Hubschrauber-Erfinder Henrich Focke: Vor 125 Jahren in Bremen geboren / Bedeutender deutscher Ingenieur

Senkrecht in die Luft

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Der Erfinder des Hubschraubers, Prof. Henrich Focke, mit seinem letzten Projekt, dem bei Borgward ab 1956 in Bremen entwickelten „Kolibri“.

Bremen - Von Harald Focke. Reichsluftfahrtminister Hermann Göring war zuerst dagegen: Wozu brauchte man ein kleines Flugzeug, das senkrecht starten und landen konnte? Als er von dessen Vorzügen überzeugt war, wollte er das bahnbrechende Projekt des Bremers Henrich Focke nicht länger geheimhalten.

Der erste Hubschrauber der Welt wurde 1938 propagandistisch vorgeführt – in der Berliner Deutschlandhalle und auf dem NS-Parteitagsgelände in Nürnberg. Seine Erfindung machte Focke zu einem der bedeutendsten deutschen Ingenieure des 20. Jahrhunderts. Heute vor 125 Jahren wurde er in Bremen geboren.

Henrich Fockes erster Hubschrauber der Welt flog erstmals am 26. Juni 1936 in Bremen.

Sein Vater Johann war ranghoher Jurist beim Bremer Senat und gründete das später nach ihm benannte Museum. Sohn Henrich studierte Maschinenbau und experimentierte ab 1909 mit Hängegleitern am Osterdeich. 1912 schaffte eines seiner ersten Motorflugzeuge eine Strecke von 500 Metern. Nach dem Ersten Weltkrieg tüftelte Focke mit seinem Freund Georg Wulf im Museumskeller an seinem „Storch“, der 1923 als erstes Bremer Flugzeug die Zulassung erhielt. Im selben Jahr gründeten die beiden das erste Bremer Flugzeugwerk Focke-Wulf. Ihre Maschinen sahen manchmal plump aus wie die A 16 von 1924 für drei Passagiere oder skurril wie die „Ente“ von 1930, die ihr Höhenleitwerk vorn an der Rumpfspitze hatte. Aber sie flogen prima und verkauften sich gut.

Im Mai 1933 musste Focke sein Unternehmen verlassen. Er war Ingenieur, kein Manager. Die von den Nazis geforderte Massenproduktion militärisch nutzbarer Konstruktionen interessierte ihn nicht. Focke konzentrierte sich nun auf seinen Hubschrauber F 61, der Ende Juni 1936 erstmals in Bremen aufstieg. Die TU Hannover ernannte ihn zum Dr.-Ing e.h., der Bremer Senat zum Professor.

Die Lufthansa wollte 1938 von ihm einen großen Passagierhubschrauber, doch wegen des Krieges nutzte nur das Militär den „Drachen“. Wie schon Fockes Erstling, wurde er von zwei Drehflügeln auf seitlich am Rumpf angebrachten Auslegern angetrieben.

Nach dem Krieg verpflichteten die Franzosen Focke zwangsweise zum Bau eines leichten Hubschraubers. Er gelang so gut, dass er Frankreichs jahrzehntelange internationale Vorherrschaft in diesem Sektor begründete. In Deutschland erlaubten die Alliierten bis 1955 keinen Flugzeugbau. Focke konstruierte stattdessen Leichtbau-Busse in Wilhelmshaven und Bremen, ein Kombiflugzeug in Holland und einen weiteren Hubschrauber in Brasilien.

Nach Bremen holte ihn Carl F.W. Borgward zurück, als das Bauverbot fiel. In Sebaldsbrück entwarf Focke den Hubschrauber „Kolibri“, der nach Borgwards Vorstellungen das „Auto der Lüfte“ werden sollte. Der Konkurs des Konzerns verhinderte den Serienbau der erfolgreich getesteten Maschine. Seinen letzten Hubschrauber hatte Focke in erstaunlich kurzer Zeit mit nur bescheidenen Mitteln verwirklicht.

Nach 1961 ließ er sich in Bremen an der Emil-Waldmann-Straße einen Windkanal bauen. Sein letztes Forschungslabor ist heute Museum. Am 25. Februar 1979 starb Focke in seiner Geburtsstadt.

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