Update: Clan-Chef spaziert durch Beirut

Behörden schieben Clan-Chef Ibrahim Miri ab - in seiner Heimat ist er auf freiem Fuß

+
In einer spektakulären Aktion abgeschoben: der Chef des Miri-Clans, Ibrahim Miri (li.).

Der Chef des Miri-Clans, Ibrahim Miri, ist offenbar in seine Heimat abgeschoben worden. Bremer und Berliner Behörden haben in einer spektakulären Geheimaktion zusammengearbeitet.

  • Spezialkräfte haben ein Mitglied des berüchtigten Miri-Clans in Bremen festgenommen
  • Ibrahim Miri seit 2006 "ausreisepflichtig"
  • Es war offenbar eine Nacht-und-Nebel-Aktion
  • Politik begrüßt Schlag gegen organisiertes Verbrechen
  • Ibrahim Miri ist in seiner Heimat Libanon auf freiem Fuß

Update, 12 Juli, 17.20 Uhr: Bremen - Der Chef des Bremer Miri-Clans, Ibrahim Miri, spaziert offenbar in seiner Heimat Libanon unbehelligt durch Beirut. Wie berichtet, war der 46-Jährige, der seit den 80er-Jahren in Bremen lebte, Mittwochnacht in seiner Wohnung von bewaffneten Spezialkräften im Schlaf überrascht und in den Libanon abgeschoben worden. 

Ibrahim Miri ist in seiner Heimat Libanon auf freiem Fuß

Libanesischen Justizkreisen zufolge befindet er sich auf freiem Fuß, da ihm dort keine Straftaten vorgeworfen würden. In sozialen Foren diskutieren unterdessen Nutzer darüber, wie schnell der einstige Chef des verbotenen RockerclubsMongols“ wieder in Deutschland sein wird. 

Der Clan-Chef, der mehrfach vor Gericht stand und erst im Juni aus der Haft entlassen worden war, war laut Innenbehörde seit 13 Jahren ausreisepflichtig. Dem Vernehmen nach scheiterte die Abschiebung bislang, weil er keine Papiere hatte und lange als staatenlos galt.

Update, 11. Juli, 18 Uhr: Bremen – Nach der spektakulären Festnahme und anschließenden Abschiebung des Bremer Clan-Chefs Ibrahim Miri (46) begrüßt die Politik den Schlag gegen das organisierte Verbrechen. Gleichzeitig warnt sie davor, die Aktion überzubewerten. 

Politik begrüßt Schlag gegen Kriminalität in Bremen

Das Innenressort hingegen schweigt hartnäckig. Bremens CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Röwekamp sagte am Donnerstag, die Abschiebung des Clan-Anführers sei „ein Moment-Erfolg“. Es dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Bremen auch weiterhin ein großes Problem mit Clan-Kriminalität hat“. An die Stelle von Ibrahim Miri würden schnell neue Köpfe nachrücken, so Röwekamp. Der Rechtsstaat müsse weiterhin „schnell und mit der vollen Härte“ gegen Clan-Kriminalität vorgehen. 

Anders als Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD), der die Abschiebung als einen „erfolgreichen Schlag gegen die Clankriminalität in Bremen“ bezeichnete und ankündigte, „den Druck auf die organisierte Kriminalität hochzuhalten“, äußerte sich Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) nicht. Eine Sprecherin teilte lediglich mit: „Die Bekämpfung der organisierten Kriminalität ist und bleibt auch weiterhin ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit in Bremen.“ 

Bremen will weiter gegen Familienclans vorgehen

Auch am Mittwoch war das Ressort schweigsam gewesen und hatte mit Bezug auf „das übergeordnete Sicherheitsinteresse der Behördenmitarbeiter“ betont, dass man zur Aktion nichts sagen werde. Wesentlich offensiver ging der Innensenator noch im vergangenen Jahr vor. Nachdem die Behörde mehrere teils spektakuläre Razzien gegen das organisierte Verbrechen durchgeführt hatte, betonte Mäurer, man werde weiter „mit aller Entschlossenheit“ gegen kriminelle Familienclans vorgehen. 

Insbesondere mit Blick auf Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (

Säm-Delikte

) machte er damals deutlich: „Das sind keine spontanen Taten, das ist organisierte Kriminalität im großen Stil.“ Im September 2018 kündigte Mäurer an, es werde geprüft, in welchen Fällen eine Abschiebung möglich sei.

Bremen: Im Schlaf überrascht: Behörden schieben Clan-Chef Ibrahim Miri ab

Weder zum Ablauf der aktuellen Aktion noch über das weitere Verfahren der libanesischen Behörden, an die Ibrahim Miri überstellt wurde, machte die Behörde Angaben. Ob der 46-Jährige in seiner Heimat Libanon auf freiem Fuß ist oder hinter Gittern sitzt, ist offen. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, warum der 46-Jährige, der seit 2006 ausreisepflichtig war, erst jetzt nach 13 Jahren abgeschoben wurde. 

Update, 10. Juli, 20 Uhr: Bremen – Zugriff am frühen Morgen: Ibrahim Miri (46), Chef des berüchtigten Bremer Miri-Clans, ist Mittwoch bei einer spektakulären Geheimaktion von Spezialkräften der Polizei festgenommen und in sein Heimatland Libanon abgeschoben worden. Das bestätigte eine Sprecherin des Innenressorts am Mittwoch. „Die besagte Person war ausreisepflichtig und wurde abgeschoben.“ 

Weiter sagte die Sprecherin: „Aus übergeordneten Sicherheitsinteressen, die die Mitarbeiter der Behörde betreffen, werden wir nicht mehr dazu sagen.“ Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, schlichen sich schwerbewaffnete Spezialkräfte von Bremer und Berliner Behörden sowie Bundesbehörden gegen 3.40 Uhr in die Unterkunft des Clan-Chefs, rissen ihn aus dem Schlaf und nahmen ihn fest. 

Bremen: Polizei-Aktion über Monate geplant

Die Aktion, die laut „Bild“ den Namen „Störung der Nachtruhe des Herrn Miri“ trug, sei über Monate geplant gewesen. Nach der Festnahme wurde der 46-Jährige mit einem Hubschrauber von Bremen zum Flughafen Berlin-Schönefeld geflogen. Dort hob gegen 6.20 Uhr ein Learjet ab – und Spezialkräfte brachten Miri in den Libanon, nach Beirut. Am Flughafen angekommen, nahmen libanesische Behörden den Mann in Empfang. 

Ibrahim Miri geriet in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. 2014 wurde der damalige Chef des Motorradclubs „Mongols MC Bremen“ – erbitterte Feinde der „Hells Angels“ – zusammen mit zwei weiteren Angeklagten des gewerbsmäßigen Drogenhandels schuldig gesprochen. Ibrahim Miri wurde zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Motorradclub seien laut Zeugenaussagen damals alle Fäden des Drogenhandels zusammengelaufen. 

Ibrahim Miri: Vorwürfe der Polizei Erpressung, Drohung, Gewalt

2018 saß er abermals auf der Anklagebank. Die Vorwürfe: unter anderem Anstiftung zur versuchten räuberischen Erpressung und Körperverletzung. So soll er zusammen mit weiteren damals Angeklagten mehrere Bremer Geschäftsmänner aufgesucht und ihnen und ihren Angehörigen mit Gewalt gedroht haben, sollten sie kein Schutzgeld an den Familienclan zahlen. Der Prozess platzte – unter anderem weil ein Angeklagter untertauchte. 

Sicherheitsbehörden rechnen dem Clan allein in Bremen etwa 3000 Mitglieder zu. Nur ein Bruchteil soll gut integriert sein. Nach Angaben der „Informationssammelstelle Ethnische Clans“ (Istec) sind rund 1800 von ihnen bereits straffällig geworden. Vorrangig sollen die Mitglieder in Bereichen der Prostitution und des Menschen-, Waffen- und Drogenhandels Geld verdienen. Die Zahl der Intensivtäter ist laut Istec-Bericht „dreistellig“. Die Hochburgen der meist kriminellen Geschäfte sind demnach Berlin, Essen – und eben Bremen

Abschiebeversuche von Ibrahim Miri seit 2006

Seit 13 Jahren – seit Januar 2006 – versuchen die Bremer Behörden, Ibrahim Miri abzuschieben. Denn: Seitdem gilt der Mann als „vollziehbar ausreisepflichtig“. Jetzt endlich gelang der spektakuläre Schlag gegen die organisierte Kriminalität in der Hansestadt. Die Innenbehörde geht seit Monaten verstärkt gegen Familienclans und ausländische Betrüger vor. Dabei wurden bislang zahlreiche Immobilien, Wertgegenstände und Luxusautos beschlagnahmt.

Originalmeldung

Bremen - Er stand unzählige Male vor Gericht, es waren spektakuläre Drogenprozesse, Prozesse im Zusammenhang mit dem Rockerclub "Mongols". Nun ist der Chef des Miri-Familienclans, Ibrahim Miri (46), in einer spektakulären Geheimaktion von Bremer und Berliner Behörden sowie Bundesbehörden in seine Heimat Libanon abgeschoben worden. Das bestätigte am Abend eine Sprecherin des Bremer Innenressorts. 

Medienberichten zufolge schlichen sich Spezialkräfte in der Nacht in die Wohnung des 46-Jährigen in Bremen. Im Hubschrauber ging es mit Begleitung nach Berlin-Schönefeld und dann im Learjet nach Beirut in den Libanon. Laut Bremer Innenressort ist der Mhallami-Kurde seit 13 Jahren ausreisepflichtig. 

In Bremen gibt es öfter Zoff unter Clans, bei dem die Polizei einschreiten muss.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Von der Leyen wird EU-Kommissionspräsidentin

Von der Leyen wird EU-Kommissionspräsidentin

Mbappé-Show bei PSG-Torfestival bei Dynamo Dresden

Mbappé-Show bei PSG-Torfestival bei Dynamo Dresden

Fotostrecke: Füllkrug mit neuer Frise - Eggestein trainiert zum Start individuell

Fotostrecke: Füllkrug mit neuer Frise - Eggestein trainiert zum Start individuell

Mehrere Rechtsverstöße am Rande von Merkel-Besuch in Dresden

Mehrere Rechtsverstöße am Rande von Merkel-Besuch in Dresden

Meistgelesene Artikel

Falsche Medikation: Staatsanwaltschaft klagt Pflegehelfer wegen versuchten Mordes an

Falsche Medikation: Staatsanwaltschaft klagt Pflegehelfer wegen versuchten Mordes an

Hemelinger Tunnel dicht: Stillstand zum Schichtwechsel

Hemelinger Tunnel dicht: Stillstand zum Schichtwechsel

Hemelinger Tunnel für mehr als zwei Wochen komplett gesperrt –Ausweichroute dicht

Hemelinger Tunnel für mehr als zwei Wochen komplett gesperrt –Ausweichroute dicht

Nach Messerangriff in Walle: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Nach Messerangriff in Walle: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Kommentare