Hospizdienste und andere Vereine lichten den Angebotsdschungel

Gebündeltes Netzwerk

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Rücken nicht nur im Privaten eng zusammen: Die Verantwortlichen der einzelnen Institutionen schaffen durch ein Netzwerk auch für Betroffene und Angehörige einen geeigneten Rückzugsort. Unser Foto zeigt Fanny Lanfermann (v.l., Löwenherz), Elisabeth Lohbreier (Löwenherz), Martina Wulf (Trauerland), Monika Mörsch (Ambulanter Kinderhospizdienst Jona), Margrit Ruzicka (Hospiz Horn), Marie-Luise Zimmer (Pegasus).

Bremen - Von Steffen Koller. Auf einmal ist alles anders: Wenn Kinder oder Jugendliche sterben, an einer tödlichen Krankheit leiden oder Angehörige plötzlich nicht mehr da sind, bricht eine Welt heillos in sich zusammen. Wie damit umgehen, wen ansprechen? Seit 2012 hat sich in Bremen ein Netzwerk von Institutionen zusammengefunden, um Menschen gezielt zu helfen.

Denn auch in der modernen Zeit ist der Tod oftmals immer noch ein Tabuthema. Gestern stellten das „Netzwerk für Leben, Krankheit, Sterben, Tod, Trauer“ seine Arbeit vor.

Finja war 16 Jahre alt. Sie hatte Träume, sie hatte Spaß im Leben. Doch dann erhielt ihre Mutter im Februar 2014 die schreckliche Diagnose: Krebs. Die Sommerferien hatten gerade begonnen, da teilten die Ärzte der Familie mit: Finjas Mutter wird nicht mehr lange zu leben haben. Wenige Wochen später starb sie. Carsten Lührs, Finjas Stiefvater und der damalige Mann ihrer Mutter, sagt heute: „Das alltägliche Leben hatte sich komplett verschoben, auf einmal war alles anders.“ In ihrer Trauer suchten sie Hilfe und fanden sie beim Verein „Pegasus“. Rückblickend war es das Beste, was der jungen Familie in dieser Situation passieren konnte.

„Das war eine riesengroße Erleichterung. Dort musst Du Dich nicht erklären, die Menschen können nachempfinden, wie Du fühlst“, sagt Lührs gestern während eines Pressegesprächs. Er steht stellvertretend für viele Familien und Angehörige, die einen dramatischen Schicksalsschlag verarbeiten und sich erfolgreich Hilfe gesucht haben. Mit dem Netzwerk – bestehend aus den Vereinen „Kinderhospiz Löwenherz“, „Trauerland“, „Hospiz Horn“, „da-sein.de“, „Kinderhospizdienst Jona“ und „Pegasus“ – hat Bremen „aus einem Dschungel an Angeboten ein gebündeltes Netzwerk geschaffen“, beschreibt Fanny Lanfermann von „Löwenherz“.

Das Netzwerk verbinde im Kern die einzelnen Kompetenzen der Vereine und schaffe so einen verlässlichen Partner von außen, sagt Lanfermann, die anfügt, dass die Hilfe „schnell, umfassend und unbürokratisch“ erfolge. Ob ambulante oder stationäre Betreuung, das Abnehmen von Aufgaben durch Ehrenamtliche oder der Austausch mit anderen Betroffenen – auch Lehrerin Corinna Genzmer hat von diesem Angebot profitiert. Zwei ihrer Schülerinnen verloren durch den Krebs ihre Mütter, was auch für sie „eine sehr emotionale Phase“ gewesen sei. Auch sie suchte Hilfe im Umgang mit ihren Schützlingen und hat verstanden, dass jeder Mensch ganz unterschiedlich mit dem Thema Tod umgeht.

Sehr junge Kinder seien in der dieser Situation besonders hilfebedürftig, sagt Marie-Luise Zimmer von „Pegasus“. Kindern könne man oftmals mehr zutrauen, als man erwarten würde. „Doch im Zweifel einfach fragen. Kinder sind reflektierter als man glaubt.“

www.trauerland.org

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