Hund, Frau, Kind: Aktion der Bremer Polizei zur Verkehrssicherheit

14 blinde Meter

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Ältere Frau, Hund, Kind: In einer Sekunde kann viel passieren.

Bremen - Von Ralf Sussek. Alljährlich macht die Bremer Polizei Schulanfangsaktionen. Auch in diesem Jahr. Mit einer bundesweiten Aufklärungskampagne.

Gestern war ein guter Tag für Bremer Autofahrer am Werder-Karree in Habenhausen. Für die, die (aus purer Gewohnheit) gegen Verkehrsregeln verstießen. Und für die der „Zielgruppe“ der Aktion „1 Sekunde = 14 Meter“.

Es ist nur ein kurzer Moment, vielleicht eine Sekunde, die es dauert: Den Blick von der Straße gewandt und aufs Handy geblickt, einen Sender gewechselt, eine CD im Handschuhfach gesucht, den Kaffee verschüttet oder sich zum Kind auf der Rückbank umgedreht – schon legt ein Autofahrer im Ortsverkehr knapp 14 Meter zurück.

Was einem da so alles in den Weg laufen/springen/rollen kann: ein kleines Kind, ein Hund, eine ältere Frau mit Rollator, ein junger Mann auf einem Skateboard. Davor warnte die Polizei gestern mit Unterstützung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) im Rahmen einer Verkehrskontrolle. Rund 40 Beamte waren dreieinhalb Stunden damit beschäftigt, Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr zu winken, mit ihnen auf einer Parkfläche vor dem Werder-Karree „ins Gespräch zu kommen“, wie eine Polizeisprecherin es formulierte, und mit ihnen eine 14 Meter lange Strecke auf einem Aktionsteppich mit entsprechenden Pappaufstellern abzulaufen.

Aus dem Verkehr „gefischt“ wurden jene, die verdächtig waren, dem Phänomen Ablenkung zu erliegen: Mütter mit ihren Kindern, Kaffeetrinker, diskutierende Autobesatzungen. Aber auch diejenigen, die mit einem Telefon am Ohr gesichtet wurden, konnten froh sein, gerade an diesem Tag erwischt worden zu sein. Statt 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg winkten eine freundliche Ermahnung und ein 14-Meter-Fußmarsch.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) begleitete die Aktion eine Zeit vor Ort: „Niemand mit klarem Verstand würde sich mit geschlossenen Augen hinter das Lenkrad seines Fahrzeugs setzen und Gas geben. Doch eine Ablenkung von nur einer einzigen Sekunde bedeutet genau dies: Blind Auto fahren – und damit das Leben anderer gefährden. Autofahren erfordert unsere hundertprozentige Aufmerksamkeit. Jede einzelne Sekunde. Dies macht die Aktion auf sehr anschauliche Weise deutlich“, sagte er.

Wie aufmerksam die Polizei an diesem Tag war, zeigt genauso anschaulich, dass der Autor dieser Zeilen – kaum dass er sich wieder in den Verkehr eingereiht hatte – ebenfalls von einem Beamten angehalten wurde. Was folgte, war ein freundliches, fundiertes Gespräch über die richtige Einstellung von Scheinwerfern.

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