Fall aus Bremen

Hundekuss mit fatalen Folgen: 63-Jähriger stirbt an sehr seltener Infektion

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Ein Hundekuss kann gefährlich werden – in Bremen ist ein 63-jähriger Hundebesitzer nach einer äußerst seltenen Infektionserkrankung gestorben. Bisher sind erst zwei derartige Fälle weltweit dokumentiert.

In Bremen nahm ein einfacher Hundekuss ein fatales Ende für den Tierbesitzer. Ein 63 Jahre alter Mann entwickelte schwere Symptome einer Grippe, bevor er ins RKK ging. Doch dann war es schon zu spät.

  • Hundekuss mit fatalen Folgen in Bremen
  • Hundebesitzer aus Bremen entwickelt schwere Symptome einer Grippe
  • Rot-Kreuz-Krankenhaus dokumentiert seltenen Bakterieninfektion
  • Bremen – Schleck – einmal leckt der Hund Herrchen oder Frauchen quer durchs Gesicht. Oder er leckt hingebungsvoll die Hände ab – für viele Hundebesitzer alltägliche Nähe zu ihrem Vierbeiner. Einem 63-Jährigen wurde das zum Verhängnis: Er starb nach einem Hundekuss. Die Mediziner des Rot-Kreuz-Krankenhauses (RKK) haben den Fall des Bremers für ein medizinisches Fachjournal dokumentiert. Nach Angaben des Krankenhauses ist das erst der zweite bekannte Fall dieser Art weltweit.

    Bremen: RKK berichtet über seltene Bakterieninfektion

    Ereignet hat sich der tragische Fall des 63-jährigen Hundefreundes bereits im Sommer 2018. Am Mittwoch wurde er der Öffentlichkeit bekannt. Ärzte der Medizinischen Klinik und der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am RKK im Buntentor Bremen haben den Fallbericht vor wenigen Tagen im „European Journal of Case Reports in Internal Medicine“ veröffentlicht.

    Die Ärzte dokumentierten die Behandlung des Bremers mit einer äußerst seltenen Infektionserkrankung, dem Bakterium Capnocytophaga canimorus. „Weltweit gibt es kaum Veröffentlichungen dazu. Tritt ein so seltener Fall auf, sind wir Ärzte verpflichtet, die Behandlung zu dokumentieren und für Kollegen in der medizinischen Fachpresse zu veröffentlichen“, sagte dazu am Mittwoch Dr. Martin Langenbeck, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und ärztlicher Leiter der Internistischen Intensivstation am RKK.

    Tödlicher Hundekuss in Bremen: Was war passiert?

    Der Patient kam nach drei Tagen anhaltend schwerer Grippesymptome, Fieber, Luftnot und Einblutungen in Haut und Schleimhäuten – Zeichen einer schweren Blutvergiftung – in die Notaufnahme des RKK. Sofort bekam er Breitband-Antibiotika, wie es heißt. Doch der Zustand des 63-Jährigen verschlechterte sich zunehmend. 

    Am 16. Tag starb er auf der Intensivstation an multiplem Organversagen. Laut RKK wurde im Labor der schwer nachweisbare, seltene Erreger Capnocytophaga canimorus in der bebrüteten Blutkultur gefunden. Eine RKK-Sprecherin: „Dieses Bakterium ist Teil der natürlichen Mundflora von diversen Tieren, vor allem aber von Hunden und Katzen. Der Bremer Patient war Hundebesitzer.“

    Fatale Folgen eines Hundeskusses in Bremen: Der Infektionsweg

    Für Tiere ist der Erreger unschädlich, beim Menschen kann er zu Infektionen und im seltenen Fall zum Tode führen. Die Infektion erfolgt überwiegend durch Bisse von Hunden, aber auch durch Lecken von Hautdefekten. Das Spektrum der Infektion reicht von lokaler Hautinfektion bis zur schweren Blutvergiftung

    „Nicht jeder Patient, den die Infektion trifft, hat einen schweren Verlauf. Bei schweren Verläufen stirbt jedoch etwa ein Viertel der Patienten. Betroffene Patienten, die gebissen und infiziert wurden, haben in der Regel zusätzlich ein geschwächtes Immunsystem, sind alkoholkrank oder haben eine Milzentfernung hinter sich. Unser Patient gehörte zu keiner der dieser Risikogruppen“, betonte Langenbeck. Der schwere Verlauf ohne die genannten Risikofaktoren und ohne einen Biss durch den Hund sei ausgesprochen selten. Der Chefarzt: „Wir gehen davon aus, dass eine frühere Vorstellung im Krankenhaus und eine frühere Antibiotikatherapie den schweren Verlauf der Erkrankung deutlich abgemildert hätte.“

    Bislang ist weltweit nur ein einziger weiterer Fall veröffentlicht worden, bei dem der Krankheitsverlauf eines Patienten mit gutem Immunsystem, der nicht gebissen, sondern nur von einem Hund abgeleckt wurde, einen so schweren Verlauf wie bei dem Bremer Patient nahm.

    Bremen: Ärzte des Rot-Kreuz-Krankenhauses werten Fälle aus

    In einer weiteren Veröffentlichung setzten sich die RKK-Ärzte mit weltweit vorhandenen Studien und beschriebenen Fällen ab 2002 auseinander. Sie werteten die 128 Fälle aus, die eine Infektion erlitten hatten, obwohl – wie in Bremen – keine der bekannten Risikofaktoren vorhanden waren. 

    Langenbecks Empfehlung: „Lassen Sie Tierbisse immer vom Arzt reinigen und versorgen, damit möglichst wenig Keime in die Wunde gelangen und die Gefahr schwerer septischer Verläufe reduziert wird.“

    Rat der Ärzte aus Bremen für Tierbesitzer: Auf Symptome achten

    Nach einem Tierbiss sollten Patienten mit Risiko für Infektionen oder Bissen an bestimmten Körperregionen eine Antibiotikaprophylaxe erhalten. Derzeit sei aber noch nicht abschließend geklärt, ob eine generelle Antibiotikaprohylaxe bei Hunde-/Katzenbissen empfohlen werden kann. 

    Der Mediziner betonte: „Wenn Sie als Tierhalter oder nach Kontakt mit Tierspeichel Symptome bekommen, die eine einfache Virusinfektion überschreiten, suchen Sie einen Arzt auf und berichten Sie davon – auch, wenn Sie nicht gebissen wurden und kein geschwächtes Immunsystem haben.“ Der Arzt könne anhand der Blutwerte feststellen, ob ein bakterieller Infekt vorliegt. Falls eine Infektion mit Capnocytophaga canimorsus vorliegt, kann der Arzt laut Langenbeck frühzeitig Penicillin in Kombination mit einem Beta-Lactamase-Hemmer verschreiben und Schlimmeres verhindern.

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