Hüfte aus dem Drucker

Bremer Unternehmen „Materialise“ baut neues Kompetenzzentrum

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Auf rund 3 500 Quadratmetern soll bis zum Frühjahr 2021 das neue Kompetenzzentrum des 3D-Druck-Unternehmens „Materialise“ in Bremen entstehen. Bis zu 120 Mitarbeiter finden nach Firmenangaben dort Platz. Bei Bedarf kann das Gebäude erweitert werden.

Autoteile, Medizinzubehör, Komponenten für die Luft- und Raumfahrt – vieles, was heute in der modernen Industrie verwendet wird, stammt aus 3D-Druckern. Das belgische Unternehmen „Materialise“ entwickelt seit langem diese Verfahren. Am Mittwoch erfolgte der offizielle Baustart für ein neues Kompetenzzentrum im Technologiepark.

Bremen - Erste Fundamente stehen bereits, zwei Kräne hieven Tonne um Tonne Material auf das etwa 3 500 Quadratmeter große Areal an der Konrad-Zuse-Straße. Anders als bei anderen Spatenstich-Terminen sind die Arbeiten des neuen Kompetenzzentrums bereits seit zwei Monaten in Gange. Also erfolgte der offizielle Baubeginn für den rund 7,5 Millionen Euro teuren Neubau in unmittelbarer Nähe zum Raumfahrtunternehmen OHB und der Bremer Universität eher symbolisch. Bis zu 120 Beschäftigte werden voraussichtlich ab Frühjahr 2021 dort einen neuen Arbeitsplatz vorfinden, 75 hat das Unternehmen jetzt. Am neuen Standort sollen alle Kompetenzen gebündelt werden.

Marcus Joppe, Geschäftsführer von „Materialise Bremen“, erklärte, dass die Firma seit 2011 zwar zwei Standorte in der Hansestadt unterhält. Doch mit dem Neubau würden nun die beiden Hauptfelder Softwareentwicklung und Produktion unter einem Dach vereinigt. Dazu soll neben einem viergeschossigen Büro- auch ein zweistöckiges Entwicklungs- und Fertigungsgebäude entstehen. Verknüpft, so Joppe, werden die Gebäudeteile durch ein einstöckiges Verbindungselement, um „Synergieeffekte herzustellen“. Mit dem neuen Gebäude werden nach und nach bis zu 30 3D-Metalldrucker einziehen. Mit ihnen lassen sich heute verschiedenste Produkte herstellen – von der Brille bis zu künstlichen Hüftgelenken, aber auch Teile für die Automobilbranche und Komponenten für Flugzeuge und Raketen. Zudem ist das Unternehmen verstärkt in der Entwicklung von Prototypen involviert. Einige Teile seien bereits „an der Schwelle zur Serienproduktion“, so Joppe.

Drei Spaten, große Vorfreude: Marcus Joppe (v.r.), Andreas Bovenschulte und Dr. Ingo Uckelmann (technischer Leiter) feiern den offiziellen Baubeginn.

Bremens Wurzeln im 3D-Druckbereich reichen dabei mehr als 30 Jahre zurück. 1987 holte Professor Bernd Hirsch vom Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) den Vorläufer des ersten 3D-Druckers in die Hansestadt. Seitdem hat diese Technologie einen rasanten Aufschwung erlebt – auch durch die unmittelbare Nähe von Unternehmen zur Universität. Daran wolle man auch heute festhalten und wählte den Ort für den Neubau im Technologiepark bewusst. 15 bis 20 Studenten legen regelmäßig Bachelor- und Masterarbeiten mit Bezug zu 3D-Druckverfahren vor. Für wissenschaftlichen Nachwuchs sei gesorgt, so Joppe. Bis zu 25 Millionen Euro könnten nach Angaben Joppes in den kommenden Jahren in weitere Produktionsstandorte investiert werden. Auch das neue Kompetenzzentrum sei bei Bedarf erweiterbar.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sprach vom vielzitierten „großen Meilenstein für den Wirtschaftsstandort“. Für ihn sind die Mitarbeiter von Materialise „innovative Pioniere“, die mit dem Neubau „klare Aufbruchsignale“ sendeten. Mit dem Projekt komme eine „technische Gründerzeitstimmung“ in die Stadt, so Bovenschulte.

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