Infos zum Miri-Clan

Ibrahim Miri: Das Leben der Bremer Clan-Größe im Überblick

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Dem Bremer Clan-Boss Ibrahim Miri (links) droht die erneute Abschiebung in den Libanon, nachdem er illegal in Deutschland eingereist ist.

Ibrahim Miri ist bereits zum zweiten Mal in den Libanon abgeschoben worden. Die Clan-Größe ist drei Monate nach ihrer Abschiebung in den Libanon illegal in Deutschland eingereist. Wir bieten einen Überblick über den Miri-Clan.

  • Miri-Clan in Bremen: Etwa 3.000 Angehörige in rund 30 Familien
  • Clan-Größe Ibrahim Miri ist im Juli 2019 in den Libanon abgeschoben worden
  • Miri reiste illegal zurück und wurde erneut abgeschoben
  • Ibrahim Miri ist ein verurteilter Straftäter

Bremen – Der Miri-Clan ist seit Jahrzehnten in Bremen ansässig und besteht allein in der Hansestadt aus etwa 3.000 Angehörigen. Laut Sicherheitsbehörden sind bislang bis zu 1.800 Mitglieder straffällig geworden. Große Aufmerksamkeit erregte im Juli 2019 die Abschiebung der Clan-Größe Ibrahim Miri.

Ende Oktober kehrte er trotz Einreiseverbots zurück nach Bremen, um Asyl zu beantragen. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lehnte den Antrag ab. Daraufhin ist Ibrahim Miri erneut in den Libanon abgeschoben worden. Wir geben einen Überblick über die Person Ibrahim Miri und den Miri-Clan.

Ibrahim Miri – zur Person der Clan-Größe in Bremen

Ibrahim Miri ist im Jahr 1973 geboren worden und gehört der arabischen Ethnie der Mhallami – in Deutschland als Miri-Familie bezeichnet - an. Deren Mitglieder sind hauptsächlich in den 1980er-Jahren aus dem Libanon nach Deutschland eingereist. Die meisten Familien siedelten sich in Bremen, Essen und Berlin an.

Als 13-Jähriger beantragte Miri im Jahr 1986 Asyl in der Bundesrepublik Deutschland. Später ist Ibrahim Miri Chef des Bremen-Chapters des Motorradklubs „Mongols MC“ geworden, der im Jahr 2011 von den Behörden verboten wurde. Die Staatsanwaltschaft warf der Clan-Größe mehrfach Straftaten von Körperverletzung über Drogenhandel bis zu illegalem Waffenbesitz vor.

Clan-Boss Ibrahim Miri: Verurteilung wegen Drogenhandels

Im Jahr 2014 ist Ibrahim Miri in Bremen wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden, kam jedoch im Jahr 2018 wieder frei. Zuvor war er unter anderem im Jahr 2012 wegen Landfriedensbruch angeklagt. Sein Motorradklub „Mongols MC“ fuhr zum Klubheim der „Hells Angels“ in Bremen und begann eine Rangelei unter den Bikern. Das Verfahren endete mit einem Freispruch.

Die spektakuläre Abschiebung von Ibrahim Miri sorgte im Juli 2019 für bundesweites Interesse. Spezialkräfte der Bremer Landespolizei und der Bundespolizei überraschten Miri im Schlaf, nahmen ihn fest und brachten ihn nach Berlin. Von dort flog er unter Aufsicht mit einem Privatjet in den Libanon. Allein der Flug habe 20.000 bis 25.000 Euro gekostet, heißt es aus Sicherheitskreisen. In Beirut kam er nach der Ankunft auf freien Fuß, weil die libanesischen Behörden dem Clan-Chef keine Straftaten vorwarfen.

Bremer Ibrahim Miri jahrelang ausreisepflichtig

Seine Abschiebung scheiterte zuvor an fehlenden Ausweisdokumenten, da Miri lange Zeit als staatenlos galt. Ausreisepflichtig war der Clan-Chef aus Bremen seit dem Jahr 2016. Im Jahr 2018 einigten sich Deutschland und der Libanon auf die Möglichkeit der Rückführung von Straftätern. Auf Betreiben deutscher Sicherheitsbehörden erhielt Ibrahim Miri libanesische Papiere, die eine Abschiebung ermöglichten.

Drei Monate nach seiner Abschiebung, Ende Oktober 2019, tauchte Ibrahim Miri an der Bamf-Außenstelle in Bremen auf und ist kurze Zeit später von der Polizei festgenommen worden. Gegen ihn besteht ein Einreise- und Aufenthaltsverbot und ein damit einhergehender Haftbefehl bei illegaler Einreise. Wegen des Fehlens gültiger Ausweisdokumente und eines gültigen Visums erstattete Miri Selbstanzeige. Die Polizeikräfte brachten ihn anschließend zum Polizeipräsidium in Bremen-Vahr, wo er in Abschiebehaft genommen wurde.

Ibrahim Miri beantragt Asyl in Bremen - er fürchtet im Libanon um sein Leben

Ibrahim Miri beantragte schriftlich Asyl mit dem Hinweis auf „subsidiären Schutz“. Dieser Schutz greift laut Bamf, wenn weder Flüchtlingsschutz noch Asylberechtigung gewährt werden kann, jedoch dem Antragsteller im Herkunftsland ernsthafter Schaden drohe. Miri erklärte daraufhin, dass er im Libanon von einem schiitischen Familienverband gesucht werde, der ihn töten wolle. 

Wie die „Bild am Sonntag“ berichtete, sei der Ausgangspunkt für die Blutrachefehde eine Messerstecherei in Bremen im Jahr 2006 gewesen. Die Beteiligten gehörten wohl den verfeindeten Clans Miri und El Zein an. Dabei wurde ein Neffe von Ibrahim Miri getötet, heißt es weiter. Zur Vergeltung erschoss ein Angehöriger des Miri-Clans im Jahr 2009 einen als Mittäter verurteilten Mann des El-Zein-Clans in Schwanewede. Libanesische Hisbollah-Milizen sollen nun den El-Zein-Clan unterstützen, um Ibrahim Miri nach eigenen Angaben für die Fehde verantwortlich zu machen.

Bamf prüft Asylantrag von Clan-Größe Ibrahim Miri

Zur Prüfung des Asylantrags führten Bamf-Mitarbeiter Anfang November 2019 ein Interview mit Ibrahim Miri durch. Der Clan-Chef schilderte den Mitarbeitern, wie er mit Hilfe von Schleppern über Syrien und die Türkei auf dem Landweg nach Deutschland gekommen ist. Im Libanon habe er sich neue Papiere zur Weiterreise besorgt, bestätigte auch sein Anwalt Albert Timmer.

Kurze Zeit später lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Antrag auf Asyl als unbegründet ab. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) teilte im Anschluss mit, dass die Behörden die erneute Abschiebung von Ibrahim Miri in den Libanon vorbereiten würden. Wieder sei ein von Polizisten begleiteter Flug per Privatjet nach Beirut geplant. Außerdem kündigte Seehofer an, die Grenzkontrollen zu verschärfen, um in Zukunft illegale Einreisen zu erschweren.

Gegen die Abschiebung hat Miri-Anwalt Timmer Klage beim Bremer Verwaltungsgericht eingereicht. Die Richter sollen über die Rechtmäßigkeit der erneuten Abschiebung entscheiden. Nach Ablehnung eines Eilantrags ist Ibrahim Miri kurzfristig erneut in den Libanon abgeschoben worden.

Der Miri-Clan in Bremen und Deutschland

Der Miri-Clan gehört zur arabischen Ethnie der Mhallami. In Bremen fühlen sich etwa 30 Familien mit rund 3.000 Mitgliedern der Ethnie zugehörig. Seit den 1980er-Jahren wanderten die Familien aus dem Libanon ein und ließen sich hauptsächlich in Bremen, Essen und Berlin nieder.

Der Miri-Clan wird in Bremen für zahlreiche Straftaten verantwortlich gemacht. Laut „Informationssammelstelle Ethnische Clans“ (Istec) sind Mitglieder in den Bereichen Prostitution, Menschen-, Waffen- und Drogenhandel tätig. Laut Sicherheitsbehörden sind etwa 1.800 Miri-Angehörige straffällig worden. Ibrahim Miri wird der Führungsebene des Clans zugerechnet. Im Jahr 2010 sind in Bremen 198 Verfahren gegen Mitglieder der Miri-Familie geführt worden. Davon sind 31 Fälle von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht worden.

Sowohl in Bremen als auch in Essen und Berlin ist die Staatenlosigkeit vieler Mitglieder des Miri-Clans ein großes Hindernis für die Integration der Libanesen. Ohne gültige Ausweispapiere könne zum Beispiel noch nicht mal ein Führerschein erworben werden. Auch die dauerhafte Regelung des Aufenthaltsstatus in der Bundesrepublik Deutschland ist ohne Personalausweis nicht möglich.

jdw, mit Material der dpa und afp

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