„Ich bin keine Bestie“

Bremen: 43-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Ein Mann in Handschellen und zwei Justizbeamte.
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Bestreitet die Tat: Der 43-jährige Angeklagte (2.v.r.) soll eine Frau so schwer verletzt haben, das sie mehr als zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt werden musste.

Bremen – 14 Jahre verbrachte er bereits hinter Gittern, nun könnten weitere hinzukommen: Weil er eine heute 46-jährige Frau zusammengeschlagen und dabei massive Gesichtsverletzungen verursacht haben soll, muss sich seit Dienstag ein 43  Jahre alter Mann wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Das Leben meinte es bislang nicht gut mit der 46 Jahre alten Frau. Als Jugendliche spritzte sie sich das erste Mal Heroin, heute ist sie HIV-positiv, zudem an Hepatitis erkrankt, sagte sie vor Gericht. Viele Jahre auf der Straße und im Drogenmilieu, die die Frau gezeichnet haben. Der 3.  Januar 2019 sollte ihren Lebensmut erneut auf die Probe stellen. Laut Staatsanwalt Martin Gwinner schlug der Angeklagte die Frau in den Morgenstunden am Weserufer nahe der Wilhelm-Kaisen-Brücke so brutal zusammen, dass sie mit multiplen, zum Teil offenen Knochenbrüchen im Gesicht mehr als zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt werden musste und zwischenzeitlich in Lebensgefahr schwebte. Was genau am mutmaßlichen Tattag passierte, könne die Frau heute nicht mehr sagen, all ihre Erinnerungen seien weg.

„Gesicht systematisch zertrümmert“

Was ihr angetan wurde, verfolge sie jedoch bis heute – seelisch und körperlich. Ihre Sehkraft auf dem linken Auge sei kaum mehr vorhanden, die eingesetzte Titanplatte am Jochbeinknochen entzünde sich stets aufs Neue. Zudem plagten sie Alpträume, Angst- und Panikattacken. Der Täter habe ihr alle Zähne ausgeschlagen. Außerdem fanden Mediziner Würgemale am Hals. „Mein Gesicht wurde systematisch zertrümmert“, sagte sie.

Das Motiv für die mögliche Tat soll Sex gewesen sein, den der Angeklagte von der 46-Jährigen einforderte, sie jedoch abgelehnt hatte. Wie die Anklage auf das mögliche Motiv kommt, blieb zunächst unklar, zumal die Frau vor Gericht angab, den Mann nie im Leben gesehen zu haben.

Dass sich die beiden, womöglich auch am Tattag, über den Weg gelaufen sind, daran gibt es kaum Zweifel. Der 43-Jährige konnte vor Gericht detailliert Narben der Frau beschreiben, auch räumte er ein, mit der Frau gesprochen zu haben.

Nachdem sie zusammen mit einem Begleiter am Vortag des 3. Januar mit ihm Bier getrunken hatte und kurz darauf zwei Männer hinzukamen, sei es zwischen dem Quartett zum Streit gekommen, infolgedessen der Angeklagte flüchtete, um nicht involviert zu werden, sagte er. Danach habe er die Frau nie mehr gesehen.

Note „Mangelhaft“ für Polizei

Fraglich ist auch, ob die Aussagen, die der Mann rund eineinhalb Jahre später bei der Polizei machte und die neben DNA-Spuren zentrales Beweisstück der Anklage sind, verwertet werden könne. Sein Mandant sei weder ordnungsgemäß von den Beamten belehrt worden noch habe die damals eingesetzte Dolmetscherin akkurat aus dem Polnischen übersetzt, sagte Verteidiger Janusch Nagel. Das Vorgehen der Polizisten habe gegen „elementare Belehrungspflichten“ verstoßen, der Übersetzungsleistung gab er die Note „Mangelhaft“. Zudem sei seinem Mandanten trotz seiner Bitte kein Verteidiger zur Seite gestellt worden.

Der Angeklagte, der seine Haftstrafen wegen diverser Eigentumsdelikte verbüßt hat, ließ durch seinen Anwalt erklären, dass er unschuldig sei. Er habe nie Gewaltverbrechen begangen, die Frau habe er weder angegriffen noch verletzt. „Ich bin keine Bestie.“

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