soll der Angeklagte mit türkischer Staatsangehörigkeit am 19. September zunächst mit dem 25 Jahre alten Mann in einer „Teestube“ in Streit geraten sein und kurz darauf Pfefferspray gegen diesen eingesetzt haben. Als der 25-Jährige wenig später über das Treppenhaus flüchten wollte, habe der Angeklagte ihm nachgesetzt und mindestens dreimal auf ihn eingestochen.

Mit schweren inneren Verletzungen – einer etwa 25 Zentimeter langen Schnittwunde von der Brust bis zum Bauch und einem Stich in den Arm – wurde der Mann von Einsatzkräften in einem Hauseingang gefunden, in ein Krankenhaus gebracht und dort notoperiert. Ohne die OP wäre der Mann nach Auffassung der Anklage verblutet.

Einen Stich in den Bauch, räumte der Angeklagte ein, habe er dem Mann versetzt. Jedoch habe er nicht weiter auf den 25-Jährigen eingewirkt. Zudem habe der ihm zuvor mit einem Faustschlag gedroht und, als der 32-Jährige aus dem Café gehen wollte, auf ihn gewartet. Mit den Worten „Jetzt hab’ ich Dich“ sei der 25-Jährige dann auf ihn losgegangen, habe in seine Jackentasche gegriffen und ein Klappmesser herausholen wollen. Doch er sei schneller gewesen, so der Angeklagte, habe ein Einhand-Messer bei sich getragen, welches er schneller habe zücken können, um sich zu verteidigen.

„Ich hatte fürchterliche Angst, ich hatte Angst um mein Leben“, sagte der 32-Jährige mit Blick auf das Geschehen. 2019 sei er bereits von einem Unbekannten am Bremer Hauptbahnhof angegriffen worden, seitdem sei er traumatisiert und nehme Antidepressiva. Vor Jahren sei er an Leukämie erkrankt, habe eine Chemotherapie hinter sich und lebe mit einem Tumor in der Brust. „Ich bin zerbrechlich“, sagte er. Er habe sich letztlich nur verteidigen wollen, da er Todesangst gehabt habe. „Ich dachte, ich sterbe“, so seine Aussage.

Der Angeklagte sowie zwei Begleiter ließen den Verletzten zunächst im Eingang des Gebäudes liegen, riefen nach Aussage des 32-Jährigen jedoch kurz darauf die Polizei. Wenige Minuten später stellte sich der Mann den Beamten. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Acht weitere Verhandlungstage sind bis Ende Mai angesetzt, der Prozess wird am Montag, 22. März, fortgesetzt.

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