Hochstapler Gert Postel liest aus seinem Buch und beantwortet Fragen

„Ich bereue nichts“

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Las zum ersten Mal in seiner Heimatstadt Bremen: Hochstapler Gert Postel. ·

Bremen - Von Nina SeegersEr ist eine schillernde Persönlichkeit, die seit 30 Jahren für Schlagzeilen sorgt. Sein Verhalten löst bei den Menschen Bewunderung und Entsetzen gleichermaßen aus. Nie weiß man, was man ihm glauben kann. Alles klingt richtig und plausibel, aber nichts davon muss der Wahrheit entsprechen. Der gebürtige Bremer Gert Postel ist ein Hochstapler, wie er im Buche steht.

Im Martinsclub Bremen in Findorff las der 52-Jährige am Mittwochabend aus seinem Buch „Doktorspiele – Geständnisse eines Hochstaplers“. Wie es sich für einen professionellen Hochstapler gehört, trat Postel selbstbewusst bis überheblich auf und bewies, dass er auf dem Gebiet der Rhetorik ein großer Meister ist. Dies sei die erste Lesung in seiner Heimatstadt. Im Anschluss daran sei er durchaus bereit, unkritische Fragen zu beantworten, sagte Postel, der es offensichtlich genießt, sein Publikum zu provozieren und zu irritieren.

Ohne jemals Abitur gemacht oder gar ein Medizinstudium absolviert zu haben, erhielt der gelernte Postbote 1982 unter dem falschen Namen Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy mit nur 22 Jahren eine Stelle als Amtsarzt in Flensburg. Sein Betrug fiel auf und wurde bestraft, Postel dachte aber nicht daran aufzuhören. So arbeitete er anschließend unter anderem als Arzt in einer Privatklinik und als Stabsarzt bei der Bundeswehr. Kurz darauf studierte er katholische Theologie in Münster und wurde 1991 sogar vom Papst Johannes Paul II. in einer Privataudienz empfangen.

Der Gipfel seiner Karriere als Hochstapler war die Stelle als Leitender Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Zschadraß bei Leipzig. „39 Ärzte haben sich beworben, aber der Postbote wurde eingestellt“, sagte Postel amüsiert. Anderthalb Jahre lang verfertigte er dort psychiatrische Gutachten und hielt Vorträge vor Medizinern, ohne dabei Verdacht zu erregen. Dann flog seine falsche Identität durch Zufall auf, und Postel wurde vom Landgericht Leipzig 1999 wegen mehrfachen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt.

Von eben diesen Erlebnissen berichtet der 52-Jährige also in seinem Buch „Doktorspiele“, das 2003 im Goldmann-Verlag erschien. Das Publikum hörte Postel, während er aus dem Buch einige Passagen vortrug, aufmerksam zu und schmunzelte nicht selten über Postels „Streiche“, wie der Autor seine Betrügereien selbst bezeichnet.

Etwas zögerlich und vorsichtig, aber durchaus neugierig fragten die Leute ihn anschließend unter anderem, wie er neben den echten Ärzten so lange habe bestehen können. „Ärzte sind keine gebildeten Menschen, und in der Psychiatrie geht es grundsätzlich sehr wenig um fachliche Inhalte“, behauptete Postel, deshalb sei er mit seiner Rolle als Leitender Oberarzt in der Psychiatrie so gut durchgekommen.

Die Reaktionen des Publikums auf Postels Hochstapler-Karriere waren unterschiedlich. Ein Mann sagte amüsiert: „Ich fordere Sie auf weiterzumachen!“ Eine Frau fragte Postel hingegen, ob er stolz darauf sei, was er gemacht habe. „Stolz ist nicht die Kategorie, in der ich denke“, entzog sich Postel der Frage, betonte aber: „Ich bereue nichts, was ich getan habe, ich habe für mich unglaublich viel gelernt.“

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