„Noch immer mittendrin“: Carpendale-Konzert in der Bremen-Arena / Langer und warmer Beifall für den Sänger

„Howie“ zieht mehr als ein Register

Links „Howie“, rechts Howard Carpendale – oder ist es umgekehrt? Der Star bei seinem Bremer Konzert.

Bremen - Von Boris HellmersBREMEN · Mit dem „Hello Again“, einem seiner erfolgreichsten Songs, nimmt Howard Carpendale es ziemlich genau. Er selbst sagt es immer wieder – auch, nachdem er 2003 eigentlich seinen Bühnenabschied genommen hatte.

Doch ohne die Musik geht‘s für den Südafrikaner offenbar nicht gut, zumal er sich auch im Rentenalter noch gut gerüstet fühlt. Kein bescheidenerer Titel als „Stark“ fiel dem Barden für die Tournee und seine neue CD ein.

Und das ist völlig okay. Es brauchte in der Bremen-Arena nur einen Song, um zu sehen, wie es um „Howie“ steht. „Wir haben alles überlebt“, sang er als Einstiegsnummer. Er sang hier von Nullpunkten und Untergang, aber auch: „Wir werden überstehen.“ Das ist Carpendales Dauerthema, und er selbst überstand eine Karriere von außergewöhnlicher Kontinuität, deren größter Wert es ist, dass Carpendale schadlos und ohne peinliche Künsteleien 64 Jahre alt werden konnte. Seine Fans, ein ziemlich sympathischer Haufen von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, sind mitgealtert und teilen die Lebenserfahrung gern mit ihrem Idol.

Gute zwei Stunden brachte der Star eine ganze Reihe neuer Titel. Es sind Pop-Balladen, natürlich, das ist Howard Carpendales Stamm-Milieu. Doch wie so oft bei großen Künstlern, sind auch Carpendales meiste Titel viel beeindruckender als die paar Songs, die in den Pop-Radios immer wieder dudeln.

„Howie“ kann viel mehr als ein Register ziehen. Mit seiner dutzendstarken Begleitband (Leitung: André Franke) kreiert er eine Art Jazz-Pop, rockt er druckvoll, lässt er Altbekanntes in neuem Gewand erstehen, ist er ein Erzähler, bei dem auch Banales seinen Wert bekommt – das ganze Leben schließlich ist banal, erst die richtige Perspektive macht den Unterschied.

Wenn Carpendale die  Beatles-Metropole London besingt oder die verlorene Liebe („Jetzt bist du weg“), wenn er sich „Noch immer mittendrin“ sieht, wenn er dem falschen Leben im Richtigen mit „Das bin ich nicht“ auf den Grund geht, dann mag man gar nicht an Titel wie „Ti amo“ oder „Tür an Tür mit Alice“ denken, mit denen der smarte Blonde die Hitparaden einst stürmte. Doch dem Publikum gefallen alle Facetten. Zwischen dumpfem Disco-Beat und melancholischer Weltuntergangsballade liegt nur ein Zwischenapplaus.

Ihrem „Howie“ nehmen sie alles ab, für sie ist der Mann durch und durch authentisch. Dass Carpendale sich auf der Bühne zu keinen großen Tanzshows hinreißen lässt und eher Standgesang abliefert, dass er eigentlich nur ein einziges Gesangstimbre beherrscht, war für seine Bremer Anhänger kein Hindernis – und ist in heutigen Zeiten wahrscheinlich ohnehin kein Manko mehr, sondern ein beruhigendes Zeichen für die Konzentration aufs Wesentliche. Die Fans spendeten langen und warmen Beifall.

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